Feuer, Funken, heisse Scheiben
Viel Volk am Oeschger Scheibensprengen

Bei idealen äusseren Bedingungen fand auf dem Boll bei Oeschgen das traditionelle Scheibensprengen statt. Ein interessantes Rahmenprogramm lockte bereits im Laufe des Nachmittags zahlreiche Schaulustige auf den Festplatz beim nahe gelegenen Boll-hof. Dieses Jahr waren die Lenzburger Chlauschlöpfer zu Gast. Für diejenigen, die sich gleich selber in der Kunst des „Chlöpfens" versuchen wollten, hatten sie extra eine Anzahl „Trainingsgeisseln" mitgebracht, an denen Lernwillige unter Anleitung der Lenzburger erste Gehversuche starten konnten.

1‘000 Scheiben warteten auf den Flug

Traditionellerweise stellen die „Schiibespränger" jeweils am Samstag vor Weihnachten die gut 1‘000 Holzscheiben selber her. Diese werden aus rund 1cm dicken Rohlingen zu schön runden Holzscheiben mit einem Durchmesser von etwa 10cm geformt. Bereits vor dem Eindunkeln versuchten sich insbesondere zahlreiche Jugendliche im „Schiibespränge". Dabei wird die Holzscheibe, welche in der Mitte über ein Loch ver-fügt, auf eine lange Haselrute gesteckt. Danach bringt man die Scheibe über dem Feu-er zum Glühen. Auf einer Art Startrampe erhält die Scheibe die benötigte Drehung und wird dann über diese Rampe, ähnlich dem Abschlag beim Hornussen, ins Tal hinaus geschossen. Das sich drehende Rat zieht dann einen imposanten Feuerschweif hinter sich her. Dies alles verlangt freilich recht viel Übung.

Nach Einbruch der Dunkelheit schreiten dann die „Schiibespränger" zum eigentlichen Höhepunkt. Fünf Männer, versehen mit Schutzhelmen und eingekleidet in Wärmeja-cken der ehemaligen Oeschger Feuerwehr, machen sich an die Arbeit. Das vier Meter hohe Rad wird mit brennbarer Flüssigkeit eingestrichen. Vier der Männer drehen das mächtige Rad mit Hilfe einer Eisenstange, die mit der Kurbel am Rad verbunden ist. Sepp Hauswirth, der Leiter des ganzen Spektakels entnimmt dann mit einer Schaufel aus dem nahe gelegenen Feuer brennende Scheiter und entzündet damit die Hülle des Rades. Nach kurzer Zeit brennt alles lichterloh. Durch das in Schwung gehaltene Rad entstehen prächtige Bilder. Während das Publikum das Schauspiel aus sicherer Distanz verfolgt, stehen die vier „Schiibespränger" mitten im Feuerregen und sind froh über die schützenden Anzüge.

Nach ziemlich genau zwölf Minuten brach das Rad dieses Jahr das Rad zusammen und die Flammen loderten dann in der Wiese ihrem Ende entgegen. Viele Anwesende greifen zu den Haselruten und versuchen die im Feuer angezündeten Scheiben ins Tal hinauszuschiessen.

Ein wilder Haufen

Der Brauch des Scheibensprengens geht ursprünglich bis auf das Mittelalter zurück, wurde dann aber wegen der Brandgefahr (Strohdachhäuser) verboten. 1969 lebte dann in Oeschgen der Brauch wieder auf. Verbrannte man zunächst eine Puppe, so trat ab 1979 an deren Stelle das sich drehende Feuerrad, das weitherum als ganz besonderes Spektakel wahrgenommen werden kann.

Die „Schiibespränger" sind übrigens nicht als Verein organisiert: „Wir sind einfach ein wilder Haufen, der dieses Brauchtum pflegt!" meinte Sepp Hauswirth zur AZ. Im Laufe der Jahre habe sich der Anlass immer weiter entwickelt. Heute verfügt der „wilde Hau-fen" gar über eine eigene Festhütte, worin er die zahlreichen Gäste auch gleich selber bewirtet.