Erika Manz ist wütend und enttäuscht. Am Stammtisch im «Rössli» wird seit einigen Tagen herumgeboten, die 38-jährige Mutter von vier Kindern, die sich am kommenden Sonntag in den Gemeinderat von Eiken wählen lassen will, beziehe Sozialhilfe. «Eine bösartige Verleumdung», ärgert sie sich, «ein gemeiner Versuch, meine Wahlchancen zu schmälern.»

Wohl keine Anzeige

Sie beziehe keine Sozialhilfe, beteuert Manz, und lädt «den Verleumder», wie sie den Urheber des Gerüchts in einem Schreiben betitelt, ein: «Geh doch bei der Gemeindekanzlei vorbei und frag nach!» Diesen Gang kann sich der Betreffende allerdings getrost sparen, denn von der Gemeinde wird er keine Auskunft erhalten. «Amtsgeheimnis», erklärt Gemeindeschreiber Marcel Weiss auf Anfrage der az.

Ursprünglich wollte Manz das Schreiben an den «Verleumder» auch im «Rössli» am Stammtisch auflegen. Sie sieht nun aber davon ab, «weil es nichts bringt». Ob sie eine Anzeige machen will, lässt Manz noch offen, fügt aber an: «Eher nicht.»

Manz findet das Vorgehen «völlig daneben», auch deshalb, weil die Gemeinde gerade jetzt, in der «schweren Zeit», doch zusammenstehen müsse. «So kommt die Gemeinde keinen Schritt weiter und wird weiterhin in den negativen Schlagzeilen stehen.»

Vorgehen für Aebi «indiskutabel»

Von der Gerüchteküche distanziert sich ihr Gegenkandidat, Christoph Aebi, ganz klar. «Gerüchte sind keine stichhaltigen Argumente», sagt er. «Das ist ein indiskutables Vorgehen.»

Aebi wird von der IG «Neue Gemeinderäte für unser Dorf» unterstützt und unter anderem per Flugblatt zur Wahl empfohlen. «Die IG will mich nicht im Gemeinderat», ist Manz überzeugt.

In einem Punkt allerdings täuscht sich Manz. Sie sagt: «Man kann, wenn man Sozialhilfe bezieht, gar nicht kandidieren.» Doch, entgegnet Martin Süess, Leiter Rechtsdienst bei der Gemeindeabteilung des Kantons. Einziger Ausschlussgrund sei eine «umfassende Beistandschaft». Im Gegensatz zu früher, als die Gerichte bei einem Urteil als Nebenstrafe ein Amtsverbot verhängen konnten, sei auch dies heute nicht mehr möglich.

Wer hinter den Gerüchten steckt, weiss Manz nicht. Sie geht davon aus, dass es Leute sind, die Angst davor haben, dass sie im Dorf und in der Verwaltung so einiges verändern will. «Ich weiss, wo das ‹faule Ei› liegt», wiederholt sie eine Aussage, die sie bereits in einem az-Interview gemacht hat. Mehr sagt sie dazu nicht, nur: «Ein abgekartetes Spiel.»

Ob und wie stark das Gerücht ihre Wahlchancen schmälert, kann Manz nicht abschätzen. Sollte sie am Sonntag nicht gewählt werden, ist dennoch noch nicht unbedingt aller Gemeinderatstage Abend: Am 8. März findet ein weiterer Wahlgang statt. Dabei gilt es, zwei weitere Gemeinderatssitze – jenen von Gemeindeammann Peter Balzer und von Vizeammann Beat Schöni – neu zu besetzen.

Weiterer Wahlgang am 8. März

Im az-Interview sagte Manz vor gut einer Woche dazu, sie wisse noch nicht, ob sie sich bei einer Nichtwahl am 25. Januar nochmals zur Wahl stelle. Allerdings: Manz ist für den März-Wahlgang bereits gesetzt, denn ursprünglich hatte sie sich für diesen Wahlgang beworben – und ihre Kandidatur bislang nicht zurückgezogen. Zeit dafür hätte sie noch bis zum Freitag, wenn die offizielle Meldefrist abläuft. Hätte, denn: «Ich werde die Bewerbung so belassen.»