«Häsch dis Dampfschiffli scho kchauft?» Die Sticheleien mancher Aargauer Kantonalratsmitglieder nehme er inzwischen gelassen, versichert der Präsident des Vereins für die Weiterführung der Rheinschifffahrt (VWR) René Leuenberger senior. Dass Forderungen nach einer Wiederbelebung der Binnenschifffahrt auf dem Hochrhein bei politischen Vertretern des eidgenössischen Bundes wie auch des Kantons auf wenig Gegenliebe stossen, weiss der 66-jährige Unternehmer aus Laufenburg sehr gut.

Vorbei sind die Zeiten, als etwa im Staatsvertrag von 1926 zwischen dem Deutschen Reich und der Schweiz die Vereinbarung getroffen wurde, «sobald es die wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben, die Schiffbarmachung zwischen Basel und Bodensee in Angriff zu nehmen». Längst haben Strasse und Schiene die einst in der Industrialisierung nachhinkende Ostschweiz an die wirtschaftliche Entwicklung angekoppelt und die Bedeutung Basels als «Tor zur Welt» relativiert.

Entlastung des Verkehrschaos

Die Lobby der Schweizerischen Bundesbahnen, besonders aber die zu erwartenden Proteste von Umwelt- und Naturschutzverbänden tun ein Übriges, wie Leuenberger weiss. Aufgeben will der 40 Mitglieder zählende Verein jedoch nicht. An einer grossen ökonomischen und verkehrsinfrastrukturellen Aufwertung der Hochrheinregion durch die Schifffahrt hat Leuenberger keinen Zweifel.

Er erwartet in erster Linie eine erhebliche Entlastung des «Verkehrschaos» auf der A3, von dem ihm seine eigenen Fahrer täglich berichten. «Die Schifffahrt hat gegenüber dem Transport auf Strasse und Schiene eine verlässlichere Transportlogistik», ist Leuenberger senior überzeugt. Weil per Schiff enorme Mengen transportiert werden könnten, liesse der Warenverkehr auf dem Rhein eine Senkung von Kosten erwarten. Bei entsprechender Planung der Transportlogistik würden gerade mittelständische Unternehmen davon sehr profitieren.

Den Traum von der Binnenschifffahrt bis zum Bodensee hat der VWR zwar längst aufgegeben. Grosse Erwartungen legt Leuenberger jedoch in den Bau eines Rheinhafens in Rekingen im Bezirk Zurzach. Für die Ost- und Zentralschweiz bestimmte Waren könnten auf Schiene und Strasse umgeladen werden. Als günstig würde sich laut Leuenberger Rekingens geografische Lage für die Versorgung des Flughafens Kloten per Pipeline erweisen.

Nicht gerade zur Stärkung der Position der Binnenschifffahrtsbefürworter sorgte allerdings eine von SVP-Nationalrat Hansjörg Knecht im Herbst 2014 in Auftrag gegebene Studie, die die Rentabilität des Güterverkehrs auf dem Rhein untersuchen sollte. Das Gutachten der Fachhochschule Nordwestschweiz kam zu dem eindeutigen Urteil, dass die Kosten für ein solches Projekt weitaus höher wären als der Nutzen. Zu meistern hätte die Schiffbarmachung des Hochrheins neben Widerständen vonseiten der Politik sowie Umwelt- und Naturschutzverbänden auch so manches technische Hindernis.

Der Bau von Kraftwerkschleusen in Rhyburg, Bad Säckingen, Laufenburg und Albbruck-Dogern, die Anlage von Umgehungskanälen, Felssprengungen, die Ausbaggerung geeigneter Wassertiefen, die Anhebung der historischen Holzbrücke in Bad Säckingen sowie Abriss und Neubau der Brücke in Rheinfelden lassen eine gepfefferte Rechnung von 960 Millionen Franken erwarten. Allein die Kosten für den Bau des Rheinhafens in Rekingen beziffert das Gutachten auf 225 Millionen Franken. Die Einsparungen würden sich gemäss der Studie im besten Fall auf 370 Millionen belaufen. «Eine Schiffbarmachung bis Rekingen lohnt sich aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht», stellt die Fachhochschule nüchtern fest. Zur Entlastung der angespannten Verkehrssituation im Raum Basel sowie des Basler Hafens empfiehlt die Studie den Bau eines Hafens in der Region RheinfeldenKaiseraugst.

Skeptisch gegenüber Kritikern

Leuenberger zeigt sich skeptisch. Die fachliche Qualifikation und Tüchtigkeit des Gutachterkreises will er keineswegs bezweifeln. Als Unternehmer, der jeden Tag mit den ökonomischen und infrastrukturellen Problemen in der Region zu kämpfen habe, wittert Leuenberger jedoch eine gewisse «Distanz zur Materie».

Besonders schwer tut sich Leuenberger damit, die Argumente von Umweltschützern gelten zu lassen. Für Gegner der Rheinschifffahrt, die immer wieder den Naturschutz ins Spiel bringen, habe er als gute Antwort immer eine Frage parat, sagt Leuenberger: «Wenn bisch au du zum letschte Mol unte am Rhi gsi?»