Kabarett

Verwirrt auf einem höheren Niveau

Der österreichische Komiker Christian Hölbling als Tante Hedwig im Fricks Monti.  Peter Schütz

Der österreichische Komiker Christian Hölbling als Tante Hedwig im Fricks Monti. Peter Schütz

Schon erstaunlich. Da kommt ein Kabarettist daher und behauptet, er gehe an keine Vorstellungen – egal, ob Zirkus, Theater oder Operette.

«Was hat das für einen Sinn, eine ausgewachsene Elefantenkuh auf einen Schemel zu setzen?», fragte Christian Hölbling alias Helfried zu Beginn seines Auftrittes am Mittwoch im Fricks Monti. Gut für den österreichischen Komiker: Sein Publikum fragt sich das nicht. Sonst wäre er allein im Saal gestanden.

Seit 2000 tritt Hölbling als schmächtiges Männchen mit braunem Langweileranzug, überkorrektem Scheitel und schnarrender Stimme auf. Seine bis ins Detail ausgearbeitete Kunstfigur Helfried sorgt heute noch für Furore in der deutschsprachigen Kleinkunstszene. Helfried kam weit herum und erhielt diverse Preise, unter anderem den renommierten Prix Pantheon. In Frick zeigte er das Beste aus seinen drei Programmen «Helfried kommt!», «Helfried heiratet» und «Helfried, bitte melde dich!»: eine Palette an skurrilen Szenen und Figuren, gemischt mit musikalischen Einlagen.

Entertainer kommt zu Wort

Der Komiker zeigte sich dabei in seiner ganzen Vielfalt und liess neben Helfried auch die bissige Tante Hedwig sowie den grotesken Entertainer Doktor Gerd Schuster zu Wort kommen. Trotz gelegentlicher Probleme mit der Beschallung («Das ist halt, wenn man in ein Schwellenland kommt») machte Hölbling einen guten Job.

Auf einfache Ausstattung gesetzt

Die mondäne Geste, das dicke Auftrumpfen war seine Sache nicht. Hölbling hielt es eher mit der einfachen Ausstattung: ein Tisch, ein Stuhl, eine Schiefertafel und diverse Bekleidungen. Er lieferte den Beweis, wie mit sparsamen Mitteln eine tadellose Akrobatiknummer möglich ist. Nahm zwei Salzstangen, klemmte sie ins Gebiss und balancierte damit einen Fetzen Papier. Danach: breites Grinsen. Obwohl antimodern und pedantisch, führte Hölbling eine Fülle an Einfällen und Pointen vor. Bizarr seine Vorstellung von der Haustierhaltung: «Da mästet man diese Haustiere jahrelang und dann isst man sie doch nicht.»

Konsequenterweise verriet er einige seiner Lieblingsmenüs: Dackelmedaillon mit Risibisi, Meerschweinchenbraten, knusprig gegart, Weihnachtskanarie mit Rotkraut und Kroketten. «Gönnen sie sich etwas Gutes», forderte er das Publikum auf. Sein Witz kam manchmal wie ein betrunkener Fahrradsattel um die Ecke. Machte nicht wirklich Sinn, aber Spass.

Haltung bewahren

Etwas Philosophie musste natürlich auch sein. «Das Wichtigste im Leben ist, in jeder Situation Haltung zu bewahren», lautete Hölblings Maxime. Oder: «Irren ist menschlich, um nicht zu sagen: katholisch.» Nach zwei Stunden war Schluss.

Christian Hölbling setzte sich noch kurz ins Publikum, riss die Arme wie Zappelphilipp hoch, gab eine Zugabe, um dann das Fazit seines Auftrittes in Frick gleich selber zu ziehen: «Verwirrt sind wir zwar nach wie vor, aber auf einem höheren Niveau.»

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