Frick

«Und ich bin gerne Soldat…»

Kaspar Lüscher

Im Bet

Kaspar Lüscher

Kaspar Lüscher spielt ein «Ein Kind unserer Zeit». Der Gipf-Oberfricker Schauspieler überzeugte als Ich-Erzähler das Premiere-Publikum in Fricks Monti.

Der Gipf-Oberfricker Autor und Schauspieler, Kaspar Lüscher, ist mit dem klassischen Monolog von Ödön von Horváth «Ein Kind unserer Zeit» nach einer dramatisierten Fassung von Ekkehard Schall und Hans-Joachim Frank unterwegs. Am Sonntagabend begeisterte er das Publikum bei der Premiere in Fricks Monti. Das Thema des Romans, den Ödön von Horváth kurz vor seinem Tod 1938 schrieb, hat bis heute nichts an Aktualität verloren und spricht sowohl junge wie ältere Menschen an.

«Ich bin Soldat. Und ich bin gerne Soldat…», mit diesen klaren Worten nimmt der Ich-Erzähler das Publikum in seinen Bann. Das Bühnenbild ist schlicht. Eine Parkbank und ein darüber geworfenes Leintuch, sonst nichts. Kaspar Lüscher spielt und erzählt das fatale Schicksal der Roman-Hauptfigur, welche aus purer Verzweiflung und Orientierungslosigkeit der sechsjährigen Arbeitslosigkeit entrinnt und im Militär als «Freiwilliger» Unterschlupf findet. Nun sieht der Soldat in seinem Leben wieder einen Sinn und ist froh, nicht mehr selber denken zu müssen. Er wird schon bald stolzer Gefreiter.

«Wir lieben unseren Hauptmann», schwärmt der pflichtbewusste Soldat und sieht in ihm «einen idealen Vater». Sein gedankliches Abschweifen in die Kindheit verrät, dass seine Mutter schon früh starb und er mit dem eigenen Vater Differenzen hatte.

Der Soldat verherrlicht Krieg, Gewalt, Uniformen und hierarchische Führung und ist überzeugt, dass der einzelne Mensch nichts tauge, sondern nur der Volkskörper zähle. Eines Tages verliebt er sich auf dem Jahrmarkt in eine junge Frau, kann sie aber nicht näher kennen lernen. Bei einem Gefecht läuft der Hauptmann, wie sich später zeigt, freiwillig in den Tod. Der Soldat versuchte ihn noch zu retten, wurde aber am linken Arm verwundet. Allmählich beginnt er wieder nachzudenken, nachdem der Hauptmann im Abschiedsbrief bekannte, dass er nicht mehr in diese Zeit voller Kriegsgräuel und Brutalität passe. Durch die Armlähmung wird der Soldat dienstuntauglich und geht zu seinem Vater zurück. Tausend Fragen und Gedanken kreisen in seinem Kopf; aufgewühlt läuft er hin und her. Über seine frühere Liebe erfährt er, dass sie nach der verzweifelten Abtreibung ihres Kindes im Gefängnis sitzt. «Es gibt keine Gerechtigkeit, so viel habe ich raus», stellt er nüchtern fest. Durch das wiedererlangte freie Denken sieht er die grausamen Übeltaten des Krieges. Doch als schuldig bekennt er sich nicht. Das Stück schliesst mit den Worten: «Er gab seinen Arm für einen Dreck. Er war ein Kind seiner Zeit.»

Plädoyer für das eigene Denken

Zeitraffendes und zeitdehnendes Erzählen wechseln sich bei diesem Bühnenstück ab. Wörter und Sätze lösen Empfindungen aus und wirken durch die ruhige Inszenierung von Kaspar Lüscher und die dunklen Momente im Saal besonders tief und nachhaltig. Der Roman, der die Unsinnigkeit des nationalsozialistischen Gedankenguts und den diktatorischen Führungsstil heftig kritisiert, wurde von den Nazis verboten. Das Thema ist ein Plädoyer für das
eigene Denken und Handeln und ist (wieder) besonders aktuell.

Wer das eindrückliche Meisterwerk des Fricktaler Schauspielers, Kaspar Lüscher, unter der Regie von Raphael Bachmann noch sehen möchte, hat heute Abend um 20.15 Uhr in Fricks Monti noch Gelegenheit dazu. Weitere Vorstellungen gibt es im Keller 62 in Zürich, im ONO Bern und in der zweiten Januarhälfte im Unternehmen Mitte Basel.

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