Nach einer Veranstaltung in der Rheinfelder Gemeindebibliothek sprach mich Rudi Neumaier an. Der pensionierte Polymechaniker kümmert sich freiwillig um Flüchtlinge. 70 Prozent der Unterstützten finden laut Staatssekretariat für Migration eine Arbeit oder Ausbildung. Der Befund basiert auf einer externen Evaluation von 39 Projekten, in denen sich 2700 Freiwillige während zweier Jahre engagierten.

Für Flüchtlinge ist es oft schwierig, ihre Fähigkeiten einzubringen. Vielen fehlen informelle Kenntnisse und Kontakte. Das Staatssekretariat hat deshalb ein Mentoring-Programm lanciert. Freiwillige helfen, eine Bewerbung zu schreiben, eine Wohnung oder eine Schnupperlehre zu suchen. Die Zivilgesellschaft leistet da viel Wertvolles. Derzeit auch bei Vertriebenen aus Syrien. «Leider bleibt diese Arbeit unter dem Radar der Öffentlichkeit», sagt Rudi Neumaier. Die reale Begegnung mit Geflüchteten berührt ihn immer wieder. Da ist eine junge Frau, die sich weigerte, den Mann zu heiraten, den ihr Vater für sie ausgesucht hatte. Todesdrohungen der Familie trieben sie zur Flucht, sind aber in der Schweiz kein Asylgrund.

Fluchtgründe sind auch die Klimaerwärmung und ein unfairer Welthandel, der afrikanischen Bauern und Fischern die Existenzgrundlage raubt. Heute sind 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Im Libanon kommt ein Flüchtling auf 6 Personen, in Jordanien auf 14, in der Türkei auf 23, in der Schweiz auf 133. 2017 registrierte die Schweiz 18›000 Asylgesuche.

Im Fricktal engagieren sich in neun Gemeinden 170 Freiwillige im Verein Netzwerk Asyl Aarau. Eine Gruppe bildete sich auch in Obermumpf. Vor zwei Jahren erhielten hier neun Flüchtlinge aus Eritrea eine kantonale Unterkunft in einer Baubaracke mit zwei Räumen. Sie berichteten an verschiedenen Anlässen von ihrer Geschichte. Von Einheimischen unterstützt, fanden inzwischen fast alle eine Beschäftigung und einen Wohnraum. So ist Integration auch in einer Gemeinde möglich, die eher als verschlossen gilt.

Die Rheinfelder Gruppe mit Rudi Neumaier unterrichtet 80 Migrierte in Deutsch und Mathematik. Er sage ihnen jeweils deutlich, «dass hier niemand auf sie gewartet hat und es vorwiegend an ihnen liegt, ob sie die Füsse auf den Boden kriegen». Sie müssten doppelt so gut sein wie andere. Nur dann hätten sie eine Chance. Und das funktioniere. «Ich sehe immer wieder», sagt er, «wie jemand aufblüht, wenn er eine Arbeit und Aufgabe findet.»