Fricktal
Verarmte Adelsfamilien verliessen oftmals ihre Burgen

Die Vortragsreihe «Burgen am Hochrhein» ist erfolgreich gestartet. Das Projekt wird grenzüberschreitend von der Stadt Wehr und der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde getragen.

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Archäologe Peter Frey eröffnete die Vortragsreihe «Burgen am Hochrhein».

Archäologe Peter Frey eröffnete die Vortragsreihe «Burgen am Hochrhein».

Hrvoje Miloslavic

Peter Frey, Leiter des Bereichs Mittelalterarchäologie und Bauforschung bei der Kantonsarchäologie Aargau hielt in der Stadthalle Wehr einen gut besuchten Vortrag über «Frühe Adelsburgen und ihre Vorläufer und Frühformen links des Rheins».

Die Phase der klassischen Adelsburg als repräsentativer Ausdruck der Macht sowie als Zentrum von Politik, Wirtschaft und Verwaltung ist ab dem 11. Jahrhundert festzuhalten. Dass nicht jede Befestigungsanlage die Grösse und Bedeutung von Schloss Lenzburg oder Schloss Habsburg erreichte, hatte viele Gründe. Neben dem Aussterben von Adelslinien – wie es etwa den Herren von Tegerfelden erging – waren Fehden oder politische Verdrängungsprozesse für den Niedergang verantwortlich. Verarmte Adelsfamilien verliessen oftmals ihre Burgen und zogen in die (wirtschaftlich und politisch) aufstrebenden Städte.

Als entscheidend erwiesen sich auch Macht, Geld und die topografische Lage der Burgen. Eine Gemeinsamkeit ist laut Frey, dass sich die Frühformen der Adelsburgen aus Herrenhöfen und Fluchtburgen entwickelten. Nicht selten entstanden diese Vorläufer auf den Resten spätrömischer Verteidigungsanlagen. Bei den Herrenhöfen handelte es sich um landwirtschaftliche und handwerkliche Wirtschaftsgebäude, während die mit Gräben, Wällen, Palisaden und Trockenmauern (später Mörtelmauern) geschützten Fluchtburgen bei Gefahr aufgesucht wurden.

Platz für bis zu 60 Personen

In den aus Herrenhof und Fluchtburg kombinierten Befestigungen entstanden bereits früh Kernzonen mit einem herrschaftlichen Wohnbereich. Je nach Grösse bot eine Burg bis zu 60 Personen samt Gesinde Platz, wie etwa im Fall der Habsburg. Frey vermittelte seinen Zuhörern einen Eindruck von den Wohnverhältnissen, die in den später üblichen Wohntürmen herrschten. In seinem Vortrag kam Frey neben den Befestigungen Habsburg und Lenzburg auch auf die Burgen Stein, Iberg, Tegerfelden, Büttikon und Alt-Homberg zu sprechen.

Für die Erforschung des frühen Burgenbaus muss oftmals der Sachverstand von Archäologen herangezogen werden. Die schriftliche Quellenlage gestaltet sich angesichts eines im Frühmittelalter nicht sehr ausgeprägten Kanzlei- und Urkundenwesens sowie der Überlieferungssituation eher dürftig. Vielfach wären gerade Datierungen vieler Befestigungsreste ohne die Archäologie, die auch naturwissenschaftliche Methoden heranzieht, nicht möglich. Die Burgenlandschaft des Kantons Aargaus bezifferte Frey auf etwa 70 Anlagen. Über die Erforschung entscheide nicht allein der wissenschaftliche Ehrgeiz. Oftmals ermöglichten Bauvorhaben, dass Archäologen tätig werden könnten und auch die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekämen.

Weitere Vorträge

Die Vortragsreihe wird am Donnerstag, 6. November, 20 Uhr, im kleinen Saal der Wehrer Stadthalle fortgesetzt. Räto Marti, Kantonsarchäologe von Baselland, spricht über «Der Altenberg bei Füllinsdorf - Die Entdeckung einer frühen Adelsburg». Der Eintritt ist frei. Das Symposium «Burgen am Hochrhein» findet am Samstag, 22. November, von 9 bis 18 Uhr in der Stadthalle Wehr statt. Es wird grenzüberschreitend von der Stadt und der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde veranstaltet und inhaltlich vom Freiburger Mediävisten Professor Thomas Zotz geprägt. (BA)