Laufenburg
Verschwundene Beizen: Die Altstadt braucht Engagement und Initiative

Trotz zahlreichen geschlossenen Beizen hat das Städtchen immer noch viel zu bieten – und viel Potenzial. So hat es ein intaktes Ortsbild. Aber jenseits der Grenze ist die Konkurrenz gross – nicht nur bei den Restaurants.

Andreas Fahrländer
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Der Gasthof Meerfräulein steht seit bald drei Jahren leer.

Der Gasthof Meerfräulein steht seit bald drei Jahren leer.

AF

Laufenburg ist eine besondere Stadt. Ihre schöne Lage am Rhein ist einmalig, die Altstadt ist gut erhalten. 29 Jahre vor der Kantonshauptstadt erhielt Laufenburg 1985 als erste Aargauer Gemeinde den Wakker-Preis des Schweizer Heimatschutzes.

In der Begründung zur Preisvergabe hiess es: «Laufenburg ist als Ortsbild von nationaler Bedeutung eingestuft und die Gemeinde hat von sich aus Erhebliches zur Pflege des Ortsbildes geleistet.» Das sieht man dem Städtchen heute noch an. Es wird viel gemacht für den Erhalt der schönen Altstadt.

Doch beim Gang durch die mittelalterlichen Gassen fällt etwas auf: Das Städtchen ist menschenleer. An einem grauen Vormittag im Februar begegnet dem Besucher kein einziger Passant.

Eine Stadt – zwei Länder

Einzigartig ist auch Laufenburgs Lage in zwei Ländern. Was einst eine einzige Stadt links und rechts des Rheins war, wird seit gut 200 Jahren durch die Landesgrenze getrennt. Dem Gewerbe und der Gastronomie auf der Schweizer Seite macht die Grenze bis heute zu schaffen.

Während im Badischen ein gutes Mittagessen für weniger als zehn Euro zu bekommen ist, müssen Schweizer Wirte oft fast das Doppelte verlangen. Lebensmittel und Personal sind bei uns entsprechend teurer. So ist nicht mehr viel übrig vom einst sehr lebendigen Gastgewerbe in der aargauischen Altstadt. Das Restaurant «Schlosskeller» steht seit vielen Jahren leer, im ehemaligen Hotel «Roter Löwen» befindet sich ein Pflegeheim. Auch das Restaurant «Zum Schiff» gibt es nicht mehr.

Immerhin wird dieses von der Narro-Alt-Fischerzunft als Zunftstube weiterbetrieben. Das Restaurant «Warteck», die «Taverne zum Adler» und die «Probstei» sind in der Altstadt verblieben und bieten nach wie vor ein recht vielfältiges Angebot. Im «Adler» kann man etwa speisen wie im Mittelalter.

Josy Gürtler von der «Probstei» sagt: «Es braucht einen gewissen Idealismus und viel Leidenschaft. Reich werden kann ich mit meiner Arbeit nicht.» Gürtler spürt man die Leidenschaft an. «Es ist nicht einfach, aber ich bin zufrieden, wie es bei mir läuft. Man muss den Leuten etwas bieten, dann kommen sie gerne wieder.»

Austausch mit badischen Kollegen

Zu den Wirten in Badisch-Laufenburg hat Josy Gürtler ein sehr gutes Verhältnis. «Ich besuche meine deutschen Kollegen gern. Wir tauschen uns aus und es ist schön, gut und günstig drüben.

Das Angebot ist sehr abwechslungsreich.» Mit einem Lachen fügt sie hinzu: «Konkurrenz belebt das Geschäft. Das ist gut so.» Auch die Lebensmittelgeschäfte spüren die Konkurrenz im Badischen. Früher gab es im Schweizer «Städtli» Metzgereien, Bäckereien und alles für den täglichen Bedarf. Übrig geblieben ist in der Altstadt einzig die Bäckerei Maier. Jenseits der Grenze lockt der Laufenpark mit deutlich günstigeren Preisen.

Leerstand im Meerfräulein

Ob das allein der Grund ist für die leere Laufenburger Altstadt? Keine Probleme mit der Grenzlage hatte das traditionsreiche «Meerfräulein». Das Restaurant war früher ein Anziehungspunkt für Gäste aus nah und fern. «Wir hatten immer viele Gäste. Die Kundschaft kam aus Zürich und Basel und auch aus dem Badischen zu uns ins Meerfräulein», erzählt Marco Gallotti.

31 Jahre hat er zusammen mit seiner Frau in der traditionsreichen Gaststätte gewirtet. Vor drei Jahren musste das «Meerfräulein» schliessen. Marco Gallottis Frau Brigitte, die in der Küche stand, ist verstorben. Er alleine kann den Betrieb nicht mehr führen.

«Es tut schon weh, dass das Restaurant leer steht. Ich habe bisher keinen Nachfolger gefunden. Ich möchte das Lokal verkaufen, eine Verpachtung kommt für mich nicht infrage», erklärt Gallotti. «In Zürich hätte ich das Haus für Millionen veräussern können, in Laufenburg findet sich kaum ein Interessent. Ich würde mich freuen, wenn jemand mit Engagement das Restaurant übernimmt.»

Die Laufenburger Altstadt hat mit ihrem intakten Ortsbild sehr viel Potenzial. Sie gleicht einer Schönheit im Dornröschenschlaf.