Volleyball
Nach einem Ende mit Schrecken: Fricktaler Volleyballer wagen in der 3. Liga den Neuanfang

Nach Jahren in der NLA und der NLB musste Volley Smash 05 Laufenburg-Kaisten sich auf die Saison 2018/2019 hin aus dem Spitzenvolleyball zurückziehen. Fortan sah man sich gezwungen, kleinere Brötchen zu backen – und lancierte einen Neuanfang in der
3. Liga. Wie sieht es heute aus?

Nils Hinden
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Mannschaftsfoto der Herren 1 von Smash 05 Laufenburg-Kaisten.

Mannschaftsfoto der Herren 1 von Smash 05 Laufenburg-Kaisten.

Melanie Kägi / zvg

Es war ein Fricktaler Sportmärchen: Während beispielsweise die Fricktaler Fussballklubs in den unteren Ligen herumdümpelten, spielten die Volleyballer von Smash 05 Laufenburg-Kaisten jahrelang in der Nationalliga A und der Nationalliga B, also in den obersten Schweizer Spielklassen. Dann nahm das Märchen ein Ende – und zwar durchaus ein Ende mit Schrecken.

Der Verein sah sich gezwungen, seine erste Mannschaft aus dem NLB-Ligabetrieb zurückzuziehen. Das hatte sich abgezeichnet: Langjährige Stammkräfte der ersten Mannschaft wurden zunehmend älter und dachten ans Aufhören, gleichzeitig fehlte es an Nachschub aus dem Juniorenbereich. Und das, obwohl die Jugendabteilung von Smash 05 Laufenburg-Kaisten für ihre gute Nachwuchsarbeit bekannt ist.

Im Sommer 2018 hatte Volley Smash noch sieben Kaderspieler.

Im Sommer 2018 hatte Volley Smash noch sieben Kaderspieler.

Melanie Kägi / zvg

So war der Grund für den Rückzug auch nicht die fehlende Qualität der Jugendabteilung, sondern vielmehr die Abgänge von jungen Talenten zu anderen Vereinen. Der ehemalige NLB- und NLA-Spieler und -Trainer Mike Fehlmann, der noch heute in diversen Funktionen im Verein tätig ist und den Wandel mitgestaltet hat, sagt:

«Immer mehr junge Spieler zog es in die Zentren zu den Stadtvereinen.»

Gute Spieler von Stadtvereinen hätten den umgekehrten Weg jedoch nur selten eingeschlagen.

So hatte man im Sommer 2018 nur noch sieben Kaderspieler, zudem konnten wichtige Positionen nicht besetzt werden. Trotz Ausschreibungen und Probetrainings schaffte man es nicht, rechtzeitig eine Mannschaft bereitzustellen, der man es zugetraut hätte, in der NLB zu bestehen. So kam es zum besagten Rückzug auf die Saison 2018/2019 hin.

Kompletter Neuanfang drei Ligen tiefer

Die erste Mannschaft wurde dabei gleich ganz aufgelöst. «Aufgrund des Spielermangels konnten wir auch in der ersten Liga nicht weiterspielen», erklärt Fehlmann. So hätte man beschlossen, die erste Mannschaft ganz aus den Wettbewerben zurückzuziehen und die zweite Mannschaft – dannzumal noch in der 2. Liga – zur ersten Mannschaft zu machen.

Mike Fehlmann.

Mike Fehlmann.

zvg

Fast alle der verbliebenen sieben NLB-Spieler standen für den Neuanfang nicht zur Verfügung. Sie wechselten zu einem anderen Verein, um weiterhin Topvolleyball zu spielen, oder hörten ganz auf. Weil man zudem junge Spieler in das Kader der ersten Mannschaft integrieren wollte, beschloss der Verein, einen kompletten Neuanfang in der 3. Liga zu vollziehen.

Die kommende Saison wird brisant

Die Fricktaler Volleyballwelt stand also kopf. Heute, drei Jahre später, spielt die erste Mannschaft von Volley Smash noch immer in der 3. Liga. Nach den zwei coronabedingten Saisonabbrüchen wird die eben angelaufene Saison besonders brisant. Denn für die Teams stellt sich zum Saisonstart am kommenden Wochenende mehr denn je die Frage, wo sie stehen.

Der Start in die neue Saison ist mit einem Sieg gelungen.

Der Start in die neue Saison ist mit einem Sieg gelungen.

Melanie Kägi / zvg

Bei Volley Smash 05 ist das nicht anders. Man ist gespannt, wie die Herrenmannschaft in der 3. Liga zurechtkommt. Die Stimmung und die Motivation stimmen sicherlich. Das ist aus der ersten Mannschaft zu hören. Fehlmann sagt:

«Den Kern der Mannschaft bilden ältere und erfahrene Spieler, sie sind motiviert und haben Freude daran, den jungen Spielern zu helfen.»

Bei den jungen Volleyballern fehle es ebenfalls nicht an Motivation: «Bei den jungen Spielern haben wir sicherlich auch kein Motivationsproblem. Vielleicht auch, weil sie spüren, dass sie weiter sind als andere Spieler in ihrem Alter», sagt Mike Fehlmann. Trotz des Altersunterschieds habe man kein Problem mit Grüppchenbildungen. «Das Team kommuniziert viel untereinander. Auch die Jungen mit den Alten und umgekehrt», so Fehlmann.

Saisonstart ist gelungen

Der Saisonstart ist mit einem Sieg gelungen. Wohin die Saison noch führt, ist aber schwer abzuschätzen. Vom Aufstieg als Ziel spricht man bei Volley Smash jedenfalls nicht derzeit. Mike Fehlmann sagt vielmehr:

«Wir wollen die ersten Spiele abwarten und sehen, wo die erste Mannschaft steht. Natürlich wäre es schön, wenn wir uns mit dem Herren 1 wieder nach oben orientieren können.»

Man will sich keinen Druck machen, aber es ist auch klar, dass der Gedanke an den Aufstieg irgendwo in den Hinterköpfen herumschwirrt. Vielleicht ist es für einen Aufstieg diese Saison noch zu früh, aber mittel- und langfristig wird der Aufstieg wohl zwangsläufig wieder zum Thema. Dem Märchen, das einst mit Schrecken endete, könnte so ein neues Kapitel hinzugefügt werden – vielleicht diesmal mit Happy End.

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