Wegenstetten

Trotz Leinenpflicht: Rehgeiss und Kitz von Hund gerissen

Ein Rehkitz wurde Opfer einer Hundeattacke im Wald. (Archiv)

Ein Rehkitz wurde Opfer einer Hundeattacke im Wald. (Archiv)

Gleich zwei tote Rehe fanden Jäger in den letzten Tagen im Wegenstetter Wald – beide wurden von einem Hund gerissen.

Wie die Gemeindeverwaltung in einer Mitteilung schreibt, datiert der erste Fund bereits vom letzten Donnerstag. Lukas Gisiger, Jäger und Gemeinderat in Wegenstetten, war auf der Wegenstetter Fluh unterwegs, als er eine tote Rehgeiss entdeckte. «Sie lag direkt an einer Wegkreuzung, die oft frequentiert wird», so Gisiger gegenüber der AZ. Anhand der Bissspuren ist für den Jäger klar: Die Rehgeiss wurde von einem Hund gerissen.

Nur einen Tag später entdeckte der Wegenstetter Jagdaufseher Kurt Reinle nahe einem Waldweg «ob der Grotte» ein Rehkitz. Das Jungtier lebte zwar noch, hatte aber so starke Bissverletzungen, dass es von seinen Qualen erlöst werden musste. «Es war deutlich erkennbar, dass es sich nicht um einen Luchsriss handelt», so Reinle. «Es muss von einem Hund gerissen worden sein.»

Beide Jäger sind sich einig, dass die gerissene Rehgeiss nicht die Mutter des gefundenen Kitzes ist. «Dafür sind die beiden Fundorte zu weit voneinander entfernt», so Gisiger. Luftlinie seien es etwa 700 bis 800 Meter und hinzu komme noch die Höhendifferenz. Das bedeutet jedoch auch, dass mindestens ein weiteres Kitz gestorben sein dürfte. «Die tote Rehgeiss hatte wohl bereits mindestens ein Kitz zur Welt gebracht», so Reinle, «dieses hat ohne die Muttermilch keine Überlebenschancen.» Gefunden habe man das tote Tier allerdings noch nicht, ergänzt Gisiger. Das sei auch schwierig, da die Rehgeissen ihre Kitze an versteckten Orten setzen.

Derzeit gilt Leinenpflicht

Von Mitte Mai bis Mitte Juni dauert die Setzzeit bei den Rehen. Zumeist werden die jungen Kitze einige Tage im hohen Gras belassen und von der Rehgeiss beaufsichtigt. Für den Rehnachwuchs sei es von lebensnotwendiger Wichtigkeit, die ersten Tage stressfrei zu überstehen, betonen die Jäger. Nach diesen beiden Vorfällen appelliert die Jagdgesellschaft Wegenstetten deshalb an die Hundehalter, sich an die gesetzlichen Vorgaben zu halten, damit es künftig nicht mehr zu Hunderissen kommt. In der Verordnung zum Jagdgesetz des Kantons Aargau heisst es: «Hunde sind im Wald und am Waldrand vom 1. April bis 31. Juli an der Leine zu führen.» Bislang, so Reinle, sei es dieses Jahr ruhig gewesen und es seien keine Meldungen über frei laufende Hunde eingegangen.

Keine DNA-Probe genommen

Die Hunderisse in Wegenstetten sind kein Einzelfall. In den letzten Wochen und Monaten wurden etwa Fälle in Umiken, Rekingen und Buchs bekannt (die AZ berichtete). «Seit 2011 wurden pro Jahr zwischen 40 und 80 Hunderisse im Kanton Aargau gemeldet», sagt Reto Fischer von der kantonalen Sektion für Jagd und Fischerei. Durchschnittlich seien es 61 gewesen. Vor Einführung der Hundeleinenpflicht lag die Zahl sogar noch deutlich höher: «Zwischen 2000 und 2010 betrug der Durchschnitt knapp 100 gerissene Rehe», so Fischer.

Laut Fischer könnten Jagdaufseher oder Kantonspolizei bei frischen Kadavern DNA-Proben nehmen und sie im Labor analysieren lassen. «Damit lässt sich aber bei einer guten Probe nur die Tierart ermitteln.» Bei einem begründeten Verdacht könnte die DNA dann mit jener eines Hundes verglichen werden, um eine Strafverfolgung zu initiieren. In Wegenstetten wurde keine DNA-Probe genommen. Der Kadaver sei nicht mehr frisch gewesen und andere Tiere hätten sich bereits daran zu schaffen gemacht, begründet Gisiger. Man werde die Fälle aber gleichwohl der Kantonspolizei melden.

Wer Hunde wildern lässt, kann gemäss dem Bundesgesetz über die Jagd mit einer Busse bis zu 20'000 Franken bestraft werden. Bei der Kantonspolizei weiss man aber aus Erfahrung, dass die Ermittlungen in solchen Fällen schwierig sind, wie Sprecherin Barbara Breitschmid sagt – vor allem dann, wenn keine Hunde am Tatort gesehen wurden.

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