Grosse Platanen und Büsche ranken sich um das Bad Schönegg, wie einst die Rosenbüsche um das Schloss von Dornröschen. Und genau wie die Prinzessin und ihre Hofschar schlummert das einstige Kurhotel im Tiefschlaf.

Früher war das Solbad Schönegg in Mumpf ein beliebtes Ausflugsziel. Das Kurhotel bot seinen Gästen nebst einem Restaurant und dem Soleschwimmbad auch eine phänomenale Aussicht über Mumpf und Wallbach. Seit zwei Jahrzehnten ist das Bad nun schon geschlossen, und genauso lange steht das grosse Anwesen schon verlassen auf der Schönegg. Nur der Bauernhof gleich nebenan ist bewohnt.

Die Familie Bretscher, die einstigen Besitzer des Kurhotels, ist enttäuscht über die Handhabung des Anwesens: «Es tut uns schon weh, wenn wir sehen, wie dieses einst schöne Anwesen verlottert.» Die Familie hat das Hotel 1991 zugemacht und ein Jahr später an eine Immobilien-Firma verkauft.

Die Geschichte des Kurhotels

1892 erwarb Johann Peter Bretscher den Rötehof auf der Schönegg in Mumpf, den er einige Jahre später zu einem kleinen Kurhotel mit Solebädern umbaute. 1926 zerstörte ein grosser Brand das ganze Anwesen. Nur zwei Jahre später stand das Kurhotel Schönegg wieder. Fortan hat die Familie Bretscher das Hotel von Generation zu Generation ausgebaut und modernisiert. 1967 übernahmen schliesslich Felix und Anne Bretscher das Kurhotel Schönegg und bauten ein Soleschwimmbad mit Therapieräumen an. Anfang der 1990er-Jahre haben die Bretschers das Kurhotel an die Immobilien-Firma Willora AG in Lupfig verkauft.

Ab da begannen eine Reihe von missglückten Versuchen der Wiedereröffnung und vor allem eine Reihe von Gerüchten. Die Immobilien-Firma reichte bei der Gemeinde Mumpf ein Baugesuch ein, welches den Ausbau des Solebads zu einem Kurgästehaus mit 82 Zimmern vorsah. Ein weiteres Baugesuch für eine Driving-Range auf dem Schönegg-Gelände wurde ebenfalls eingereicht. Die Gemeinde lehnte im Jahr 2000 schliesslich beide Gesuche ab, weil die Rechtsgrundlage ausserhalb des Baugebiets fehlte. Seither ist es still geworden um das Bad Schönegg. Einzig die Gerüchteküche schien zeitweise zu brodeln: Von einer möglichen Übernahme des Anwesens durch Guru Bhagwan oder Uriellas Sekte Fiat Lux war damals die Rede. Die Gerüchte verschwanden so schnell, wie sie aufgetaucht waren.

Dubiose Firma

Die Gemeinde Mumpf würde gerne etwas aus dem Anwesen machen, aber das liege nicht in ihrer Macht: «Wir finden es sehr schade, dass das Bad Schönegg einfach so verlassen dasteht und nichts daraus gemacht wird. Aber es ist in Privatbesitz, dementsprechend sind wir im Handlungsspielraum eingeschränkt», erwähnte Gemeindeammann Jürg Müller enttäuscht.

Die Besitzerin von Bad Schönegg, die Willora AG, macht sich derweil rar. Etliche Versuche der Redaktion, die Immobilien-Firma zu kontaktieren, sind kläglich gescheitert. Der Telefonbeantworter ist das einzige Lebenszeichen der Firma. «Auch wir haben schon sehr lange nichts mehr von der Willora AG gehört», so Gemeindeammann Müller. Machen könne man wohl nichts. Gibt man den Namen der Immobilien-Firma im Internet ein, lassen sich einige Schreckensgeschichten finden: Von ehemaligen Mietern, die ihr Mietzinsdepot gar nicht oder nur durch eine Betreibung zurückerhalten haben und von Handwerkern, welche die Willora AG nicht richtig bezahlt haben soll. Die Geschichte um das Bad Schönegg scheint eine unendliche zu sein, vorerst jedenfalls. Derweil müssen die Mumpfer wohl oder übel zusehen, wie ihre einstige Attraktion den 100-jährigen Schlaf schlummert.