Oberes Fricktal
Verein für Altersbetreuung schreibt rote Zahlen

Die Zahl von Klinikaufenthalten der Altersheimbewohner hat sich seit 2012 fast verzehnfacht – dadurch können weniger Pflegetaxen abgerechnet werden.

Dennis Kalt
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Ein Standbein des VAOF sind die Einnahmen durch Pflegetaxen. Keystone

Ein Standbein des VAOF sind die Einnahmen durch Pflegetaxen. Keystone

Thinkstock

Die Einnahmen des Vereins für Altersbetreuung Oberes Fricktal (VAOF) haben sich nicht so entwickelt wie angenommen. Sie liegen rund 490 000 Franken unter dem Budget. Insgesamt resultiert dadurch für das Geschäftsjahr 2016 ein Defizit von rund 250 000 Franken für den Verein, der in Frick und Laufenburg zwei Alterszentren mit 211 Heimbetten betreibt.

Die Zahlen der Jahreshochrechnung haben VAOF-Geschäftsführer Andre Rotzetter ins Grübeln gebracht. Zunächst hatte er die Annahme, dass die fehlenden Einnahmen mit einigen nicht nutzbaren Zimmern im Zuge der Sanierungsarbeiten des Alterszentrums Klostermatte zusammenhängen würden. Eine Analyse der Patientenbelegung brachte jedoch ein anderes Phänomen zum Vorschein: Während im Jahr 2012 lediglich 13 Bewohner der beiden Alterszentren einen Klinikaufenthalt in Anspruch nahmen, waren es 2017 bereits rund 120 – fast eine Verzehnfachung innerhalb von nur fünf Jahren.

VAOF steht vor Herausforderung

«Diese Entwicklung der letzten Jahre hat sich nun akzentuiert und stellt uns vor eine Herausforderung», sagt Rotzetter. Denn je mehr und länger sich die Bewohner der VAOF-Alterszentren im Spital befinden, desto weniger kann der Verein für seine Pflegedienste abrechnen. Eine konkrete Erklärung für die Verzehnfachung der Spitalaufenthalte hat Rotzetter nicht, eines ist für ihn jedoch klar: Der VAOF orientiert sich zwar an sozialethischen und soziokulturellen Grundsätzen, muss sich jedoch auch den ökonomischen Prinzipien anpassen. Was diese Anpassung aussehen könnte, könnte sich bereits an der nächsten VAOF-Vereinsversammlung am 25. Oktober zeigen.

Eine Antwort auf die Frage, weshalb die Anzahl von Klinikaufenthalten der Altersheim-Bewohner so massiv angestiegen ist, gibt der Laufenburger Arzt und VAOF-Vorstand Markus Aellig: «Ich stelle fest, dass die Entscheidung der alten Menschen, ins Altersheim zu gehen, immer später fällt. Dies auch, wenn die Angehörigen eine andere Auffassung vertreten und gut zureden.» Dementsprechend ist auch die Konstitution vieler Bewohner fragiler als noch in den letzten Jahren. Dies hat die Quote der Altersheim-Bewohner, die ins Spital müssen, stark erhöht.

Mehr Pflege- als Altersheim

Aellig, der selber als Arzt in den VAOF-Alterszentren auf Visite geht, stellt fest, dass sich die Alterszentren über die letzten Jahre vermehrt zu Pflegezentren gewandelt haben. Deswegen sei es wichtig, die Palliativversorgung dort fest zu verankern. Wichtig ist für Aellig auch, dass der medizinische Betreuungsauftrag klar geklärt ist und sich die Menschen mit dem Sterben bereits früh genug auseinandersetzen: «Denn dann wissen die Altersheim-Bewohner auch genauer, was für Ansprüche sie an den Arzt haben.»