Handball NLB
Von der Bundesliga in die Fricktaler Provinz: Marcus Hock bereut das nicht

Von der grossen Bundesliga in die beschauliche Handballschweiz: Marcus Hock wechselte vor vier Jahren zum TV Möhlin. Anfangs erlebte er einen Kulturschock, heute bereut er den Entscheid aber keineswegs.

Fabio Baranzini
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Vor vier Jahren in der Bundesliga, jetzt in der beschaulichen Handballschweiz: Marcus Hock ist glücklich beim TV Möhlin. Fabio Baranzini

Vor vier Jahren in der Bundesliga, jetzt in der beschaulichen Handballschweiz: Marcus Hock ist glücklich beim TV Möhlin. Fabio Baranzini

Fabio Baranzini

An sein erstes Handballspiel in der Schweiz kann sich Marcus Hock noch immer lebhaft erinnern. Und das, obwohl mittlerweile schon beinahe vier Jahre vergangen sind, seit er erstmals für den TV Möhlin aufgelaufen war. Damals spielten die Fricktaler noch in der 1. Liga und traten auswärts gegen Emmen an. «Es waren gerade mal 29 Zuschauer in der Halle. Das war ein absoluter Kulturschock für mich», erzählt Hock. Kein Wunder: Nur wenige Wochen zuvor hatte der 1,98 Meter grosse Rückraumspieler noch in der deutschen Bundesliga vor 10 000 Zuschauern gespielt.

Möhlin, Wallbach, Frick

Mittlerweile hat sich Marcus Hock aber längst an die Begebenheit in der beschaulichen Handballschweiz gewöhnt. Er bestreitet seine vierte Saison für den TV Möhlin, arbeitet in Wallbach und lebt mit seiner Frau in Frick.

Sie war auch einer der Gründe, weshalb er vor vier Jahren Deutschland verlassen hat und in die Schweiz gezogen war. «Meine Frau hatte ein tolles Jobangebot in der Schweiz und ich bin ihr dann gefolgt», so Hock. Ein Entscheid, den er nicht bereut hat. Im Gegenteil: «Ich habe damals bei einer Firma in Wallbach eine Praktikumsstelle in der Qualitätstechnik bekommen und arbeite heute dort als Teamleiter. Daneben kann ich in Möhlin auf gutem Niveau Handball spielen. Das ist wie ein Sechser im Lotto für mich», schwärmt Hock.

Mit dem Star zum Aufstieg

Doch nicht nur für Hock erwies sich der Wechsel vor vier Jahren als Glückstreffer, auch für den TV Möhlin. Unter anderem dank den spielerischen Qualitäten von Hock, die locker für die NLA gereicht hätten, ist Möhlin 2012 in die Nationalliga B aufgestiegen.

In der darauffolgenden Saison wurde der heute 33-Jährige Torschützenkönig und in der letzten Spielzeit führte er den TV Möhlin als Spielertrainer durch eine schwierige Saison. «Das war eine super Erfahrung für mich, aber ich bin dabei an meine Grenzen gestossen.

Neben meiner Vollzeitstelle auch noch die Trainings vorzubereiten, zu leiten und selber zu trainieren – das war enorm anstrengend. Ohne die tolle Unterstützung meines Coaches Bruno Stadelmann wäre das gar nicht möglich gewesen», blickt er zurück. In der Endabrechnung reichte dem TV Möhlin der 10. Rang für den Klassenerhalt.

Im Hinblick auf diese Saison hat sich vieles verändert. Mehr als die Hälfte des Kaders wurde ersetzt, viele junge Spieler wurden ins Team integriert und neu leitet mit Zoltan Cordas ein sehr erfahrener Trainer die Geschicke des B-Ligisten aus dem Fricktal.

Eine Konstellation, die auch für Marcus Hock passt. Entsprechend ist ihm der Wechsel vom Spielertrainer zurück zum Spieler leicht gefallen. «Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, später als Trainer zu arbeiten. Aus Sicht des Vereins war es aber absolut verständlich, dass Zoltan Cordas verpflichtet wurde», so Hock, der sich in dieser Saison erneut sehr treffsicher zeigt. 61 Mal hat er bereits ins Schwarze getroffen und ist damit der viertbeste Skorer der Liga.

Zofingen ist der nächste Gegner

Im heutigen Heimspiel (19 Uhr, in der Steinli-Halle) will der TV Möhlin den Aufwärtstrend der letzten Wochen bestätigen. Nach einem schwierigen Start – drei Niederlagen in den ersten vier Spielen – konnten sich die Fricktaler zuletzt über drei Siege und ein Unentschieden freuen.

Mit Zofingen wartet heute ein Gegner, den es aufgrund der Tabellensituation zu schlagen gilt. Doch Topskorer Hock warnt: «Zofingen ist für jeden Gegner unbequem. Es ist eine sehr kämpferische Mannschaft, die wir sicher nicht unterschätzen werden.»