Laufenburg
Vielfältige Hörerlebnisse geboten

Tenor Tino Brütsch begeisterte beim Benefizkonzert im Schlössle.

Jürgen Scharf
Merken
Drucken
Teilen
Tino Brütsch singt im «Schlössle». SK

Tino Brütsch singt im «Schlössle». SK

Picasa;Jürgen Scharf;

«Ich hasse Musik, aber ich singe gern, la, la, la ...». Für den Anfang eines Liederabends ist das ja ein kesses Lied. Das Publikum beim Benefizkonzert im «Schlössle» in badisch Laufenburg nahm es nicht wörtlich, sonst wäre der Saal nicht so gut gefüllt gewesen beim Auftritt des Laufenburger Tenors Tino Brütsch im Rahmen der Reihe «Flügel ohne Grenzen».

«I hate Music», der Zyklus der fünf «Kid Songs» von Leonard Bernstein, war ein humorvoller Einstieg in ein unterhaltsames, intelligentes und virtuoses Liederrecital mit einem interessanten Programm unter dem Motto «Kinderlieder». Weil Bernsteins zeitloser Liederzyklus, der die Musik kommentiert, so witzig ist, machte es auch Spass, dass Brütsch ihn in einer schweizerdeutschen Dialektfassung vortrug. Es lag also, wie der Sänger augenzwinkernd meinte, nicht an seiner Diktion, wenn es nicht ganz übereinstimmte mit der deutschen Übersetzung oder dem englischen Original auf dem Programmzettel. Es war überhaupt ein originelles Konzert, nicht nur dieser charakteristische, zwischen E- und U-Musik pendelnde Bernstein-Tonfall.

Denn Brütsch sang vier Liederzyklen mehrsprachig, auf Schweizerdeutsch, Russisch, Französisch und Englisch, was die Vorsitzende des Fördervereins Kultur im Schlössle, Maria Theresia Rist, zum Kompliment veranlasste: «Ein Sprachgenie!». Eine gute Idee konnte der Sänger mit seiner Klavierbegleiterin, der seit zwei Jahren im badischen Laufenburg lebenden Pianistin und Improvisationsmusikerin Claudia Ulla Binder realisieren.

Raffinierte Improvisationen

Als Überleitungen, ohne Pause und Applaus, gab es raffinierte, teils geräuschhafte Improvisationen. Einmal singt Brütsch in den Resonanzraum des Flügels, ein andermal macht er zischende Windgeräusche, passend zur jeweils folgenden zeitgenössischen Musik. «Alles zugängliche Kompositionen», tröstete Brütsch.

Und das waren dann der Liederkreis «Winter Words» von Benjamin Britten, schon vom Titel her eine Anspielung auf Schuberts «Winterreise», acht pessimistische bis satirische Lieder, eine winterliche Sicht auf das Leben, in einer expressiven Interpretation. Sofia Gudaidulinas undramatischer, humorvoller Zyklus der «Abzählreime», verständlich, fassbar und gut artikuliert, wobei die Zuhörer natürlich nicht des Russischen mächtig waren.

Francis Poulencs charmant-ironischer Zyklus «La Courte Paille», Nonsenslieder über die Karaffe und die Giraffe oder das unbeschwerte Kinderlied «Ba, Be, Bi, Bo, Bu» über den gestiefelten Kater («Le Chat Botté») samt einem surrealistischen Epilog. Hier machten sich die Interpreten zum Medium der Texte, der Vertonungen und stimmungsvollen Bilderwelt. Das war also vielgestaltige, inspirierte und inspirierende Musik, wobei Brütsch und Binder den jeweiligen Ton der Kompositionen, den ständig ändernden Stil genau trafen.

Der Laufenburger Tenor gefiel mit verständlicher, erzählerischer Diktion, darstellerischer Fähigkeit und guter Gesangstechnik. Die Künstler, die zugunsten des neuen Steinway-Flügels auf die Gage verzichteten, verabschiedeten sich mit «Die stille Stadt», einem versöhnlichen Lied des Laufenburger Komponisten Hermann Suter.