Fricktal

Umsatz und Gewinn gestiegen: Das Gesundheitszentrum ist in Form

Das Gesundheitszentrum konnte 2018 sowohl bei den stationären wie bei den ambulanten Behandlungen zulegen.

Das Gesundheitszentrum konnte 2018 sowohl bei den stationären wie bei den ambulanten Behandlungen zulegen.

Das Gesundheitszentrum Fricktal unterzog sich im Frühjahr 2018 einer Reorganisation. Nun zieht das Spital ein erstes positives Fazit.

Das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Als im April 2018 bekannt wurde, dass sich die Spitalleitung über die Zukunft des Standortes Laufenburg Gedanken macht, gingen die Wogen in der Bevölkerung hoch. Denn zur Diskussion stand neben dem Abzug der Chirurgie auch das komplette Aus von Laufenburg als Akutspital; geblieben wäre bei diesem «Szenario 2» in Laufenburg einzig das Pflegeheim sowie das ambulante Angebot.

Die Erleichterung im oberen Fricktal war entsprechend gross, als das GZF Anfang Juli entschied, «nur» den Operationsbetrieb ab September in Rheinfelden zu konzentrieren. Mit anderen Worten: Die nichtoperative Chirurgie und Orthopädie blieb ebenso im Leistungskatalog von Laufenburg wie die stationäre innere Medizin, die 24-Stunden-Überwachungsstation, der 24-Stunden-Notfallbetrieb, das Pflegeheim und das gesamte ambulante Angebot.

Nun liegen mit den Geschäftszahlen für 2018 auch erste Erfahrungswerte mit dem neuen Regime vor. Und sie sind gut. Die Rückmeldungen zum Entscheid der Konzentration seien durchweg positiv ausgefallen, sagt GZF-Sprecherin Miriam Crespo. «Der Entscheid wurde im Sinne einer Bündelung von Leistungen und Kompetenzen als mutiger, aber richtiger Schritt erachtet.»

In Bezug auf die Weiterführung des Akutspitals Laufenburg mit Notfall sei das Feedback «sowohl von Patienten als auch von den ansässigen Ärzten auch sehr positiv» gewesen. Insbesondere die Weiterführung der 24-Stunden-Notfallstation, in der rund um die Uhr ein Arzt zugegen ist, sei der Bevölkerung ein wichtiges Anliegen gewesen, weiss Priska Grünig, Chefärztin der Medizinischen Klinik in Laufenburg.

Kampagne für Laufenburg

Allerdings löste die Reorganisation einige Unklarheiten aus, was in Laufenburg genau noch angeboten wird. Daher startete das GZF die Kampagne «Im Spital Laufeburg laufts!». «Wir geben damit ein klares Bekenntnis zum Standort Laufenburg und den Menschen im oberen Fricktal», sagt Crespo. «Konkret möchten wir ihnen sagen, dass wir nebst dem Pflegeheim nach wie vor ein Spital mit Notfall betreiben und rund um die Uhr für sie da sind – ungeachtet der Erkrankung.»

Die positive Entwicklung spiegeln auch die Zahlen für das letzte Jahr. Der Umsatz stieg von 114,8 auf 117,1 Millionen Franken, der Gewinn von 16 000 auf rund 60 000 Franken. «Diese positive Veränderung ist auf die gute Entwicklung sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich zurückzuführen», erklärt Crespo.

Im stationären Bereich lag das Wachstum bei 0,8, im ambulanten Bereich bei 6,6 Prozent. «Damit zeigt das GZF deutlich, dass die gesundheitspolitische Strategie ‹ambulant vor stationär› konsequent vorangetrieben wird», sagt Crespo. In Fallzahlen heisst das: Im letzten Jahr verzeichnete das GZF mit 8614 stationären Austritten (2017: 8543) einen Höchstwert. Ambulant wurden 45 731 Patienten betreut (2017: 42 887).

Den grössten Zuwachs im stationären Bereich verzeichnete das GZF in der Inneren Medizin mit einem plus von zehn Prozent. Im Bereich der Allgemein- und Viszeralchirurgie gab es dagegen «einen vorübergehenden deutlichen Rückgang», wie Crespo auf Nachfrage der AZ sagt.

Ist daran die Konzentration der Chirurgie auf den Standort Rheinfelden schuld? Nein, sagt Crespo, der Rückgang habe vor der Konzentration stattgefunden, nämlich zeitgleich mit den Kündigungen der drei chirurgischen Kaderärzte in Laufenburg. Seit der Umsetzung der neuen Organisation im September und insbesondere seit dem Eintritt des neuen standortübergreifenden Chefarztes für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Ingo Engel, im Oktober entwickeln sich die Zahlen laut Crespo wieder «sehr positiv». «Dies aufgrund seiner hohen chirurgischen Kompetenzen einerseits und andererseits, weil ihm sowohl die Patienten als auch die zuweisenden Ärzte von Anfang an ihr Vertrauen geschenkt haben, was uns sehr erfreut.»

4,3 Tage im Schnitt im Spital

Auf tiefem Niveau eingependelt hat sich dank der Strategie «ambulant vor stationär» die durchschnittliche Aufenthaltsdauer. 2012 lag sie noch bei 11,4 Tagen, sank seither kontinuierlich und liegt aktuell bei 4,3 Tagen. Sie sei aufgrund des medizinischen Fortschritts und von Prozessoptimierungen rückläufig, sagt Crespo, «wobei wir feststellen, dass sich das Niveau gewissermassen eingependelt hat, da man die Optimierungspotenziale ausgereizt hat».

Gut entwickelt hat sich die Klinik für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, die im Mai 2017 eröffnet wurde. Im letzten Jahr wurden hier über 100 Patienten behandelt. Dies häufig im Zusammenhang mit dem Interdisziplinären Brustzentrum der Frauenklinik Rheinfelden, einem «wichtigen Schwerpunkt des GZF», wie Crespo sagt. Das Brustzentrum behandelte im letzten Jahr 137 Patientinnen mit Erstdiagnose Brustkrebs.

«Die Klinik für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie spielt insbesondere im Hinblick auf die operative Brustrekonstruktion eine wichtige Rolle», so Crespo. Mit der engen Verzahnung dieser beiden Disziplinen sowie einem umfassenden komplementärmedizinischen Angebot könne sich das Brustzentrum in Rheinfelden «weit über das eigene Einzugsgebiet positionieren und differenzieren».

Ein weiterer Schwerpunkt der Klinik liegt in der Versorgung akuter und chronischer Wunden, die beispielsweise durch Unfälle oder Durchblutungsstörungen entstehen können.

In Laufenburg ist das Pflegeheim mit seinen 72 Betten neben dem Akutspital «ein wichtiger Eckpfeiler», wie Crespo sagt. Zusammen mit dem Pflegeheim in Rheinfelden leistete das GZF im letzten Jahr 30 724 Pflegetage. Die Bettenauslastung lag damit bei 87 Prozent, leicht tiefer als 2017 (90 Prozent).

Im Pflegeheim Laufenburg gibt es derweil tierische Neuigkeiten: Die Katzendamen «Woody» und «Lucky» sind Mitte Februar eingezogen. «Tiere im Pflegeheim sollen zwischenmenschliche Kontakte keinesfalls ersetzen, sondern vielmehr fördern und ergänzen, teilweise auch erst ermöglichen», sagt Crespo. «Die Resonanz ist bisher durchweg positiv.»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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