Bezirksgericht Rheinfelden
Verurteilte Hundehalterin verpasst eigenen Gerichtstermin

Eine Hundehalterin hatte Beschwerde gegen einen ziemlich eindeutigen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft eingereicht. Zur Gerichtsverhandlung tauchte sie dann allerdings nicht auf.

Peter Brühwiler
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Die Bulldoge der Hundehalterin scheuchte das Pferd einer Reiterin auf. (Symbolbild)

Die Bulldoge der Hundehalterin scheuchte das Pferd einer Reiterin auf. (Symbolbild)

Keystone

Ein bellender Hund bringt einen Reiter für gewöhnlich nicht aus dem Gleichgewicht. Am 30. November 2014, auf einem Pfad in Wallbach, waren die «Angreifer» allerdings zu zweit. Der erste, ein kleiner Lhasa Apso, beunruhigte den Reiter noch nicht. Doch auf «Chris» folgte die American Bulldogge «Elvi». Sie sprang das Pferd von vorne an, worauf sich dieses aufbäumte und den Reiter abwarf. Resultat: sieben gebrochene Rippen, eine Luftansammlung zwischen Lunge und Brustwand und ein mehrwöchiger Spitalaufenthalt.

Statt die Bulldogge am Halsband zurückzuhalten, habe die Halterin nach ihrem kleinen Hund gerufen, sagt das Sturzopfer. Und nach dem Unfall habe sie sich nicht einmal um einen Krankenwagen gekümmert.

Und was sagt die Hundehalterin? Sie hätte am Mittwoch die Chance gehabt, am Bezirksgericht Rheinfelden ihre Sicht der Dinge zu schildern. Aus diesem Grund, so kann man annehmen, hat sie im Frühling 2015 Einsprache erhoben gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft, der sie zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 90 Franken und einer Busse von 1200 Franken verurteilte.

Der Anwalt des Opfers ist überrascht, dass das Urteil überhaupt angefochten wurde. Denn der Fall sei mit dem neuen Hundegesetz, das 2012 in Kraft trat, ziemlich klar. Hundehaltende sind verpflichtet, «ihren Hund jederzeit unter ihrer Aufsicht und Kontrolle zu halten», heisst es darin unter anderem.

Noch überraschender war dann allerdings, dass die Frau der von ihr selber verlangten Gerichtsverhandlung fernblieb. Sie komme nicht, das Verfahren sei ihr egal, sagte sie laut der Gerichtspräsidentin, welche die Angelegenheit danach für beendet erklärte. Wegen der unentschuldigten Abwesenheit gelte die Einsprache als zurückgezogen.

Die Zusatzschlaufe vor das Bezirksgericht kennt eigentlich nur Verlierer. Die Einsprecherin trägt die Verfahrenskosten. Und dem Unfallopfer bescherte sie eine unnötig lange Wartezeit. Zwar bezahlte die Suva die Spitalrechnung. Die tierärztlichen Kosten und die Kosten für die Fremdbetreuung des Pferdes wollte die Haftpflichtversicherung der Hundehalterin jedoch nicht übernehmen, solange das Strafverfahren lief.

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