Bei manchen politischen Vorstössen ist es wie bei einem Brot vom Beck. Der Teig, Pardon: die Idee muss einige Zeit ruhen, bevor sie gebacken wird. Darauf, dass dies auch bei seinem Vorstoss zutrifft, hofft Bäckermeister und Konditor Markus Kunz aus Frick. Just vor 14 Jahren hat der damalige CVP-Grossrat im Parlament eine Motion eingereicht, die forderte, die Staffeleggstrasse für den Transit-Schwerverkehr zu sperren. Der Regierungsrat beantwortete den Vorstoss damals abschlägig.

Nachdem die Staffelegg in diesem Winter bereits dreimal gesperrt werden musste, weil es kein Vorwärtskommen mehr gab, findet Kunz: «Es ist Zeit, nochmals über den Vorstoss nachzudenken.» Denn oft sind es ausländische Lastwagen und Sattelschlepper, die den Verkehr lahmlegen, weil sie mit Sommerpneus unterwegs sind – so wie jener belgische Lastwagen, der Mitte Dezember steckenblieb und für ein Verkehrschaos sorgte.

Kunz stört sich aber nicht nur an diesen temporären Behinderungen. «Es ist für die Bewohner eine Zumutung, dass der ganze Transit-Schwerverkehr durch ihr Tal fährt», sagt er. Denn Kunz hat, wenn er Brot nach Herznach liefert, selbst schon oft beobachtet: «Viele ausländische Chauffeure verlassen in Frick die Autobahn und nehmen die Staffeleggstrasse.» In Aarau fahren sie dann wieder auf die Autobahn auf.

Route über Staffelegg spart Geld

Der Grund für dieses Bergmanöver ist ein einfacher: Die Strecke über den Pass ist rund 20 Kilometer kürzer als jene über die Autobahn. Die Route über die Staffelegg spart den Camionneuren somit Geld – und das ist in LSVA-Zeiten Gold wert. Rot oder zumindest gelb sieht derweil manch ein Autofahrer, der hinter den schweren Brummis die Staffelegg hochschleichen muss. «Auch die Postautos handeln sich so bisweilen Verspätungen ein», sagt Kunz, lacht. «Noch heute werde ich ab und an auf meinen Vorstoss angesprochen.» Meist von Autofahrern, wenn sie mal wieder hinter einem Lastwagen herfahren mussten.

Viele Reaktionen hatte Markus Kunz auf seine Motion auch vor 14 Jahren – nicht alle waren positiv. Vor allem einige Transpörtler nahmen ihm den Vorstoss krumm. Markus Kunz ist denn bei seiner neuen Forderung, die Staffelegg für den Transit-Schwerverkehr zu sperren, vorsichtiger. Neben dem Zubringerverkehr müsste, so sinniert Kunz, auch das regionale Transportgewerbe vom Verbot ausgenommen werden. «Es macht keinen Sinn, dass ein Unternehmer aus Herznach oder Ueken zuerst nach Frick fahren muss», sagt er.

Wie weit der Rayon der Pass-Fahrberechtigten gehen soll, lässt Kunz offen. Ein denkbarer Rayon wären für ihn Fahrzeuge von Fricktaler Firmen, eine andere Möglichkeit wären Lastwagen mit Aargauer Kontrollschildern. Wieder lacht Kunz, diesmal spitzbübisch. «In der Verwaltung sitzen genügend Fachleute, die diese Frage klären können.»

In der Verwaltung hält man, wie bereits vor 14 Jahren, wenig von der Idee, die Staffeleggstrasse für den Transit-Schwerverkehr zu sperren. Giovanni Leardini, Sprecher des Baudepartementes, verweist auf die Motionsantwort vom 25. Februar 2004. Zusätzlich liefert er aktuelle Zahlen. Danach fuhren 1996 durchschnittlich 5630 Fahrzeuge pro Tag über den Pass, 370 oder 6,6 Prozent davon waren Lastwagen. 2003 passierten 6650 Fahrzeuge täglich die permanente Zähstelle auf der Passhöhe, 510 davon waren Lastwagen; der Lastwagen-Anteil stieg damit auf 7,7 Prozent. Doch während der Gesamtverkehr seither um satte 60 Prozent auf 10 596 Fahrzeuge zugenommen hat, ist der Schwerverkehr bei 545 Fahrzeugen (Stand 2016) stagniert. Das entspricht einem Anteil von 5,1 Prozent.

In ihrer Antwort hielt die Regierung 2004 fest, dass die Staffeleggstrasse eine Hauptverkehrsstrasse sei und als solche zusammen mit den Autobahnen just die Aufgabe habe, den Schwerverkehr zu kanalisieren. Die Staffeleggstrasse sei zudem Bestandteil des Versorgungsroutennetzes für Ausnahmetransporte, was ebenfalls gegen eine Sperrung spreche. Einschränkungen bei Strassen seien nur möglich, soweit dies übergeordnete Interessen erfordern, und sie müssten verhältnismässig sein.

Weg über Autobahn viel weiter

Dies hielt der Regierungsrat bei einer Sperrung der Staffeleggstrasse nicht für gegeben. Er wies vielmehr auf die negativen Folgen für Umwelt und Transporteure hin. Eine Umleitung des Schwerverkehrs über die A1 und die A3 hätte eine Erhöhung der zurückgelegten Distanz «um mehr als 120 Prozent» zur Folge. «Dies vergrössert den Treibstoffverbrauch massiv und bewirkt eine zusätzliche Belastung der Umwelt.» Auch die Fahrzeit wäre klar höher. Die Regierung rechnete damals, noch vor der Eröffnung des Staffeleggzubringers, mit einer Fahrzeit von 21 Minuten über den Pass und von 26 Minuten über die Autobahn. Seit der Zubringer 2010 eröffnet wurde, hat sich das Zeitverhältnis nochmals klar zuungunsten der Autobahn-Route entwickelt.

Markus Kunz bleibt dabei: «Eine Sperrung für den Transit-Schwerverkehr wäre sinnvoll.» Wenig hält er von der Variante, die ein AZ-Leser jüngst ins Spiel brachte: Dass eine elektronische Tafel eingangs des Tals die Passstrasse für Lastwagen dann sperrt, wenn die Strassenverhältnisse prekär sind. «Das bringt dem Tal keine Entlastung», sagt Kunz. Er hofft: «Dass ein Grossrat die Idee aufnimmt und nochmals einen Vorstoss einreicht.» Anders formuliert: Dass einer der 17 Fricktaler Parlamentarier den seit 14 Jahren ruhenden Teig aus dem Schrank nimmt und das Verbots-Brot backt.