Heute ist der Turnverein Möhlin hauptsächlich für seine Handballer bekannt. Seit der Saison 2012/13 spielen sie in der zweithöchsten Schweizer Spielklasse mit und ärgern ab und zu einen Grossen – wie in diesem Herbst, als sie im Cup gleich zwei NLA-Klubs rauswarfen. Angefangen hat allerdings alles anders:

Am 22. Januar 1893 versammelten sich in der Trinkhalle Metzger – dem späteren Restaurant Ryburg – einige junge Männer, «um dem lange gehegten Wunsch Ausdruck zu geben, auch in der grossen Gemeinde Möhlin der edlen Turnerei gerecht zu werden.» So steht es im Gründungsprotokoll. Am 29. Januar 1893 folgte die offizielle Gründung des TV Möhlins.

Die AZ präsentiert zum 125-Jahr-Jubiläum sieben Zahlen aus der Geschichte des Vereins:

Einen Franken hatte zu berappen, wer in den Anfangsjahren des TV Möhlins einer Turnfahrt fernblieb. Der Gewinn des ersten Vereinsjahres betrug 27.30 Franken. Die ersten Jahre des Vereins standen im Zeichen der Gemeinschaft. Die Turnfeste wurden zwar besucht, allerdings mit eher mässigem Erfolg.

43 Jahre alt war der Verein, als Fritz Wirthlin den Impuls zum Handballspielen gab. Zuvor betrieb man – neben der Turnerei – Faustball und Korbball. In den 1960er-Jahren rückte der Handballsport sukzessive in den Vordergrund. Bald war Möhlin als Handball-Hochburg bekannt. 1970 gelang der erstmalige Aufstieg in die NLA. Damals waren sogar im Schweizer Nationalteam mehrere Möhliner vertreten: Peter Soder, Heinz Mahrer oder Rudolf Hasler.

Heute sind die Männer- und Damenriege sowie der Frauenturnverein eigenständige Vereine. Nur im Namen sind die Turner geblieben.

18 Stunden am Stück Handball spielte die dritte Mannschaft des Vereins 1983. Das bescherte den Amateur-Sportlern einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. Der Endstand des Spiels zwischen den beiden vom TV gestellten Teams? 315:256.

13 Jahre lang war Micha Bojovic für den TV Möhlin tätig. Auf die Saison 1985/86 stiess der Slowene vom HC Basilisk kommend zum TVM – und brachte einen «Hauch von Weltklasse in die Steinlihalle», wie der Verein noch heute auf seiner Homepage schwärmt. «Seine hervorragende Technik, seine Lauf- und Körpertäuschungen und vor allem sein Auge für seine Mitspieler machten ihn zum Dreh- und Angelpunkt des Möhliner Spiels.»

Prompt schaffte das damalige NLB-Team in Bojovics erster Saison den Aufstieg in die NLA, stieg allerdings ein Jahr später wieder ab. Bojovic war bis im Frühjahr 1997 als Spielertrainer tätig und kehrte 1998 für ein paar Monate zurück. Auch heute ist er noch ab und zu als Gast bei den Heimspielen dabei.

Zehn Jahre und 192 Spiele absolvierte Wolfgang Böhme als Spieler für die Nationalmannschaft der damaligen DDR. Er gewann während dieser Zeit die Silbermedaille an der Weltmeisterschaft 1972 und die Bronzemedaille 1978. Der TV Möhlin konnte die deutsche Handballlegende 2011 als Trainer engagieren.

Der Klub darbte damals seit einigen Jahren in der 1. Liga. Unter Böhme aber ging es aufwärts: Nach 22 Runden lag die Mannschaft auf dem dritten Tabellenplatz, die Aufstiegsrunde war zum Greifen nah.

Im Winter verstärkte sich der Verein noch einmal namhaft: Mit Marcus Hock stiess der zweifache 2. Bundesliga-Torschützenkönig zur Mannschaft. Tatsächlich gelang mit Hock im Mai 2012 der Aufstieg. Er selber avancierte in den nächsten Jahren zum absoluten Topscorer. Erst im letzten Sommer verliess Hock den TVM.

Vier NLA-Vereine zählten 2012 durchschnittlich mehr Zuschauer an ihren Heimspielen als der der NLB-Club Möhlin. In seiner Spielklasse führte der TV die Zuschauerstatistik mit dem zwischenzeitlichen Wert von 510 Zuschauern sogar an.

Das Steinli war bei den gegnerischen Mannschaften wegen seiner lauten Atmosphäre gefürchtet. Die Zuschauer sassen so nah am Spielfeld, dass sich Gerüchte halten, ab und zu sei den gegnerischen Teams auch mal ein Bein gestellt worden.

Auch heute noch, in der neuen Steinlihalle, sind die Möhliner da, wenn es beim TV um etwas geht: Im Herbst mussten einige Zuschauer den Cup-Knaller gegen Kadetten Schaffhausen in der Klubbeiz verfolgen, weil die Halle mit 1000 Zuschauern schon voll war. «Der TV ist im Dorf tief verankert», sagt Simon Mahrer.

Drei aktive Mannschaften, eine Frauenmannschaft und zehn Juniorenteams hat der TV Möhlin heute. Insgesamt zählt der Verein über 500 Mitglieder. Immer wieder schaffen eigene Junioren den Sprung in die erste Mannschaft.

«Das stärkt einerseits die Identifikation des Publikums mit der Mannschaft und ist andererseits Teil der Vereinsstrategie», sagt Mahrer. Der Verein fühlt sich wohl in seiner Rolle als ambitionierter NLB-Spitzenklub «Diese Position wollen wir festigen», sagt Mahrer und fügt lachend an: «Wenn wieder einmal Aufstiegsspiele anstehen, sagen wir aber auch nicht Nein.»