Schlechte Nachrichten für den Wirtschaftsstandort Fricktal: Bei Novartis in Stein kommt es wohl zu einem grösseren Stellenabbau. Der Abbau werde Anfang nächster Woche kommuniziert, sagen Informanten. Wie viele der 1670 Stellen in Stein betroffen sind, ist noch unklar. Auch in Basel und Schweizerhalle könnten Jobs gestrichen werden.

Überhaupt kein Verständnis hat Thomas Leuzinger, Bereichsleiter Politik und Kommunikation bei der Gewerkschaft Unia Region Aargau-Nordwestschweiz, wenn Novartis in diesem Jahr «schon wieder Stellen» abbauen würde. «Bereits im vergangenen Jahr hat Novartis 500 Stellen gestrichen und gleichzeitig einen Stellenaufbau angekündigt, der allerdings nie erfolgt ist», sagt Leuzinger und redet Klartext: «Die Novartis-Chefetage soll endlich Rückgrat zeigen und klar mitteilen, was die Unternehmens-Strategie für den Standort Basel ist, anstatt jährlich häppchenweise Leute auf die Strasse zu stellen und leere Versprechungen zu machen.» Was Leuzinger zusätzlich ärgert: «Die Personalvertretung wurde bis anhin nicht mit einbezogen und sogar nicht einmal informiert. Dies wäre aber eine Pflicht von Novartis.»

Wirtschaftlich nicht vertretbar

Aus wirtschaftlichen Gründen wäre eine Massenentlassung für Leuzinger «unverständlich». Der Konzern habe im vergangenen Jahr seinen Gewinn um 15 Prozent auf 7,7 Milliarden Franken erhöht und angekündigt, dass eine Erhöhung der Gewinnmarge vorgesehen sei.

Zudem habe Novartis-Präsident Jörg Reinhardt zugegeben, dass Fehler bei der Planung gemacht wurden. «Dass nun das Personal das Versagen der Novartis-Chefetage bezahlen muss, während das Management offensichtlich ungerechtfertigte Millionensaläre kassiert, ist nicht tragbar», so Leuzinger.

Verantwortung wahrnehmen

Der Gewerkschafter erwartet denn auch, dass Novartis ihre soziale Verantwortung wahrnimmt und auf einen Stellenabbau verzichtet. Sollte es doch zum Stellenabbau kommen, ist für Leuzinger auch die Aargauer Regierung gefordert. Sie werde in diesem Fall handeln und Verantwortung übernehmen müssen.

Leuzinger bestätigt zudem, was Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann gestern der AZ auf Anfrage ausrichten liess: «Dem Regierungsrat liegen keine offiziellen Informationen zu einem Stellenabbau bei Novartis vor.» Dies sei gemäss den Informationen, die der Unia vorlägen, der Fall.

Fricktal zentral für den Pharmabereich

Der Pharmabereich ist für Stein und das Fricktal zentral. Alle grossen Life-Sciences- Firmen haben ein Werk im Fricktal: Roche in Kaiseraugst, Novartis und Syngenta in Stein, DSM in Sisseln und BASF in Kaisten. Allein in der Pharmasparte arbeiten rund 5600 Personen. Das entspricht 18 Prozent der Arbeitsplätze im Fricktal. Der Bereich habe für den Aargau eine grössere Bedeutung, sagt Leuzinger. «Dementsprechend ist auch die soziale Verantwortung, welche die Unternehmen tragen, sehr gross.»

Ob der Pharmastandort Stein mit einem Abbau im grösseren Stil infrage gestellt ist, ist für Leuzinger derzeit nicht klar. Es komme darauf an, welcher ihrer Ankündigungen Novartis auch tatsächlich Taten folgen lasse. Konkret: «Ob die 450 neuen Stellen am Standort Stein geschaffen werden und ob kaum ein Jahr später schon wieder Stellen abgebaut werden.»

Das Vorgehen von Novartis führe auf jeden Fall zu Unsicherheit bei den Mitarbeitenden, aber auch bei der Bevölkerung und den Gemeinden, die von einem Stellenabbau betroffen sein könnten.