Fricktal

Unterwegs mit dem Winterdienst: Er befreit Strassen von Schnee und Eis – wenn wir noch schlafen

Bei Schichtantritt sind sie alleine auf der Strasse. Mit schwerem Gerät und tonnenweise Streusalz sorgt der Werkhof Münchwilen im Fricktal für eine rutschfreie Fahrt. Bei Einsätzen am Tag ist der Verkehr das grösste Ärgernis.

Es schneit. Nachts, um kurz nach halb vier, reisst das Klingeln der Telefone Thomas Meier und Urs Siebenhaar aus dem Schlaf. «Ausrücken», lautet die Anweisung. Rund 20 Minuten später stehen beide in der Halle des Werkhofs Münchwilen und steigen in das Räumfahrzeug. In den frühen Morgenstunden sorgen die Unterhaltsmitarbeiter des Kreises IV dafür, dass die Fahrt auf den Kantonsstrassen für den Verkehr später nicht zur Rutschpartie wird. Mit fünf Tonnen Salz sind sie von Stein bis Laufenburg unterwegs. 

Das Lenkrad des Räumfahrzeuges, hinter dem Meier sitzt, ist auf der rechten Seite. «So hat der Fahrer einen besseren Überblick, um die Schaufel bündig am Bordstein entlang zu führen», erklärt Meier, während Siebenhaar die Konsole für die Salzausgabe bedient. Über zwei Knöpfe reguliert er fast im Sekundentakt die Streubreite und -menge der Salzausgabe. Auf der Schaffhauserstrasse am Sisslerfeld vorbei erhöht er die Salzmenge kurz vor einer kleinen Brücke von 15 auf 30 Gramm pro Quadratmeter. «Bei Überführungen kann die Nässe schneller gefrieren, weil die kalte Luft unter der Strasse hindurchzieht», erklärt Siebenhaar. 

Kaistenberg im Rückwärtsgang 

Maximal kann er die Streumenge auf 40 Gramm pro Quadratmeter dosieren. Dies war vorgestern nötig, als starker Schneefall am Abend einsetzte und dafür sorgte, dass die Autos auf dem Kaistenberg ins Schlingern gerieten. «Wir wollten von Frick aus die Kaistenbergstrasse räumen, kamen jedoch nicht an den Autos vorbei, die kreuz und quer standen», erzählt Siebenhaar. So mussten er und Meier kehrtmachen, um den Kaistenberg von Richtung Kaisten aus zu räumen. «Der Verkehr hat den Schnee platt gefahren und den Kaistenberg in eine Rutschbahn verwandelt», sagt Siebenhaar. Dies bekam auch Meier zu spüren, der das Räumfahrzeug wenden musste, um im Rückwärtsgang über das eigene Salz, das er streute, den Berg hochzufahren. 

Das Arbeiten zu Zeiten, wenn das Fricktal für gewöhnlich noch im Tiefschlaf liegt, macht Siebenhaar nichts aus. Im Gegenteil: Auf der Hardwaldstrasse zwischen Eiken und Kaisten nimmt er sich kurz Zeit, blickt aus dem Fenster und lässt die weissen Baumwipfel, die im Mondschein leuchten, auf sich wirken. Auch das ein oder andere Reh, welches das Streusalz von der Strasse geleckt hat, habe er schon beobachten können, sagt er. 

Keine einfachen Arbeitsbedingungen – am Benkerjoch ist am Mittwochmorgen ein Salzstreuwagen von der Strasse abgekommen und umgekippt. Die Bergung des Fahrzeugs gestaltete sich aufwändig:

Aufwändige Bergung: Salzstreuwagen kippt am Benkerjoch

Die Strasse über den Jura-Übergang musste vollständig gesperrt werden, damit das auf der Seite liegende Fahrzeug in stundenlanger Arbeit geborgen werden konnte. Auch die Feuerwehr stand im Einsatz.

Für Meier liegt der Vorteil der frühen Arbeitszeit darin, dass er nahezu als Einziger auf der Strasse unterwegs ist. So kann der Verkehr bei Einsätzen am Tag zuweilen zu einem Ärgernis werden. «Gerade dann, wenn die Autofahrer meinen, sie können sich an der 3,60 Meter breiten Schaufel noch vorbeidrücken und dann im letzten Moment feststellen, dass es doch nicht reicht.» Verständnis hat er auch nicht für das Auto, das ihm kurz vor der Laufenburger Rheinbrücke so dicht auffährt, dass es in seinem Aussenspiegel halb verschwindet. «So bekommt er das ganze Salz in seinen Kühler. Da muss er sich nicht wundern, wenn dieser rostet», sagt Meier und dreht am Kreisel eine Extra-Runde, um den nachfolgenden Verkehr vorbeizulassen. 

Obwohl Meier die Route aus dem Effeff kennt, muss er sich beim Manövrieren des Vehikels konzentrieren. Dies gilt besonders, wenn er die Schaufel senkt, um den Schnee von der Strasse zu räumen. «Besonders an Fussgängerstreifen mit Verkehrsinseln, kann es schon mal eng werden», sagt er.

Zurück am Werkhof fährt Meier um 5.30 Uhr das Räumfahrzeug, das nun um vier Tonnen Salz leichter ist, unter einen der beiden Salzsilo-Türme. Siebenhaar öffnet per Knopfdruck die Luke und innert Sekunden schiesst ein weisser Strahl aus tonnenweise Salz in den Anhänger. «Jetzt sind wir für die nächste Tour wieder einsatzbereit», sagt Siebenhaar, während Meier ums Eck der Werkhalle fährt, um dort mit einem Hochdruckreiniger, das Salz vom Fahrzeug zu entfernen. 

Übrigens, als sich der Journalist um halb sieben in sein Auto setzt und nach Frick aufbricht, rollt der Verkehr.

Autor

Dennis Kalt

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