Bis Ende 2023 sollen Menschen mit Behinderungen den öffentlichen Verkehr grundsätzlich autonom benutzen können. So verlangt es das Behindertengleichstellungsgesetz (siehe Box weiter unten). Beim Busbahnhof in Frick führt dies zu Problemen, denn am aktuellen Standort ist ein Ausbau, der behindertengerechte Ein- und Ausstiege erlaubt, kaum möglich.

Zudem sollen künftig auch mehr Gelenkbusse nach Frick fahren, doch auch für sie ist am Busbahnhof zu wenig Platz. Schon seit mehreren Jahren strebt Frick deshalb eine Verschiebung des Busbahnhofes an – und möchte diesen dort platzieren, wo sich aktuell die Freiverladeanlage der SBB Cargo befindet.

Allerdings gibt es dafür eine Bedingung: Bereits vor zehn Monaten sagte Marco Lombardi, stellvertretender Leiter der Sektion öffentlicher Verkehr des Kantons Aargau, zur AZ: «Der Freiverlad in Frick kann aufgehoben werden, wenn andernorts eine Ersatzanlage besteht.» Diese Aussage wiederholte er gestern anlässlich des Fricktaler Gemeindeseminars – stellte aber nun zugleich vor, wie der Kanton und die SBB die Freiverladelandschaft im Fricktal weiterentwickeln wollen.

Vier Anlagen aufheben

«Der Bedarf für Freiverladeanlagen ist weiterhin vorhanden, wenn auch in abnehmendem Ausmass», betonte Lombardi und untermauerte dies mit Zahlen. Rund 15 Millionen Tonnen Güter wurden 2013 im oder durchs Fricktal transportiert, nur gerade 6,3 Millionen Tonnen davon hatten ihren Ursprungs- und/oder Zielort im Fricktal. 12 Prozent davon wurden auf der Schiene transportiert.

Von diesen rund 800'000 Tonnen wurden 90 Prozent via Anschlussgleise verladen, die restlichen 80'000 Tonnen an Freiverladen. Hauptsächlich Zuckerrüben und Holz – in Frick zumeist Holzschnitzel – würden an Freiverladeanlagen auf die Zugwaggons gehievt, so Lombardi, doch auch für Baustoffe und Heizöl hätten die Anlagen weiterhin ihre Bedeutung.

Im Fricktal sind derzeit fünf Freiverladeanlagen in Betrieb – neben Frick auch in Stein, Möhlin, Rheinfelden und Kaiseraugst. Der Kanton und die SBB planen nun langfristig, das Freiverladenetz zu straffen. Im Fricktal soll neben Frick auch der Standort Stein aufgehoben und dafür im Sisslerfeld eine Ersatzanlage geschaffen werden. Die Anlagen in Rheinfelden und Kaiseraugst sollen ebenfalls verschwinden, dafür soll Möhlin optimiert und bei Bedarf ausgebaut werden.

«Aktuell ist für den Standort Sisslerfeld eine Machbarkeitsstudie im Gang», so Lombardi. Sie soll unter anderem Auskunft über die geeignetste Standortvariante geben. Im nächsten Quartal folgt dann eine solche Studie für Möhlin, wo unter anderem eine neue Zufahrt via Kantonsstrasse statt via Kernzone geprüft wird.

Gemeinden werden einbezogen

Noch in diesem Jahr will der Kanton die Standortgemeinden, den Planungsverband und die Nutzer aus der Wirtschaft mit ins Projekt einbeziehen. Das weitere Vorgehen ist dann abhängig von Entscheiden und Vorgaben des Bundes. Ob es aber reicht um das Busbahnhof-Projekt in Frick bis Ende 2023 umzusetzen, ist heute noch nicht absehbar. «Wir arbeiten daran, die Einhaltung der Frist zu ermöglichen», so Lombardi.

Der Eiker Gemeinderat Ingo Anders meldete allerdings am Gemeindeseminar bereits Bedenken an. Er befürchtet Mehrverkehr für die Gemeinde Eiken, wenn die Freiverladeanlage im Sisslerfeld realisiert wird. Marco Lombardi verwies darauf, dass die voraussichtlichen Gütervolumen keinen riesigen Mehrverkehr mit sich bringen.