Skulptur
Verwirrung um Entsorgung von altem Kunstwerk in Möhlin

Die römisch-katholische Kirchenpflege wird kritisiert, eine alte Skulptur zu entsorgen – sie wundert sich: «Davon war nie die Rede.»

Dennis Kalt
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Das Kunstwerk vor dem römisch-katholischen Pfarreizentrum symbolisiert die zwischenmenschliche Verbundenheit.

Das Kunstwerk vor dem römisch-katholischen Pfarreizentrum symbolisiert die zwischenmenschliche Verbundenheit.

nbo

Zentnerschwere Steinkugeln, die mit Metallketten verbunden sind, zieren den Treppenaufgang zum römischkatholischen Pfarreizentrum Schallen. Das Werk des Künstlers Paul Agustoni symbolisiert dort schon seit über drei Jahrzehnten die zwischenmenschliche Verbundenheit.

Besagtes Kunstwerk ist auch der Grund, weshalb Claude Bühlmann nach der letzten Versammlung der römisch-katholischen Kirchengemeinde seinem Ärger in einem Leserbrief Luft machte. In diesem schreibt er, dass die Kirchenpflege entschieden habe, die Kugeln zu entsorgen und dass diese bis spätestens Mitte Juli gratis zur Abholung bereit stehen. «Scheinbar erkennt die Kirchenpflege den künstlerischen Wert dieses Kunstwerkes nicht», sagt er gegenüber der az.

Mangelnde Information?

Laut Bühlmann sei über die Entsorgung des Kunstwerks lediglich in einem kurzen Nebensatz an der Versammlung informiert worden. Weiter kritisiert er, dass dieser wichtige Entscheid nicht an der Versammlung traktandiert und damit das Plenum vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Zudem stellt Bühlmann Fragen: «Wurden die Familienangehörigen des Künstlers überhaupt über dieses Vorhaben informiert?» Und: «Was wurde von der Kirchenpflege unternommen, um das Kunstwerk zu retten?»

Beat Conus, Mitglied der Kirchenpflege, nimmt Bühlmanns Kritik den Wind aus den Segeln: «Es handelt sich hierbei um ein Missverständnis. Wir haben sicherlich nicht vor, das Kunstwerk zu entsorgen. Es wird lediglich ein anderer Standort gesucht», sagt er und schiebt nach: «Das habe ich an der Versammlung auch klar so kommuniziert.»

Drei Gründe für die Verlegung

Nach Ansicht der Kirchenpflege gibt es für eine Verlegung drei Gründe. Erstens bestehen Sicherheitsbedenken. «Auf den Steinen turnen immer wieder Kinder herum. Darum ist die Gefahr gross, dass sich ein Kind verletzt», sagt Conus. Zweitens müssen die Treppenstufen repariert werden, die unter der Last der Kugeln beschädigt wurden. «Die Steinkugeln befinden sich hierfür im Weg.» Und drittens verengt das Kunstwerk die Breite des Treppenbereichs, der genutzt werden kann. «Wir haben rund 3500 Kirchenmitglieder. Da kann es eng werden. Zudem beschweren sich gerade die älteren Menschen, dass sie einen Umweg um die Steine herum machen müssen», sagt er.

An der Versammlung selbst, habe es aus dem Plenum der rund 70 anwesenden Gemeindemitgliedern weder Wortmeldungen noch Einwendungen hinsichtlich der Verlegung des Kunstwerks gegeben. Auch die Einwilligung von Angehörigen der Familie des Künstlers habe man für die Verlegung eingeholt.

Wo der neue Standort für die Steinkugeln sein soll, steht noch nicht fest. Conus sagt jedoch: «Wir präferieren weiterhin einen Standort auf dem Areal der Kirchengemeinde, sind jedoch für Ideen offen.» Schlussendlich wird der neue Standort von der Kirchenpflegeversammlung beschlossen werden.