Gipf-Oberfrick

Viel Kritik für die Oberstufenpläne: Wieso wurde Eiken übergangen?

Der Souverän will, dass die Gipf-Oberfricker Oberstufe eigenständig bleibt. Gemeinderat und Schulpflege hatten einen Zusammenschluss mit Frick beantragt. Archiv

Der Souverän will, dass die Gipf-Oberfricker Oberstufe eigenständig bleibt. Gemeinderat und Schulpflege hatten einen Zusammenschluss mit Frick beantragt. Archiv

Bevölkerung goutiert den geplanten Zusammenschluss mit Frick nicht. Eiken habe einen Partner gesucht, weshalb ist der Gemeinderat nicht darauf zurückgekommen?

Am Dienstagabend orientierte der Gemeinderat erstmals öffentlich darüber, wie er sich die Zukunft der Oberstufe vorstellt. Dabei bestätigte er, was die az schon vor über zwei Wochen publik gemacht hatte: Er beantragt an der Gemeindeversammlung vom 30.  Juni, dass die Oberstufe künftig von Frick geführt wird, Gipf-Oberfrick als Aussenstandort aber erhalten bleibt. Auch die Gemeinderäte der Talgemeinden Wittnau, Wölflinswil und Oberhof stehen hinter diesem Antrag.

«Wir haben uns den Entscheid nicht leicht gemacht», betonte Gemeindeammann Regine Leutwyler. Die Lösung sei ein «vertretbarer Kompromiss» und vor allem eine längerfristige Lösung. «Wenn wir alles so belassen, wie es ist, lösen wir unsere Probleme nicht.»

Keine Schüler abwerben

Schul-Gemeinderätin Daniela Slania hatte zuvor die geprüften Varianten aufgezeigt und dargelegt, weshalb der Gemeinderat von ihnen Abstand genommen hat. «Ein Abwerben von Schülern aus anderen Gemeinden lehnt der Gemeinderat ab», sagte sie. Das sei einerseits «schlechter Stil» und andererseits bliebe dann jedes Jahr die Unsicherheit, ob der Standort Gipf-Oberfrick die Mindestschülerzahl in jeder Klasse erreicht.

Einen reinen Schüleraustausch lehnt Frick ab. «Wir können dies deshalb nicht durchsetzen.» Frick befürchte Probleme und Rekurse bei der Schülerzuteilung, führte Slania aus. Ein Alleingang von Gipf-Oberfrick sei aufgrund der Schülerzahlen schwierig und mit finanziellen Risiken behaftet. «Pro Abteilung, die nicht die Mindestschülerzahl erreicht, müssten wir 140 000 Franken bezahlen», so Slania. Die Prognosen zeigen, dass 2019/20 in einer Real-Klasse erstmals die aktuelle Mindestschülerzahl von 13 Schülern unterschritten würde – um einen Schüler.

Nach diesen Ausführungen konnten sich die rund 180 Interessierten äussern und Fragen stellen. Dabei zeigte sich, dass der Gemeinderat mit seiner Haltung ziemlich alleine da steht. Einzig die Schulpflege gab bekannt, dass sie den Antrag «schweren Herzens» unterstütze. Ansonsten gab es kein einziges unterstützendes Votum, dafür öfters Applaus für kritische Äusserungen.

Warum nicht mit Eiken?

Eine Votantin zeigte sich enttäuscht, dass der Gemeinderat nicht auf Eiken zugegangen sei, denn Eiken habe einen Partner gesucht. «Das wäre kein Abwerben gewesen», so die Rednerin. Daniela Slania führte an, dass aus ablauftechnischen Gründen keine Gespräche mit Eiken stattgefunden haben. «Wir waren dann noch in den Verhandlungen mit Frick. Als diese abgeschlossen waren, hatte sich Eiken bereits entschieden.»

Andere Redner kritisierten, dass Gipf-Oberfrick beim Zusammenschluss nicht einmal ein Mitspracherecht habe, und führten die «komplett verschiedenen Führungsstile» ins Feld. Während in Gipf-Oberfrick jeder Lehrer jeden Schüler kenne, fühlten sich einige Schüler in der grösseren Schule in Frick bereits jetzt «verloren». Skepsis herrschte zudem darüber, wie viele Klassen nach dem Zusammenschluss überhaupt noch in Gipf-Oberfrick unterrichtet würden. «Frick wird zuerst seine Klassen auffüllen und dann höchstens einzelne Zimmer mieten», sagte ein Votant. «Nein, so lassen wir nicht mit uns verhandeln», stellte dagegen Regine Leutwyler klar.

Ein Sprecher der IG «Pro Oberstufenstandort Gipf-Oberfrick» sagte: «Die IG ist der Meinung, dass wir uns eine eigene Schule leisten können und auch die Mindestschülerzahlen langfristig erreichbar sind.» Auch andere Redner forderten, nicht «wegen eines fehlenden Schülers» die Eigenständigkeit aufzugeben. Und ein Lehrer der Oberstufe Gipf-Oberfrick sagte, das vorgeschlagene Szenario sei für ihn «keine Zusammenarbeit, sondern ein Aufgeben». Er plädierte für den Erhalt der Eigenständigkeit. «Was haben wir schon zu verlieren?», fragte er rhetorisch. «Im allerschlimmsten Fall schreibt uns der Kanton irgendwann vor, dass wir mit Frick zusammenschliessen müssen. Also das, was der Gemeinderat jetzt schon vorschlägt.»

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