Oberhof

Trotz Niederlage beim Finanzausgleich gut gelaunt: «Einen Roger Fricker haut keine Niederlage um»

Roger Fricker will weiter für die kleinen Gemeinden kämpfen.

Roger Fricker will weiter für die kleinen Gemeinden kämpfen.

Oberhofs Gemeindeammann Roger Fricker spricht über seine Niederlage beim Finanzausgleich, David und Goliat und lautstarke Interventionen.

Roger Fricker, Sie sind einer der Promotoren des Referendums gegen die Neuordnung des Finanzausgleichs – und damit einer der grossen Verlierer vom Sonntag. Haben sie die Niederlage schon verdaut?

Roger Fricker: Selbstverständlich, einen Roger Fricker haut keine Niederlage um. Zumal jede Niederlage immer auch ihre positive Seite hat. In diesem Fall ist es eine Reihe von Zugeständnissen, die uns Verlierergemeinden gemacht wurden. Regierungsrat Urs Hofmann hat betont, dass er die kleinen Gemeinden nicht an die Wand fahren will. Wir werden ihn beim Wort nehmen.

Woran lag das Nein?

Es war ein Kampf zwischen Land und Stadt, zwischen David und Goliat. Und es ist leider nur in der Bibel so, dass David gewinnt. David hat sich in diesem Fall aber wacker geschlagen: Man räumte uns im Vorfeld nicht mehr als 20 bis 30 Prozent ein; in der Schlussabrechnung stimmten 42,5 Prozent Nein. Das ist ein Super-Ergebnis – und ein Auftrag an uns, die Umsetzung zu überwachen.

Fehlt die Solidarität der grossen mit den kleinen Gemeinden?

Ja, das zeigen auch andere Abstimmungen. Wir müssen aufpassen, dass der Stadt-Land-Graben nicht grösser wird.

Verbreitert die Abstimmung zum Finanzausgleich diesen Graben?

Die Gefahr besteht sicherlich. Es kommt nun ganz auf die Umsetzung an. Ich nehme das klare Nein aus dem Bezirk Laufenburg als Auftrag an mich und das Referendumskomitee, die Umsetzung mit Argusaugen zu überwachen und bei Bedarf zu intervenieren. (Lacht.) Und wer den Fricker Roger kennt, der weiss, dass er das auch lautstark tun wird.

Auf die Unterstützung der Oberhöfler können Sie dabei zählen: 91 Prozent stimmten wie Sie Nein.

Ja und das ist fantastisch. Mit einer solchen Traumquote hätte ich nie gerechnet, auch wenn ich kurz vor der Abstimmung noch ein Flugblatt verteilt habe und die Bevölkerung darin aufrief, Nein zu stimmen.

Nun ja, Sie haben im Vorfeld auch gehörig schwarzgemalt.

Nein, nein, ich habe überhaupt nicht schwarzgemalt! Ich habe die offiziellen Zahlen aus der Botschaft an den Grossrat genommen. Danach müssen 12,5 Prozent der Aargauer Gemeinden vom ersten Moment an ihren Steuerfuss auf das Maximum hochschrauben. Das kann doch nicht sein, da stimmt doch etwas mit dem Gesetz nicht. Wenn es nur einige wenige Gemeinden gewesen wären, dann hätte ich es zähneknirschend geschluckt.

Was sagen Sie den 22 Personen im Dorf, die Ja zum Finanzausgleich gestimmt haben?

(Lacht.) Es darf jeder seine Meinung haben. Das ist Demokratie.

Sie sagten im Vorfeld: Ein Ja wäre gravierend für Oberhof. Jetzt ist das Ja da. Geht Oberhof nun den Bach runter?

Nein, das natürlich nicht. Aber es wird finanziell deutlich enger und wir müssen den Steuerfuss sicher erhöhen, ich schätze um fünf auf künftig 125 Prozent. Einen Lichtblick bietet eine neue Erschliessung im Dorf, die uns ein gewisses Wachstum und damit Steuereinnahmen bringen wird.

Kann Oberhof alleine weiterleben?

Wenn es die Bevölkerung will, ja. Das zeigen andere Beispiele wie etwa Schwaderloch, das seit Jahren einen Steuerfuss von 126 Prozent hat. Ich wehre mich dagegen, dass aus dem Ja nun ein Fusionszwang abgeleitet wird.

Aber zum Thema wird eine Fusion?

Ein Thema wird es dann, wenn wir die Ämter nicht mehr besetzen können. In Oberhof haben wir damit bislang keine Probleme. Zudem haben die Gewinner klar gesagt, dass man die Gemeinden nicht künstlich unter Druck setzen will. Wer fusionieren will, soll es; wer nicht, muss nicht. Ich werde die Abstimmungssieger beim Wort nehmen.

Im Abstimmungskampf tönte es noch anders. Sie malten Fusionen an den Aargauer Himmel. Haben Sie übertrieben?

Sicher nicht. Dank dem Referendum müssten die Befürworter Zugeständnisse bei der Umsetzung machen. Wäre das Gesetz schlank durchgekommen, hätte die Regierung machen können, was sie will. Dann hätte sie den Druck auf kleine Gemeinden erhöht. Garantiert!

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