Einen symbolträchtigen Ort zum Start der Initiative «unser Steg» haben sich die Befürworter des Rheinstegs ausgesucht: Vor dem Ausstellungspavillon des Kraftwerks gingen sie am Freitag in die Offensive. «Wir bekennen uns deutlich zum Steg», erklärte als Sprecherin des Initiativ-Teams Karin Reichert-Moser.

Das Ziel der parteiübergreifenden und bürgerschaftlich engagierten Unterstützer ist es, die Bürger vom Nutzen des Gemeinschaftsprojekts für beide Rheinfelden zu überzeugen. Sie werben um Unterstützung, dass es zum Bau kommt und damit um ein Ja beim Bürgerentscheid in badisch Rheinfelden.

Ob der am 6. Dezember stattfindet, entscheidet sich nächste Woche. Wird bis Monatsende im Gesetzesblatt des Landes die Novellierung des Wahlgesetzes veröffentlicht, gilt für die Stimmberechtigten bereits im Dezember das neue, auf 20 Prozent abgesenkte Quorum. Damit dieses erfüllt wird, bleibt aber dennoch eine hohe Wahlbeteiligung die Voraussetzung. Liegt sie unter 40 Prozent, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Bürger über das 6-Millionen-Gemeinschaftsprojekt entscheiden.

In der Herbstsonne am Rheinufer in Sichtweite zur geplanten Brücke für Fussgänger und Velofahrer machte sich überzeugte Aufbruchstimmung breit. Die Steg-Fürsprecher erklärten sich zum Auftakt in persönlichen Stellungnahmen überzeugt, dass dieses Projekt für Rheinfelden auf lange Sicht einen Gewinn darstellt.

Ersatzsteg mit Vorteilen

Die kommenden Wochen bezeichnete Oberbürgermeister Klaus Eberhardt, als «Zeit des Wahlkampfs». Als Vertreter der Stadt sehe er sich in der Pflicht, nach dem Gemeinderatsbeschluss zum Planungswettbewerb und Förderzusagen aus mehreren Programmen sich auch für den Steg zu positionieren, damit er gebaut wird.

Der neue Standort zwischen Wasserentnahme Evonik auf badischer Seite und Flossländeweg sei aus rein ökologischen Gründen gewählt und weniger empfindlich als eine Brücke an alter Stelle, wo der Fischaufstieg einen sensiblen Bereich darstelle. Der neue Standort erweise sich zudem vorteilhafter «weil er näher am Siedlungsgebiet der Nachbarstadt» liegt.

Wolfgang Bocks, der seit 2008 in der IG Pro Steg für den Erhalt des alten Kraftwerks und seines dazugehörenden Stegs vergeblich gekämpft hat, betonte, dass es sich bei dem Projekt um «einen Ersatzsteg» handle für eine verloren gegangene Verbindung, die 112 Jahre lang von den Bürgern benutzt wurde.

Mit dem Steg lasse sich der alte Rundweg wieder herstellen, den gerade ältere Menschen wünschen und damit ein «Mehr an Möglichkeiten» den Nutzern eröffnen. «Hier wird für die nächsten 50 bis 70 Jahre geplant», appellierte er zu bedenken. Es handle sich um eine Win-win-Situation und eine faszinierende grenzüberschreitende Raumplanung, die es sonst nirgendwo in Europa gebe.

Leuchtturmcharakter

Den Leuchtturmcharakter des Projekts für Rheinfelden betonte auch Heiner Lohmann. Er stellte sich überzeugt hinter das Projekt, weil es «eine sinnvolle Massnahme» darstelle. Ausserdem profitiere die Stadt auf einmalige Weise dabei von Steuergeldern. Wenn die Stadt jetzt nicht weitermache, warnte er, gehen die Fördergelder verloren.

Entschieden trat auch Paul Renz Kritikern entgegen. Er hält den Bau für einen «wichtigen Invest der Stadt», der keinesfalls auf Kosten anderer Projekte entstehe. Alfred Winkler erklärte, dass seine Zustimmung erst in Überzeugung mündete, als die Planungsentwicklung konkret wurde. Neben dem praktischen Nutzen werde die architektonische Besonderheit «Rheinfelden als Stadt herausheben».