Es bleibt wohl für immer ein Geheimnis zwischen den Eheleuten, was in der Nacht vom 27. auf den 28. Januar 2015 wirklich geschah. Vor dem Bezirksgericht Rheinfelden stand diese Woche ein 54-jähriger Deutscher. Er soll in besagter Nacht versucht haben, im Schlafzimmer des gemeinsamen Hauses seine Ehefrau mit einem Kissen zu ersticken. So jedenfalls die Version der Ehefrau.

Die Anklage lautete auf versuchter vorsätzlicher Tötung. Das Richtergremium allerdings kam zum Schluss: Zweifelsfrei nachweisen lässt sich die angebliche Tat nicht. Es sprach den Mann gestern zum Prozessende frei.

Zweifel an Beweisen

In ihrer gut 40-minütigen Urteilsbegründung sprach Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab von «Zweifeln an der Qualität der Beweise». So habe die Ehefrau persönlich mehrere Beweise den Ermittlern überbracht. Unter anderem waren das zwei Fläschchen mit Wasser. Laut Aussage der Ehefrau stammte das Wasser aus einem Glas, das ihr Mann ihr zum Abendessen serviert hatte. Untersuchungen zeigten, dass es mit einem Beruhigungsmittel versehen war. Die Konzentration in den beiden Fläschchen aber stimmte nicht überein.

Weiter legte die Ehefrau Audioaufnahmen vor. Sie hatte im Haus ein Aufnahmegerät installiert – einerseits, um ihrem Mann seine Affäre nachweisen zu können und andererseits, um ihn zu überwachen. Sie habe bereits seit Längerem den Verdacht gehegt, er «plane ihr Ableben», wie es in der Anklageschrift heisst.

Die Richter nannten es zwar «befremdlich», seinen Mann zu überwachen, taxierten die Aufnahmen aber als verwertbar. Nur: Diese erwiesen sich grösstenteils als unbrauchbar. In der Tatnacht seien zwar «laute Geräusche» zu hören, so Lützelschwab. «Aber die Aufnahmen sind so schlecht, dass nicht einmal die Stimmen auseinander gehalten werden konnten.»

Der Mann erhält Genugtuung

Neben den Beweisen hinterfragten die Richter auch das angebliche Motiv des Ehemanns – Geld, das ihm bei der drohenden Scheidung gefehlt hätte. «Er hätte Unterhalt erhalten und auch güterrechtliche Ansprüche geltend machen können. Es ist also kein richtiges Motiv ersichtlich», so Lützelschwab. Alles in allem hätten sich so «schwerwiegende Zweifel, die sich nicht ausräumen lassen», ergeben.

Während die Frau bei der Urteilsverkündung immer wieder den Kopf schüttelte und die Hände vor das Gesicht hielt, reagierten Freunde des Beschuldigten offensichtlich erleichtert. Der Ehemann selber blieb völlig ruhig. Seit der angeblichen Tatnacht sass er in Untersuchungs- respektive Sicherheitshaft. Dafür erhält er eine Genugtuung von 120'000 Franken. Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf eine Berufung.