Valentin Schmid aus Zeihen ist gefragt. Der Elektrobiologe setzt sich für weniger Belastung durch vorhandenen nieder- und hochfrequenten Elektrosmog ein. Vergangene Wochen arbeiteten er und sein Team bei einem Kunden in Eiken, dessen Hausdach saniert wurde. «Wir schirmten das Haus gegen die elektrischen Felder ab, die von der nahe gelegenen Hochspannungsleitung her auf das Gebäude und die Bewohner einwirken», sagt Valentin Schmid, Inhaber der Richard Schmid Elektrofachgeschäft AG in Zeihen und Präsident der Schweizer Arbeitsgemeinschaft für Biologische Elektrotechnik (sabe-schweiz.ch).

Am Nachmittag steht ein Termin in Stein auf dem Programm, wo ein Kunde zur Senkung der niederfrequenten Felder Netzfreischalter in den Schlafräumen wünscht sowie zur Reduktion der hochfrequenten Belastung von WLAN auf eine drahtgebundene Netzwerkverkabelung wechseln möchte.

Belastung hat zugenommen

«Wir stellen allgemein fest, dass die Strahlenbelastung durch WLAN und Mobilfunk zugenommen hat, ebenso aber auch wegen kürzerer Regenerationsphasen die Sensibilität der Menschen gegenüber diesen Einflüssen», berichtet Valentin Schmid. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stufte 2011 die Handystrahlung als «möglicherweise krebserregend» ein.

Verschiedene Hochspannungsleitungen durchziehen das Fricktal. Oftmals überqueren sie ganze Wohnquartiere – so zum Beispiel in Eiken. Die Leitungen transportieren unter anderem den Strom, der in den hiesigen Wasserkraftwerken produziert wird oder aus dem Ausland in Laufenburg für das Schweizer Netz verteilt wird.

Hinzu kommen die SBB-eigenen Versorgungsleitungen entlang der Bahnlinien. «Die Elektrosmog-Belastung ist je nach Ort unterschiedlich hoch, doch es gibt durchaus Regionen, die aufgrund ihrer Nähe zu Hochspannungsleitungen stärker unter solchen Feldern im Niederfrequenzbereich leiden», sagt Valentin Schmid.

Widerstand gegen Antennen

Die sogenannte hochfrequente Strahlung wird von den Mobilfunkantennen verbreitet. Immer häufiger wehren sich die Menschen gegen die Platzierung solcher Antennen in Wohngebieten – so auch im Fricktal, beispielsweise in Schupfart oder in Stein. «Die Strahlenbelastung in unmittelbarer Nähe oder unter einem Sendemasten kann oft weniger problematisch sein als in einem weiteren Umfeld, das im Strahlungskegel der Antenne liegt», sagt Valentin Schmid.

Ausserdem sei die Sendeleistung am eigenen Handy oftmals weniger gross, wenn die nächste Handyantenne nicht allzu weit entfernt steht. Neben den Einflüssen von aussen spielen oft jene Strahlungsquellen eine wichtige Rolle, die von den Bewohnern in ihren eigenen Wohnräumen produziert werden. Dazu gehören WLAN, DECT Funktelefone, Handys wie auch andere drahtlose Systeme.

Kein Handy im Schlafzimmer

«Viele Menschen sind sich dessen meist zu wenig bewusst und achten nur auf die äusseren Einflüsse», stellt Valentin Schmid immer wieder fest und empfiehlt, besonders in Schlafräumen auf Handy, Funktelefon, Radiowecker und dergleichen zu verzichten. «Wir legen unser Hauptaugenmerk auf die Schlafräume. Sind diese stark belastet, fällt es dem menschlichen Organismus oft schwer, sich nachts zu regenerieren.» Mögliche Nebenwirkungen von nieder- und hochfrequentem Elektrosmog sind laut zahlreichen Studien Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Muskelzittern bis hin zu starken Migräneanfällen.

Von sogenannten Wundermitteln hält Valentin Schmid nichts. Für ihn steht eine saubere Analyse und Dokumentation des Ist-Zustandes und die Beratung der Kundschaft über gangbare Verbesserungen an erster Stelle. Insbesondere in Neubauten können Installationen durch korrekte Planung meist problemlos emissionsarm erstellt werden.

Vom Kauf abgeraten

Ausgerüstet mit diversen Messgeräten, untersucht der Elektrobiologe in Häusern und Wohnungen die Belastung durch Hoch- und Niederfrequenzstrahlung sowie geologischen Störquellen. Hinzu kommen Analysen von Bauplätzen. Liegt ein Gebäude in der Nähe einer Hochspannungsleitung, zeigen die Messgeräte ein starkes Elektro- und Magnetfeld an.

Je nach Tageszeit und Stromverbrauch gibt es grosse Unterschiede bei der magnetischen Strahlungsbelastung. Deshalb führt Valentin Schmid diese Messungen über eine längere Zeitspanne durch. Je grösser der Abstand zum Verursacher, desto kleiner wird dessen Beeinflussung. Zur Reduktion elektrischer Felder schlägt der Elektrobiologe kontrolliert angebrachte und geerdete Abschirmmatten und -farben vor.

Bei der Dachsanierung des erwähnten Einfamilienhauses in Eiken konnten die einst hohen Elektrofeldwerte von über 800V/m (Empfohlener Richtwert SBM-2015 liegt bei 0,3V/m) auf nahezu null reduziert werden.

Einsatz für tiefere Grenzwerte

Valentin Schmid rechnet damit, dass in Zukunft die Belastung durch Hochfrequenzstrahlung weiter zunehmen wird – nicht nur durch äusserliche Einflüsse wie Mobilfunkantennen, sondern insbesondere auch durch hausgemachte Technologien wie WLAN und Schnurlostelefone. Weil immer mehr Menschen bewusst sensibel auf diese Strahlungen reagieren, wünscht sich der Verbandspräsident, dass sich die Bundesgrenzwerte den tieferen Richtwerten der Baubiologie annähern werden.

Ausserdem macht sich der Verband stark, bei der Schlusskontrolle neuer Elektroinstallationen auch das magnetische Feld einzubeziehen, das bereits einer vom Bund festgelegten Obergrenze (NISV) unterliegt.