Mumpf
Unerwünschte Besucher im Fricktal: «Etwa alle zwei Wochen ziehen Wildsäue über meine Felder»

Martin Käser ist Schäden durch die Schwarzkittel gewohnt. Für den Schutz seiner Kulturen scheut er keine Mühen.

Dennis Kalt
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Auf Käsers Wiesen zeigen sich die Spuren der Wildschweine.

Auf Käsers Wiesen zeigen sich die Spuren der Wildschweine.

Dennis Kalt (Mumpf, 22. Dezember 2020

Bis September hatte Landwirt Martin Käser Ruhe. Dann ging es wieder los. «Etwa alle zwei Wochen ziehen die Wildsäue über meine Felder und Wühlen den Boden auf», berichtet Käser, der in Mumpf einen Betrieb mit Grünland, Ackerbau und Mastrindern führt.

Bei der Fahrt entlang der Mumpfer Hänge an den weitreichenden Naturwiesen vorbei zeigen sich an etlichen Stellen Spuren der Wildschweine, die den Boden auf der Suche nach Nahrung zerwühlt haben. «Sie gehen in alle Kulturen», sagt Käser. Fressen seinen Mais, graben die Zuckerrüben aus.

Käser enerviert sich nicht mehr sonderlich über die Schäden, denn das Problem mit den Schwarzkitteln ist er seit Jahren gewohnt. Auch weiss er, dass die Bejagung der Wildschweine keine leichte Aufgabe ist. «Viele Jäger sind berufstätig und haben nur begrenzt Zeit.» Auch seien die Winter über die letzten Jahrzehnte milder geworden, was dazu führe, dass sich die Tiere besser vermehren und überleben könnten.

Schäden in Höhe von rund 4000 Franken

Bis 150 Franken zählen Schäden durch Wildschweine als Bagatellschäden. Darüber hinaus wird abgegolten. Im Frühjahr wurden auf Käsers Feldern Schäden in Höhe von rund 4000 Franken abgeschätzt. In diesem Jahr hat Käser erstmals seine Schäden elektronisch mit «eWisa» über das Online-Portal von Landwirtschaft Aargau erfasst. Der Vorteile: Wildschadenabschätzer und Jagdaufseher bekommen so die nötigen Informationen präzise auf einer Karte.

Rund zwei Wochen an Arbeit wendet Käser im Jahr auf, um die Schäden zu sanieren. Störend sind der Extraaufwand und teilweise auch die Qualitätseinbussen im Futter, die er erleidet. So war es diesen Frühling, als der Regen ausblieb und die abgerissenen Grasmatten nicht mehr angewachsen sind. Sie vertrockneten und verschmutzten die Silage.

Elektrozaun soll die Wiesen schützen

Mit der Sanierung der aktuell umgegrabenen Matten wird er wieder bis zum nächsten Frühjahr warten. «Wenn ich das jetzt mache, kommen die Wildschweine wieder und graben die gleiche Stelle noch einmal um», sagt er. Generell beobachtet Käser, dass es in den warmen Monaten zu weniger Schäden auf seinen Feldern kommt. «Der Boden ist trockener und die Wildschweine bleiben eher im schattigen Wald zurück.» Um zu verhindern, dass die Wildschweine seinen Mais fressen, zäunt er diesen seit vielen Jahren ein.

Diesen Herbst hat er einen neuen Elektrozaun um rund sieben Hektaren Naturwiesen erstellt. Einmal in der Woche kontrolliert Käser, ob noch genügend Strom auf dem Zaun ist. Für das Aufstellen des Zauns, die Kontrolle und Reparaturen fallen einige Stunden an Arbeit an. Klar, so Käser, könnte er sich diesen Aufwand sparen, die Wildschweine in den Mais lassen und dann den entsprechenden Schaden abgelten lassen. Doch das findet Käser moralisch nicht korrekt. Lieber nimmt er den Extra-Aufwand in Kauf und sieht dafür, wie in einigen Monaten sein Mais sicher vor den Wildschweinen gedeiht.