Merlin und Lyann brauchen Hilfe beim Schreiben; Nick hätte gerne Unterstützung beim Lesen und Karen und Mert müssen sich noch überlegen, wobei Frau Schneider ihnen behilflich sein könnte.

Die Stimmung an diesem Dienstagmorgen im Klassenzimmer der ersten und zweiten Klasse der Schule Zeihen ist aufgeregt. Mehrmals sind die Kinder zur Tür gerannt und haben nach ihr Ausschau gehalten.

Dann war sie endlich da: Rosmarie Schneider, Seniorin aus Bözen. Sie wird bis zu den Sommerferien jeden Dienstagmorgen im Klassenzimmer anwesend sein. Lehrerin Aurelia Steiger: «Ich erhoffe mir einen Austausch zwischen den Generationen, bei dem man gegenseitig profitieren kann und Neues dazu lernt.»

Rosmarie Schneider werde beim Lesetrainig helfen, einzelne Kinder am Platz bei ihren Aufgaben unterstützen, von ihrer Kindheit und Schulzeit oder ihrem erlernten Beruf berichten oder bei einem Ausflug mit dabei sein.

Ein riesiger Unterschied

Rosmarie Schneider ist gelernte Zahnarzthelferin und hat vor ihrer Pensionierung als Nanny gearbeitet. An die Atmosphäre im Klassenzimmer muss sie sich erst gewöhnen. «Meine letzte Schulstunde ist schon länger her», sagt sich lachend.

Damals seien die Kinder viel ruhiger und die Stimmung um einiges strenger gewesen. «Das ist schon ein riesiger Unterschied.» Rosmarie Schneider freut sich über die aufgeweckten Zeiher Kinder: «Sie sind sehr offen und natürlich.» Berührungsängste gibt es keine; kaum im Klassenzimmer scheint Frau Schneider schon bestens integriert.

Die Kinder zeigen ihr, wie man heute schreibt, und fragen nach Hilfe, wenn sie bei ihren Aufgaben nicht weiterwissen. Rosmarie Schneider: «Ich habe mich extra für die erste und zweite Klasse gemeldet. Da meine Schulzeit schon so lange her ist, wusste ich nicht, ob ich bei den Fünft- und Sechstklässlern beim Rechnen noch mithalten kann.»

Fitte, lebenserfahrene Personen

Nach den Frühlingsferien wurde in der Schule Zeihen das Projekt «Senioren in der Schule» - initiiert von der Pro Senectute - gestartet. Drei Seniorinnen und ein Senior aus Zeihen, Frick und Bözen werden einmal pro Woche «ihre Klassen» – vom Kindergarten bis zur 6. Klasse – besuchen und die Lehrpersonen unterstützen.

«Wir haben nach fitten, lebenserfahrenen Personen gesucht, die gut mit Kindern umgehen können und Flexibilität, Zeit und Geduld mitbringen», erklärt Schulleiter Joachim Genz. «Wir möchten mit dem Treffen der Generationen Ressourcen nutzen.»

Das Projekt läuft vorerst bis zu den Sommerferien, danach werde man entscheiden, ob die Senioren auch im neuen Schuljahr Bestandteil der Zeiher Schulklassen sind.

Die Erst- und Zweitklässler würde es jedenfalls freuen. «Gut», finden Alea und Hannah Frau Schneider. Und Aurelia Steiger bestätigt am Ende des Morgens: «Die Kinder freuen sich sehr auf ihren nächsten Besuch.»