Fricktal
Unehrliche Käufer bedienen sich in Höflädelis

Offene Kasse im Hoflädeli, Kürbisstand zum Selbstbedienen: nicht alle zahlen.

Rael Probst
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Frisch ab Hof: In Zeiningen gibt es in der Apfel-Saison rund um die Uhr Süssmost vom Automaten. Wer Most will, muss zuerst bezahlen.Dennis kalt

Frisch ab Hof: In Zeiningen gibt es in der Apfel-Saison rund um die Uhr Süssmost vom Automaten. Wer Most will, muss zuerst bezahlen.Dennis kalt

Süssmost, Kürbisse oder Äpfel frisch ab Hof; Fricktaler dürfen noch immer regionale Angebote geniessen. So freuen sich die Zeininger über einen Getränke-Automaten mit Frischegarantie und die Bewohner Möhlins über ein rund um die Uhr geöffnetes Hoflädeli.

Aber auch solch ursprüngliche Ideen haben sich der Zeit angepasst: Aus dem Milchautomaten der Familie Senn in Zeiningen sprudelt Most und der Hofladen von Familie Mahrer-Hilpert aus Möhlin ist nur mit einem Code betretbar. Der Grund? Unehrliche Käufer.

Konsequenzen und Veränderung

«Seit zehn Jahren bieten wir nun Süssmost statt Milch an, das kommt bei den Leuten gut an», sagt Klaus Senn aus Zeiningen. Den Vertrieb von Milch hat der Bauer eingestellt und dafür mehr auf Äpfel gesetzt. Die Milchpreise waren im Keller und die Familie hat seit eh und je am Zeininger Markt ihren Süssmost angeboten. «Es kamen auch nach dem Markt viele Nachfragen nach unserem Most», so Senn.

Den Milchautomaten wollte Senn nicht verkaufen. «Das hätte Verlust bedeutet.» So keimte die Idee: Nun kann man sich am ehemaligen Milchautomaten rund um die Uhr selbst mit Süssmost versorgen. Münzen einwerfen, der Automat stoppt die Getränkeausgabe, sobald das Guthaben aufgebraucht ist. Probleme mit nicht zahlenden Kunden hat Senn also nicht.

Anders auf dem Eulenhof in Möhlin. «Wie bieten im Hofladen alles von Gemüse über Getreide bis zu Milchprodukten an. Das seit zehn Jahren. Mit unbezahlter Ware hatten wir öfters zu kämpfen», sagt Käthi Hilpert. Zuerst hat die Familie mit einem Büchlein gearbeitet, in das alle Kunden selbstständig eingetragen haben, welche Waren sie bezogen haben. Wenn der Betrag gross genug – um die 100 Franken – war, haben die Kunden selbstständig zusammengerechnet und den Betrag an die Bauernfamilie überwiesen.

«Wir hatten dann aber auch Anrufe von Kunden, die meinten, was unter ihrem Namen eingetragen worden war, hätten sie nicht im Lädeli bezogen. Oder wir merkten, dass Waren nicht bezahlt wurden.» Für kurze Zeit hat eine Angestellte das Hoflädeli betreut, das hat dann aber offizielle Öffnungszeiten und auch geschlossene Tage mit sich gebracht. «Viele Kunden waren mit der Veränderung unzufrieden.» Nun kann sich im Hoflädeli nur noch bedienen, wer registriert ist und somit den Zugangscode fürs Türschloss erhalten hat. Die Bäuerin sagt: «So haben wir im Überblick, wer bei uns einkauft. Im Lädeli steht eine offene Kasse, die Kunden bezahlen sofort.»

Auch beim Kürbisstand zum Selbstbedienen der Familie Hort in Wittnau wurde die Ware teilweise nicht bezahlt. Den Stand gibt es dieses Jahr aber nicht wegen vereinzelt unehrlichen Kunden nicht, sondern weil es wettertechnisch ein schlechtes Kürbis-Jahr war.