Zeiningen

Verbot von CBD sei ein Witz: Pure-CEO Stevens Senn stösst EU-Vorhaben sauer auf

Stevens Senn, CEO der Pure Holding AG, leitet sechs Tochterfirmen mit rund 90 Angestellten.

Stevens Senn, CEO der Pure Holding AG, leitet sechs Tochterfirmen mit rund 90 Angestellten.

Die EU beabsichtigt, CBD-Hanf entgegen der WHO-Empfehlungen als Betäubungsmittel einzustufen. Das hätte Konsequenzen für die Pure Holding AG. Arbeitsstellen seien aber keine bedroht, so der Inhaber.

Es ist ein schlechter Witz für Stevens Senn, Geschäftsführer der Pure Holding AG. Die Gesellschaft produziert unter anderem am Standort in Zeiningen tonnenweise CBD-Hanf – also Hanf, dessen THC-Gehalt so tief ist, dass er nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Nun hat jedoch die EU angekündigt, ebendiesen nicht psychogen wirkenden Hanf als Betäubungsmittel einzustufen. «Die WHO hat in ihrer neuen Bewertung erneut darauf hingewiesen, dass CBD freiverkäuflich erhältlich sein sollte und durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse ein gutes Sicherheitsprofil als erwiesen gilt», drückt Senn sein Unverständnis gegenüber dem Vorhaben der EU aus.

Sollte die EU-Kommission CBD als Betäubungsmittel einstufen, dürften in Europa keine CBD-Extrakte als freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel mehr angeboten werden. Dies hätte auch Einfluss auf den Absatz der Pure Holding AG im Europäischen Binnenmarkt, der in diesem dann deutlich geringer ausfallen würde.

Dennoch: «Unsere Arbeitsplätze sind gesichert, weil wir breit aufgestellt sind und weiterhin alle Mitarbeitenden gut einsetzen können», sagt Senn, der derzeit für sechs Tochterfirmen mit rund 90 Angestellten verantwortlich ist.

Forschung der Pure wäre nicht tangiert

Die breite Aufstellung bezieht sich unter anderem auch auf den Forschungsbereich. Hier geht es vor allem darum, für Produzenten, Züchter und die Pharmaindustrie die Genetik für massgeschneiderte Pflanzen zu er­forschen. «Unsere Zielmärkte liegen derzeit mehrheitlich ausserhalb der EU. Aus diesem Grund glauben wir nicht, dass eine Einstufung von CBD als Betäubungsmittel unsere Forschung direkt tangieren würde», so Senn.

Einen grösseren Einfluss auf den Geschäftsgang des Unternehmens hätte es, wenn nach einem allfälligen EU-Beschluss sich die Schweiz einem entsprechenden Verbot anschliessen würde. «Mit unseren 4000 Verkaufspartnern in der Schweiz hat der CBD-Tabakersatz einen sehr hohen Stellenwert für uns», sagt denn Senn auch. Darüber hinaus wäre ein solches Verbot ein grosser Rückschritt für die Konsumenten, da die Produkte in der Gesellschaft schon gut etabliert seien.

Noch ist jedoch unklar, welche Produkte überhaupt – Öle, Lebensmittel, Seifen oder CBD-Blüten – unter ein Verbot der EU fielen. Konkret wird dies erst mit der Entscheidung der EU-Kommission deutlich – über die Einordnung von CBD als Betäubungsmittel will diese im Dezember entscheiden.

Senn verhehlt nicht, dass es durch ein Verbot teilweise zu Einbrüchen im Absatz käme und teil­weise einen negativen Einfluss auf Geschäftsbeziehungen hätte. «Sorgen mache ich mir derzeit diesbezüglich aber nicht», sagt er. Dies auch, weil die Schweiz in der Erforschung von Cannabis mit Pilotprojekten bereits jetzt einen eigenen Kurs fahre.

Schweiz zeigt sich in Sachen Hanf liberal

Tatsächlich haben National- und Ständerat in der Herbstsession erst gerade grünes Licht für den versuchsweisen Verkauf von THC-haltigem Cannabis im Rahmen von Pilotversuchen gegeben. Bereits im Sommer hat das Bundesamt für Gesundheit der Pure Holding AG eine ­Lizenz zur Forschung mit dem psychogenen Wirkstoff erteilt. Daher erachtet es Senn «als unwahrscheinlich», dass die Schweiz den EU-Beschluss implementieren würde.

Verwandtes Thema:

Autor

Dennis Kalt

Meistgesehen

Artboard 1