Damit haben in Gipf-Oberfrick die wenigsten gerechnet: Der frei werdende Gemeinderatssitz konnte bereis im ersten Wahlgang besetzt werden. In der Kampfwahl setzte sich SP-Frau Verena Buol Lüscher gegen Ignaz Heim von der IG Pro Oberstufe durch. Heim kam auf 590 Stimmen, Buol auf 641 Stimmen. Beide lagen damit klar über dem Absoluten Mehr von 486 Stimmen.

«Es ist ein sehr gutes Gefühl», sagt Verena Buol. Nervös sei sie vor dem Wahltag nicht gewesen. Sie lacht auf die Frage, ob sie gut geschlafen habe. «Ja, denn am Samstag war ich auf einer langen Wanderung.» Ihre Wahl führt sie auch auf ihr bisheriges Engagement zurück; Buol war lange Zeit Schulpflegepräsidentin. Ob sie im Gemeinderat ebenfalls das Schulressort übernehmen wird, sei noch offen. «Das werden wir im Gremium anschauen.» Sie hält es aber für «gut möglich», zumal mit Daniela Slania die Schulgemeinderätin nicht mehr angetreten ist.

Ein Erfolg ist die Wahl von Buol auch für die SP, die damit wieder im Gemeinderat vertreten ist. Die Wahl sei auch ein Lohn für das grosse Engagement vieler SP-Mitglieder im und für das Dorf.

Der unterlegene Ignaz Heim ortet denn auch einen Linksrutsch im Gremium. Neben Jos Bovens macht für ihn auch Regine Leutwyler von der SVP «keine bürgerliche Politik». Diese ist erstaunt über den Vorwurf und führt ihn darauf zurück, dass sie sich auch für Soziales und für die Natur engagiere. «Im Gemeinderat darf das Parteibuch keine Rolle spielen», ist Leutwyler überzeugt.

Sie freut sich über ihre deutliche Wiederwahl – und die ebenso deutliche Bestätigung der anderen Gemeinderatsmitglieder (siehe Tabelle). «Das zeigt mir, dass wir in der Vergangenheit unseren Job nicht allzu schlecht gemacht haben», sagt sie. Das sei ein «wichtiges Zeichen des Vertrauens» und «eine Motivation für die nächsten vier Jahre».

Auch die neu gewählte Verena Buol ist froh, dass alle vier Bisherigen klar im Amt bestätigt wurden. «Konstanz ist wichtig», ist sie überzeugt. Auf die Frage, was sie in das Gremium einbringe, muss Buol nicht lange überlegen: «Politische Erfahrung und Kommunikationsfähigkeit.»

Gerade Letztere ist wichtig, denn in letzter Zeit bemängelte manch ein Gipf-Oberfricker die Kommunikation des Gremiums. Das war sowohl bei der Norderschliessung als auch bei der Oberstufenfrage der Fall.

In der Schulfrage punktete in den letzten Wochen und Monaten Ignaz Heim mit der IG Pro Oberstufe. Dieses Engagement führte auch zu dessen Kandidatur. Seine 590 Stimmen zeigen: Ein nicht kleiner Teil der Bevölkerung ist von der offiziellen (Schul-)Politik enttäuscht.

Wahlkampf blieb aus

Heim selber, der ebenfalls mit einem zweiten Wahlgang gerechnet hatte, erachtet sein Resultat als deutliches Zeichen. Er sei insofern enttäuscht, als dass er im Vorfeld andere Rückmeldungen erhalten habe. «Das liegt wohl daran, dass man sich vor allem in den Kreisen bewegt, die einen ohnehin unterstützen.» Einen Grund, dass Buol nun letztlich 51 Stimmen mehr als er erzielt hat, ortet er darin, dass kein Wahlkampf stattgefunden hat. «Das begünstigt jene, die im Dorf bereits bekannter sind», ist er überzeugt.

Erstaunt hat Heim die hohe Stimmenzahl für die Bisherigen, «da ich im Dorf viele unzufriedene Stimmen vernommen habe». Heim selber unterstellt dem Gemeinderat «mangelnde Sicherheit in einigen Dossiers». Die IG werde gerade die Schulfrage «weiter wachsam verfolgen», sagt Heim. Diese Wachsamkeit hält er auch für nötig, da er beim Gemeinderat «kein grosses Interesse» daran spürt, eine weitere Gemeinde für die Oberstufe zu finden.