Die Verhinderung des Atomkraftwerks Kaiseraugst mit massiven Protestaktionen der Bevölkerung leitete schon vor über vierzig Jahren einen Wandel im Energiebewusstsein in der Region ein. Dies ist die zentrale Botschaft der im Schützenkeller vorgestellten Rheinfelder Neujahrsblätter 2018.

«Erneut ist eine interessante Mischung aus historischen und gegenwärtigen Ereignissen entstanden», lobte Ute W. Gottschall, Präsidentin der Neujahrsblatt-Kommission, an der Vernissage die Arbeit des Autorenteams. «Eine stimmige Komposition, kurzweilig erzählt und interessant ausgeschmückt.» Dies unterstrich auch Walter Herzog, Verleger und Mitglied der Neujahrsblatt-Kommission: «Unsere Stadt hat eine spezielle Geschichte zur Energie.» Dass sich einst viele Menschen gegen einen Kühlturm in der Nachbarschaft wehrten, habe die Region geprägt, so Herzogs Einschätzung. «Wir müssen alles tun, um sinnvolle Projekte zu realisieren und Energiestadt zu bleiben.»

Vom AKW-Protest zum Elektroauto

Damit war der Schwenk zum Vorwort des 74. Jahrgangs der Rheinfelder Neujahrsblätter vollzogen. Mit «Energie im Wandel» setzen sich darin Lotti Berner und Peter Scholer auseinander – einst Aktivisten an vorderster Front im Kampf gegen das Atomkraftwerk Kaiseraugst. Und sie spannen den Bogen weit: vom Bau des alten Kraftwerks Ende des 19. Jahrhunderts und dem Aufbau eines Stromverbundnetzes über die AKW-Proteste und Erprobung von Solarmobilen bis hin zur Verwirklichung von Fernwärmenetzen, Solarfassaden und Ladestationen für Elektroautos. Nach zahllosen Diskussionen über Wachstumsgrenzen oder Zukunft der Menschheit resümieren Berner und Scholer: «Heute ist es in, etwas gegen Klimawandel und Umweltverschmutzung zu tun.»

Mit dem neuen Wärmeverbund Rheinfelden-Mitte, gespeist mit der Abwärme der Brauerei Feldschlösschen, beschäftigen sich Claudia Wehrli und Jürg Frutiger. «Dank lokaler Industrie eine warme Stube», lautet denn auch ihre Empfehlung, sich durch das Studium der Neujahrsblätter mit der Thematik vertraut zu machen.

Einblicke in die Historie

Gleiches gilt für den Beitrag von Peter Mauchle, der die dezentrale Einspeisung von Strom in Niederspannungsnetze darstellt, ergänzt durch Fotos und technische Zeichnungen. Kurt Beretta darf in dem 184 Seiten starken Buch nicht fehlen. Er beschäftigt sich ausführlich mit dem Start des europäischen Stromverbundnetzes 1904 als «Meilenstein der elektrischen Energietechnik». So befanden sich bei der Rheinlust in Rheinfelden im Jahr 1904 zwei Bauwerke, die zur Keimzelle des heutigen europäischen Verbundnetzes gehörten: die Unterstation Theodorshof des Wasserkraftwerks Beznau sowie der alte Eisensteg.

Historische Themen wie «Von der Weihermatt zum Ronigerpark», die seit 25 Jahren praktizierte Sammelaktion mit den «Heiligen Drei Königen» in der Marktgasse, die militärhistorisch bedeutende Sperrstelle in der Enge bei Magden mit imposanten Bunker- und Verteidigungsanlagen zählen zu den Highlights in den Neujahrsblättern, ebenso wie ein Porträt des in Olsberg wohnenden Cello-Weltstars Sol Gabetta. Dass CVP, SVP und Curlingclub Jubiläen feiern, wurde nicht vergessen. Schliesslich gibt es noch einen Rückblick auf die Lebensumstände in der Region nach dem Ersten Weltkrieg vor einhundert Jahren. Vielfältige Leseanreize also.