Grossratswahlen

Überraschendes Hobby: Dieser Grossratskandidat aus dem Fricktal steht bisweilen kopf

Manuel Mauch hat als Nummer zwei der FDP-Liste gute Chancen, gewählt zu werden.

Manuel Mauch hat als Nummer zwei der FDP-Liste gute Chancen, gewählt zu werden.

Manuel Mauch will für die FDP ins Parlament. Er überrascht mit unkonventionellen Ideen – und einem speziellen Hobby: Achterbahn-Fahren. Er sagt, er könnte auch gut damit leben, wenn er nicht gewählt würde.

Er ist für eine Überraschung gut. Nicht seine Wahl in den Grossen Rat wäre eine Überraschung – die Chancen von Manuel Mauch, 40, den frei werdenden zweiten FDP-Sitz im Bezirk Rheinfelden zu holen, sind intakt. Als Bezirksparteipräsident und Nummer zwei auf der Liste muss man den Ökonom und Familienvater aus Wallbach auf der Rechnung haben. Das Talent bringt er mit, das Wahlpotenzial hat er.

Jahreskarte im Europapark

Überraschend sind im Gespräch vielmehr einige seiner Positionen – und sein Hobby. Mauch ist Achterbahn-Fan. Rund zehn Mal im Jahr besucht er einen Freizeitpark; allein viermal ist er im Europapark in Rust anzutreffen, für den er eine Jahreskarte hat. Inzwischen ist auch sein Sohn, 8, mit dem Achterbahnvirus infiziert. Er lacht, als er den überraschten Blick bemerkt. Mit 30 setzte er sich zum ersten Mal in eine Achterbahn – und war fasziniert. Er sagt:

Die Episode sagt auch einiges darüber aus, wie Mauch tickt. Er ist nicht einer, der überstürzt handelt. Er lässt sich Zeit, nimmt sich Zeit. Wenn er dann aber von etwas überzeugt ist, wenn er zu etwas Ja sagt, dann voll und ganz. Das bestätigen jene, die ihn kennen. Sie beschreiben ihn als topseriös, analytisch stark und sattelfest in den Themen, über die er spricht. Als Kopfmenschen, dem es zugleich aber nicht an Empathie fehlt.

Dieses Geerdetsein ist Mauch selber auch wichtig. So trat er den Jungfreisinnigen erst relativ spät bei, mit Mitte 20. «Ich wollte sicher sein, dass ich mitreden kann.» Diese Sicherheit gab ihm sein Studium.

Debattenschulung auf Twitter

Heute holt sich der Projekt- und Teamleiter bei Coop die Sicherheit in den Themen aus Literatur, Gesprächen – und auf Twitter. Der Kurznachrichtendienst sei ein «gutes Feld, um das Argumentieren zu lernen», findet Mauch. Man müsse die eigenen Argumente auf knappem Raum verdichten und sehen, wo sie noch nicht ausreichen.

Debattenschulung nennt es Mauch. Aktuell twittert er viel zur Konzernverantwortungsinitiative. Von dieser hält er wenig. Statt auf juristische Mittel zu setzen, solle man besser finanzielle Anreize geben, damit die Konzerne von sich aus handeln. Sein Vorschlag: Unternehmen sollen die Kosten für Massnahmen vor Ort direkt von der Gewinnsteuer abziehen können.

Die Menschen holen, die wirklich Asyl brauchen

Sein Zugang zu den Themen ist ein ökonomischer. Er vergesse den Menschen dabei nicht, betont er, gehe die Themen aber oft von der anderen Seite her an. Das zeigt sich bei seinem Vorschlag zur Migrationspolitik, wo er einen Paradigmenwechsel will. Ihm fehlt heute «ein klarer Fokus». Statt die Menschen, die hierher kommen, aufzunehmen, möchte er lieber vor Ort gehen und die Menschen, die wirklich Asyl brauchen, holen. «Es sollte ein politischer Entscheid sein, wer zu uns kommen kann und wer nicht.» Diesen Entscheid sollte der Bundesrat nach dem Kriterium der grössten Not fällen. «So hätten wir jene bei uns, die wirklich Asyl brauchen.» Familien statt junge Erwachsene.

Dass er damit das allgemeine Recht auf Asyl in Frage stellt, ist sich Mauch bewusst. Auch, dass er mit solchen Positionen aneckt. Er nimmt es in Kauf, stellt sich immer wieder gegen den Wind. Für die Sache, wie er sagt.

Die Sache. Sie dreht sich bei Mauch derzeit stark um den 18. Oktober. Wahltag. Den zweiten Sitz nach dem Rücktritt von Quotenbringer Franco Mazzi zu halten, lautet seine Maxime. Wer ihn holt, ist letztlich sekundär. Die Liste sei stark und ausgewogen, sagt Mauch. Chancen hätten alle. «Ich könnte gut damit leben, wenn ich nicht gewählt würde.» Auch das zeichnet ihn aus. Thematisch ist Mauch ehrgeizig und zielstrebig unterwegs, persönlich geht er nicht allzu verbissen ans Werk. Er sei ein guter Teamplayer, der für das Kollektiv denke, sagen andere über ihn.

Ihn reizen Sachen, die nicht alle machen

Den zweiten Sitz sollte die FDP halten können. Dennoch sagt Mauch: «Ich bin nicht entspannt.» Vorsicht ist besser als Nachsicht. Auch das passt zu ihm. Seine Lust am Politisieren, am Debattieren, am Lösungen suchen, spürt man, wenn man mit ihm redet. Er wolle als Ökonom etwas beitragen, sagt er, und auch etwas zurückgeben.

Ihn reizen dabei immer auch Sachen, die nicht alle machen. Das war schon im Studium so. Er belegte jene Fächer, die andere aufgrund der Komplexität oder des Aufwandes mieden. Er lacht. Vielleicht sei die Politik auch so eine Sache, denn ökonomisch sei ein Engagement nicht der einträglichste Weg.

Bisweilen steht Mauch auf seinem Weg auch kopf. Zumindest dann, wenn er Achterbahn fährt. «Die schönste Bahn?», wiederholt er die Frage, überlegt kurz. «Oziris.» Die Achterbahn im Park Astérix in Plailly (F) bietet Nervenkitzel pur. Loopings inklusive. Fast wie das Leben.

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