Rheinfelden
Turbulenzen statt Meilenstein: So leidet die Shrimpszucht unter der Coronakrise

Zum ersten Mal seit dem Markteintritt 2019 hätte die Rheinfelder Swiss Shrimp AG 2020 ein ganzes Jahr im Vollbetrieb arbeiten wollen. Dann kamen Corona und damit verbunden die Gastrolockdowns. Der Shrimpszucht fehlen so die wichtigsten Abnehmer.

Nadine Böni
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Für Januar und Februar musste die Swiss Shrimp AG einen Erntestopp verhängen. Eine Folge der Planungsunsicherheiten durch Corona.

Für Januar und Februar musste die Swiss Shrimp AG einen Erntestopp verhängen. Eine Folge der Planungsunsicherheiten durch Corona.

Sandra Ardizzone / September 2019

Das Jahr 2020 hätte in der noch jungen Geschichte des Rheinfelder Unternehmens Swiss Shrimp AG einen Meilenstein darstellen sollen. Zum ersten Mal seit dem Markteintritt im Frühjahr 2019 hätte in der Zucht ein ganzes Jahr lang im Vollbetrieb gearbeitet werden sollen – quasi das erste Jahr im «Normalbetrieb» also. Dann aber kam die Coronapandemie und nichts mehr war normal. «Wir haben ein turbulentes Jahr hinter uns», sagt Rafael Waber stattdessen. Er ist Geschäftsführer und Mitgründer des Start-ups.

Die Pandemie traf die Shrimps-Zucht gleich auf mehreren Ebenen. Besonders hart sind die Gastrolockdowns. Der Gastrobereich ist der wichtigste Absatzkanal der Swiss Shrimp AG, gefolgt vom Detailhandel. Die Zwangsschliessungen der Restaurants im Frühjahr und aktuell führten daher zu einem regelrechten Einbruch der Umsatzzahlen. Besonders noch, weil sie zu zwei «Haupt-Peaks» des Unternehmens stattfanden: «In der Oster- und der Festtagszeit», so Waber.

Logistikketten unterbrochen: Larven aus dem Ausland kamen nicht an

Da waren aber auch Herausforderungen in der Logistik. «Importe der Larven aus dem Ausland konnten teilweise nicht mehr realisiert werden, weil Logistikketten komplett unterbrochen wurden», sagt Waber. Und auch die Shrimpsauslieferungen in den Frischeboxen per Post an Privatpersonen kamen teilweise nicht mehr rechtzeitig an. Grund: die Paketflut wegen der allgemein extremen Zunahme beim Onlineshopping.

Geschäftsführer Rafael Waber musste sich 2020 ganz anderen Herausforderungen stellen.

Geschäftsführer Rafael Waber musste sich 2020 ganz anderen Herausforderungen stellen.

Sandra Ardizzone / September 2019

Ausserdem waren über weite Strecken kaum oder gar keine Degustationsanlässe und allgemeine Kundenkontakte möglich. «Das ist für uns als noch relativ unbekannte Marke ein entscheidender Punkt», sagt Waber. Solche Anlässe wären wichtig, um die Bekanntheit der Shrimps aus Rheinfelden zu steigern. Waber sagt:

Die Detailhandelskunden müssen unsere Shrimps und deren Vorteile zuerst kennenlernen. Dieser Prozess findet nicht von heute auf morgen statt. Degustationen würden da helfen.

Immerhin: Die Onlineverkäufe an Private machen zwar erst einen kleinen Anteil aus, nahmen im vergangenen Jahr aber zu. «Tendenz steigend», sagt Waber.

Das Unternehmen hat einen Erntestopp verhängt

Das Auf und Ab im vergangenen Jahr hatte Auswirkungen auf den Betrieb und die Aufzucht. «Eine Aquakultur sollte eigentlich immer im gleichen Takt laufen – ganzjährig. Die Coronakrise hat uns gezwungen, von diesem geradlinigen Takt abzuweichen», sagt Rafael Waber. «Dies führte dazu, dass wir leider ständig spontan und dynamisch in die Aufzucht eingreifen mussten.» Die Planungsunsicherheiten haben Folgen: Derzeit hat das Unternehmen gar einen mehrwöchigen Erntestopp verhängt. Waber erklärt:

Die Tiere benötigen jetzt Zeit, um in der Aquakultur zu wachsen. Nur so können wir auch in naher Zukunft frische Shrimps in allen nachgefragten Grössen anbieten.

Vergleichswerte aus vergangenen Jahren fehlen dem Start-up. Klar ist aber, dass die Pandemie grosse finanzielle Schäden hinterlässt. Um die Auswirkungen insgesamt zu beziffern, zieht Waber Werte aus dem Budget zu. «Wir haben die angepeilte Jahrestonnage nicht einmal zur Hälfte erreicht», sagt er. «Der Jahresumsatz liegt weit unter unseren Erwartungen.» Und: «Die Auswirkungen betreffen logischerweise nun auch das laufende Jahr.» Kurzarbeit derweil war und ist für die Shrimpszucht keine Option. Die Arbeitszeit der Mitarbeitenden konnte kaum reduziert werden. Waber:

Wir konnten ja nicht einfach die Anlage abstellen und die Tiere sich selbst überlassen,

«Die grösste Herausforderung für uns als Start-up ist die Liquidität», sagt Waber. Derzeit mache sich der Verwaltungsrat Gedanken über Gegenmassnahmen, um diese sicherzustellen. Wie genau diese Massnahmen aussehen könnten, lässt Waber offen. Er hofft, dass die Gastrobetriebe ab März wieder öffnen dürfen. Ab dann sollen auch wieder Shrimps erhältlich sein.