Fricktal
Verdacht auf beschönigte Prognosen: SVP-Nationalrat will «Geheimdaten» zum Windparkprojekt

Der SVP-Politiker Maximilian Reimann fordert von der AEW Energie AG die Offenlegung der Messungen und Prognosen zum Windpark Burg – er vermutet, dass Ertragsprognosen beschönigt werden. Der Verwaltungsrat des Unternehmens streitet das ab.

Dennis Kalt
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Im Blick: So sehen die Einwohner von Wölflinswil die Windkraftanlage Burg gemäss einer Visualisierung der AEW.

Im Blick: So sehen die Einwohner von Wölflinswil die Windkraftanlage Burg gemäss einer Visualisierung der AEW.

Dass die fünf geplanten Windenergieanlagen bei Oberhof dem Verein Pro Burg sauer aufstossen, ist kein Geheimnis. Nun erhält der windparkkritische Verein aus dem Benkental Unterstützung auf nationaler Ebene in Person von SVP-Nationalrat Maximilan Reimann. Dieser möchte in der Fragestunde im Nationalrat vom 11. Juni wissen, ob der Bundesrat gewillt sei, ihm einen Einblick in die «Geheimdaten» zum Windparkprojekt Burg zu verschaffen.

Hintergrund seiner Anfrage ist, dass Reimann an der Mitgliederversammlung von «Pro Burg» erfahren hat, dass «dem Verein keinerlei Einblick in die vorhandenen Daten gewährt» werde. Diese Daten seien aber dafür nötig, um die «schöngefärbte Wirtschaftlichkeitsprognose» des Projekts von direktinteressierten Kreisen überprüfen zu lassen. «Als eidgenössischer Parlamentarier aus dem Fricktal sehe ich es als meine Pflicht an, dafür zu sorgen, dass ‹Pro Burg› und die betroffene Bevölkerung Einsicht in die Daten und Messungen erhalten», so Reimann.

Geschönte Ertragsprognosen?

Der SVP-Nationalrat vermutet, dass die Betreiber des Projekts versuchen, unter «dem Deckel der Intransparenz» die Ertragsprognosen zu beschönigen und damit die betroffenen Gemeinden mit lukrativen Abgeltungen für sich zu gewinnen. «Dies ist umso fragewürdiger, als zwei staatlich beherrschte Unternehmen die Mehrheit am Aktienkapital der Windpark Burg AG halten», sagt Reimann. Namentlich sind dies die Stadtwerke Genf mit einem Aktienkapital-Anteil von 40 Prozent und die AEW Energie AG mit einem Anteil von 25 Prozent.

Stellvertretend für die Windpark Burg AG streitet Louis Lutz, Verwaltungsrat, eine Beschönigung der Daten ab. So habe man im Zeitraum von 2012 bis 2015 eine Windmessung auf dem Standort Burg durchgeführt und die gewonnenen Daten von einem unabhängigen Fachgutachter im Jahr 2013 mit Langzeit-Wetterdaten abgleichen lassen.

«Die Resultate wurden in der Mitwirkungsphase des Genehmigungsverfahrens im Dezember 2016 öffentlich gezeigt», sagt Lutz. Überdies sei die Windpark Burg AG daran interessiert, dass die Messdaten und die daraus resultierenden Ertragsprognosen seriös und unabhängig beurteilt würden. «Schliesslich hängt davon die Wirtschaftlichkeit des Projekts und damit die Investitionsentscheidung ab», erklärt Lutz. Die Windpark Burg AG werde im Projektverlauf ein zweites Fachgutachten erstellen lassen, um die Resultate zu erhärten.

Auf Grundlage der Winddaten wird die Jahresleistung des Windparks mit 21 Gigawattstunden – dies entspricht dem Jahresverbrauch der Stadt Solothurn – ausgewiesen. Werner Habermacher, Präsident von «Pro Burg», stellt diesen Leistungsausweis infrage. Erstens liefere die Windmessung zu hohe Werte. Dies zeige ein Vergleich mit Messungen aus dem Jahr 2003.

Zweitens sei nicht deutlich geworden, mit welchem Berechnungsverfahren man auf die rund 21 Gigawattstunden pro Jahr käme und drittens hätten in der Vergangenheit andere Windkraft-Projekte im Binnenland gezeigt, dass zwischen der prognostizierten und der tatsächlich produzierten Energie oftmals eine Lücke klaffe. «Es gibt bereits genügend Windkraftanlagen, die nur dank der öffentlichen Subventionierung in Betrieb bleiben und so durch Stromkonsumenten und Steuerzahler mitfinanziert werden müssen», sagt Habermacher.

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