Mittleres Fricktal

Trotz Vorschlag, ihn einzustellen: Der Bahnhof Mumpf hat eine Zukunft

Einige wollen ihn weghaben, weil er Buslinien verhindert. Das dürfte gemäss Kanton Aargau und der Gemeinde Mumpf aber ein unrealistisches Szenario sein.

Einige wollen ihn weghaben, weil er Buslinien verhindert. Das dürfte gemäss Kanton Aargau und der Gemeinde Mumpf aber ein unrealistisches Szenario sein.

In der Fusionsdebatte gibt der öffentliche Verkehr zu reden. Auch der Bahnhof in Mumpf. Einige möchten den Betrieb einstellen, was ein unrealistisches Szenario ist. Unrealistisch ist auch, dass weitere Buslinien in Betrieb genommen werden.

Der öffentliche Verkehr im mittleren Fricktal ist eine vertrackte Sache. Die einen wünschen sich mehr Bus-Verbindungen, die anderen wollen auf keinen Fall die Infrastruktur ausbauen. Die Menschen aus dem Fischingertal beispielsweise erhoffen sich eine Busverbindung von Schupfart via Eiken nach Frick und eine von Mumpf nach Stein. Die öV-Verantwortlichen des Kantons Aargau lehnen dies aber konsequent ab.

99000 Franken für den Bahnhof

Mittendrin in der Diskussion: der Bahnhof Mumpf. Für die Mumpfer selber ist er ein Standortvorteil, für den sie allerdings auch viel bezahlen. 99 000 Franken drücken die Mumpfer dem Kanton jährlich für die Zugabfahrten ab. Denn es ist der Kanton, der die Serviceleistung bei den SBB einkauft und nicht die Gemeinden selber. 180 Millionen Franken kostet dies den Kanton jährlich. An diesen Kosten beteiligt sich aber auch der Bund. Den übrig bleibenden Betrag übernimmt der Kanton zu 60 Prozent, 40 Prozent werden auf die Aargauer Gemeinden aufgeteilt.

Die Gemeinden Schupfart und Obermumpf, die keinen direkten Bahnanschluss haben, aber vom Bahnhof Mumpf profitieren, bezahlen 11 000 Franken (Schupfart) und 24 000 Franken (Obermumpf) für ihre Bus-Abfahrten. Die Summe wird nach Anzahl Abfahrten und Einwohnern berechnet. Und da Zugsabfahrten gemäss dem Gesetz über den öffentlichen Verkehr doppelt zählen, muss Mumpf mehr Geld springen lassen als die anderen Gemeinden. 1400 Abfahrten (Zug und Bus zusammen) sind es nach diesen Berechnungen in Mumpf pro Woche.

Keine freiwilligen Geschenke

Einige Mumpfer finden darum, dass doch Schupfart und Obermumpf einen Teil der Bahnhofgebühren übernehmen könnten. Diese Idee stösst aber nicht auf Akzeptanz. «Die Kostenträger für einen Bahnhof sind gesetzlich definiert. Eine ‹freiwillige› Zuwendung an den Bahnhof Mumpf kann nicht getätigt werden», sagt René Heiz, Vizeammann von Schupfart und in der Behörde zuständig für den öffentlichen Verkehr. Ähnlich klingt es aus Obermumpf. Peter Deubelbeiss von der Facharbeitsgruppe für den öffentlichen Verkehr von «Zukunft Mittleres Fricktal» sieht dies genauso: «Bei einem Steuerfuss von 125 Prozent in der Gemeinde Obermumpf bleibt nicht Geld übrig für Geschenke an andere Gemeinden.»

Lieber wollen diese beiden Gemeinden wie bereits erwähnt bessere Busanschlüsse. Mehr noch: Zusätzliche Linien werden gefordert. Doch mit dieser Forderung stösst man beim Kanton auf taube Ohren. «Das macht aus ökonomischen Gründen keinen Sinn», sagt Reto Kobi, Projektleiter öffentlicher Verkehr beim Kanton. Als Beispiel nennt er die bereits bestehende Linie Möhlin–Wallbach–Mumpf–Schupfart–Möhlin. Diese koste heute gesamthaft gegen eine Million Franken Abgeltungen pro Jahr. Nur 25 Prozent davon werden durch Ticket-Einnahmen gedeckt. Eine zusätzliche Buslinie von Mumpf nach Stein würde rasch eine halbe Million Franken kosten. Eine Investition, die sich nicht lohne, da bereits eine Zuglinie besteht. Sich für 300 000 bis 400 000 Franken jährlich bei der PostAuto AG einzukaufen, wäre die einzige Lösung für die Gemeinden, die eine zusätzliche Linie wünschen.

Einstellen ist keine Option

Aus diesem Grund hat Peter Deubelbeiss den Vorschlag angebracht, den Betrieb des Bahnhofs Mumpf einzustellen. Ein unrealistisches Szenario. Für die Gemeinde, aber auch für den Kanton. «Der Bahnhof Mumpf wird sicher nicht aufgelöst», sagt Kobi. Und Jürg Müller, Gemeindeammann von Mumpf, sagt: «Auch im Gemeinderat Mumpf ist eine Schliessung kein Thema.» Komme aber die Fusion nicht zustande, müsse mit den Nachbargemeinden bezüglich Finanzierung des Bahnhofs das Gespräch gesucht werden.

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