Hellikon
Diese Schoko-Handwerkerinnen wollen das Fricktal mit ihren Kreationen verzaubern

Karin Bendel und Susanne Schudel sind mit ihrer Schokoladen-Manufaktur «Crea Chocolat» seit rund einem Jahr in Hellikon zu Hause. Bei ihnen wird Handarbeit grossgeschrieben. Die beiden Frauen haben sich das Handwerk selbst beigebracht ‒ und gerade jetzt, kurz vor Ostern, haben sie viel zu tun.

Hans Christof Wagner
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Karin Bendel (rechts) und Susanne Schudel betreiben in Hellikon «Crea Chocolat».

Karin Bendel (rechts) und Susanne Schudel betreiben in Hellikon «Crea Chocolat».

Hans Christof Wagner / Aargauer Zeitung

Löst sich alles gut aus der Form? Sind die Proportionen gut? Sind die Flügel alle noch dran? Für Karin Bendel und Susanne Schudel sind das die Momente, in denen sich erweist, ob sie gut gearbeitet haben. Ostern steht vor der Tür und für die beiden Frauen läuft die Produktion auf Hochtouren. «Wir haben einen Auftrag für 150 gefüllte Hühner reinbekommen. Und wir haben nur acht Formen, die wir auf einmal füllen können», berichtet Bendel. Am Ende wird die eine Hälfte mit dunkler, die andere mit heller Gianduja gefüllt sein - eine Mischung aus Schokolade und Haselnüssen.

Metier mehr oder weniger selbst beigebracht

«Crea Chocolat» heisst das Unternehmen von Karin Bendel und Susanne Schudel. Sie betreiben es seit Frühjahr 2020 in Hellikon in einer früheren Schreinerei. Als Schokoladenmanufaktur bezeichnen sie es. Manus ist lateinisch und bedeutet Hand. Factura kommt von machen – zusammen also handgemacht. Und mit handgemachter Schokolade wollen die zwei Frauen auch ihre Nische auf dem Schoggimarkt finden.

Sie haben sich das Metier mehr oder weniger selbst beigebracht – getrieben von Neugierde, Lust aufs Experimentieren und einem hohen Qualitätsanspruch. Schudel sagt:

«So sind in den mehr als fünf Jahren sicher schon über 100 verschiedene Sorten entstanden.»

Vor allem der Hochsommer sei ihre kreativste Zeit – «wenn es für die Produktion zu heiss ist und wenn die Leute generell weniger Lust auf Schoggi haben», sagt Bendel. Dann kommen Kreationen heraus wie die die dunkle Tafelschokolade mit kandidierten Zitronen oder die mit getrockneten Tomaten aus dem eigenen Garten.

Bei den Kreationen aus Hellikon wird den Kunden darüber hinaus vermittelt, wo genau, auf welchem Terrain, die Hauptzutat gewachsen ist, der Kakao. «Was man vom Wein kennt, gibt es auch bei Schokolade – Grand Cru», erzählt Bendel. In diesen Lagen müsse die Güte der geernteten Kakaofrüchte nicht nur besonders hoch sein. Wie beim Wein dürfen sie auch nicht mit solchen von anderswo gemischt werden.

Der Kakao schmeckt jedes Jahr anders

Dass die von der einen bestimmten Lage stammende Ernte dann ein Jahr so schmecke und das Folgejahr wieder anders – je nach den vorherrschenden Witterungen – fasziniert die beiden Frauen. Hacienda Elvesia heisst ein Lieferant von der Dominikanischen Republik. «Sie wurde ursprünglich von Schweizer Auswanderern gegründet. Elvesia im Namen verrät es», erzählt Bendel. Die haben sie, als sie mit dem Schoggi-Business anfingen, sogar einmal persönlich besucht.

Dort hätten sie herausgefunden, wie viel Arbeit schon allein der Anbau von Kakaobohnen mache. Bendel gibt zu bedenken:

«Dann muss die Schoggi in der Schweiz noch für bis zu 72 Stunden conchiert werden. Und dann kostet die Tafel beim Grossverteiler am Ende zwei Franken.»

Bei «Crea Chocolat» kostet die 80-Gramm-Tafel fünf Mal so viel. Die Ansprüche an die Zutaten und der 100-Prozent-Anteil an Handarbeit haben ihren Preis. Und warum sollte der Konsument den um ein Vielfaches höheren Preis bezahlen? Bendel: «Weil er damit Schokolade ganz neu erleben und schmecken kann.»

Schoggi-Geschäft wird immer Nebenerwerb bleiben

Bevor die zwei Frauen nach Hellikon kamen, waren sie im Baselbiet tätig und zu Hause. Zu den Baselbieter Märkten sind die Verbindungen noch immer lebendig. Doch auch im Fricktal wollen sie sich jetzt einen Namen machen und mit ihrem neuen Verkaufswagen auf Märkten präsent sei, wo sie den Hauptumsatz machen.

Für weitere Absatzmärkte reicht die Kapazität der beiden kaum aus. Und dass das Schoggi-Geschäft eines Tages einmal mehr als ein Nebenerwerb sein wird, kommt für Bendel und Schudel nicht in Betracht. Beide sind hauptberuflich als Sozialpädagoginnen in Behindertenwohnheimen tätig. Das verschafft ihnen auch das sichere Einkommen in den Sommermonaten, in denen im Saisongeschäft Schokolade wenig bis nichts läuft.

Hoffen auf die Weihnachtsmärkte 2021

Wenig gelaufen ist auch im Coronajahr 2020, in dem fast sämtliche Märkte abgesagt worden sind. Auch von den Praliné-Kursen fand vergangenes Jahr der Pandemie wegen nur einer statt und der auch nur mit reduzierter Teilnehmerzahl. Jetzt hoffen Karin Bendel und Susanne Schudel für 2021, dass die Infektionslage wenigstens die Weihnachtsmärkte zulassen wird – noch genug Zeit für die Helliker Schoko-Handwerkerinnen also, neue Rezepte, Formen und Geschmacksrichtungen auszutüfteln. «Der Spass daran treibt uns an», sagen sie.