Frick
Trotz klarem Nein in 2012: Kommt Tempo 30 doch noch durch die Hintertüre?

Anwohner sind für eine Tempo-30-Zone – unter der Bedingung, dass die sieben Engstellen entfernt werden

Thomas Wehrli
Merken
Drucken
Teilen
Weitere Tempo-30-Zonen in Frick geplant

Weitere Tempo-30-Zonen in Frick geplant

Das Votum der Fricker Stimmbevölkerung war glasklar: 857:360. Eine deutliche Mehrheit sprach sich im September 2012 bei einer Referendumsabstimmung gegen die Einführung von Tempo 30 im Gebiet Rain/Gänsacker aus, einem Gebiet, das von den Schulanlagen im Ebnet über den Rain und das Schwimmbad bis hin zum Kreisel im Oberdorf reichte. Das Lager der Gegner hatte zwei Flügel: Die einen waren generell gegen Tempo 30 in diesem Gebiet; den anderen waren die baulichen Begleitmassnahmen ein Dorn im Auge, vor allem die Einengungen.

Nur: Sieben solcher mit Bäumen bepflanzten Ausbuchtungen am Gänsacker und am Königsweg waren 2010 bei der Sanierung der beiden Strassen bereits erstellt worden – zur Verkehrsberuhigung und im Hinblick auf die ja bereits angedachte Tempo-30-Zone im Quartier. Sie blieben, trotz Volksnein zu Tempo 30, bestehen – und sorgen seither immer wieder für Ärger und Unmut bei Anwohnern und Automobilisten. Gerade auch an Markttagen, denn da muss der Verkehr wegen der Engstellen im Einbahnregime geführt werden. Für etliche Anwohner heisst das: Wenn Markt ist, müssen sie mit der Kirche um das Dorf.

«Wille des Quartiers»

Die gute Nachricht für die «Ich mag die Buchten nicht»-Fraktion: Zwei der Buchten am Gänsacker kommen nun samt Bäumen wieder weg, da auf beiden Seiten der Strasse neue Mehrfamilienhäuser erstellt wurden und die Bäume mit den Ausfahrten nicht kompatibel sind. Bauverwalter Harri Widmer bestätigte letzte Woche eine entsprechende Recherche der az. Er sagte zudem: Tempo 30 bleibe unter dem Titel «Sicherheit für den Langsamverkehr» zwar ein Thema, ein aktuelles Projekt gebe es allerdings nicht.

Die az weiss: Das stimmt so nicht ganz. In einem Gebiet, das rund einen Drittel des Rayons umfasst, über den die Bevölkerung 2012 abgestimmt hat (siehe Karte), will der Gemeinderat Tempo 30 einführen – und zwar nicht in ferner Zukunft, sondern in den nächsten sechs Monaten.

Da stellt sich die Frage: Missachtet der Gemeinderat damit nicht den Volkswillen und führt Tempo 30 durch die Hintertüre ein? «Aber sicher doch», findet Vreni Grenacher, die im künftigen Tempo-30-Quartier wohnt. «Wenn der Gemeinderat am Schluss macht, was er will, müssen wir künftig gar nicht erst darüber abstimmen.»

Anders sieht es Gemeindeammann Daniel Suter. Die Tempo-30-Zone entspreche ja genau dem Willen des Quartiers und er verweist auf eine Umfrage, die der Gemeinderat im Juli im Quartier durchgeführt hat. Insgesamt beteiligten sich 195 Personen an der Umfrage. Es waren Mehrfachnennungen möglich, zum Beispiel, ob man Tempo 50 mit oder ohne verkehrsberuhigende Massnahmen wünscht. 92 Stimmen entfielen gesamthaft auf die Beibehaltung von Tempo 50, 128 wollen Tempo 30.

Eine klare Mehrheit der Befragten (78 bei Tempo 50, 95 bei Tempo 30) knüpft an die Temporeduktion allerdings eine klare Bedingung: Sie wollen sie ohne verkehrsberuhigende Massnahmen, mehr noch: Auch die bestehenden Engstellen müssen weg. «Und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt, wenn die beiden Buchten am Gänsacker wegen der neuen Liegenschaften entfernt werden», sagt Grenacher, die zusammen mit anderen vor vier Jahren die «IG Gänsacker» gegründet hat.

Grenacher selber hält zwar von Tempo 30 nach wie vor nicht viel, fügt sich allerdings der Mehrheit im Quartier – «unter der Bedingung, dass sich auch der Gemeinderat an die Abmachung hält und das Ergebnis der Umfrage 1:1 umsetzt». Oder eben: Dass er alle sieben Bäume fällt und die beiden Poller entfernt, die auf das Trottoir am Königsweg gesetzt wurden, damit die Autofahrer den Engstellen nicht via Trottoir ausweichen. Das Problem: «Nun kommt man mit einem Kinderwagen kaum durch», so Grenacher.

Fehler im Schreiben

Eines ärgert Grenacher zusätzlich: Der Brief des Gemeinderates mit der Auswertung stimmt in mehreren Punkten nicht mit dem Fragebogen überein. So wurde aus der Frage, ob man eine Tempo-30-Zone mit verkehrsberuhigenden Massnahmen wolle, in der Antwort eine Tempo-30-Zone ohne Massnahmen.

«Es haben sich im Schreiben Fehler eingeschlichen», räumt Suter ein. «Das ist sehr unglücklich. Wir werden aber bei der Ausführung des Projektes den Beweis erbringen, dass wir das Ergebnis der Umfrage umsetzen.» Dann kommen also sämtliche Engstellen weg? Suter bleibt vage. «Ich kann es mir sehr gut vorstellen, will aber dem Projekt nicht vorgreifen.» Eine Tempo-30-Zone brauche minimale verkehrsberuhigende Massnahmen wie Eingangspforten oder Markierungen am Boden. «Wie die Massnahmen in diesem Fall aussehen sollen, werden wir nun definieren.» Als Nächstes werde deshalb das Verkehrskonzept überarbeitet und dann ein entsprechendes Baugesuch aufgelegt.

Die nächsten Schritte des Gemeinderates will die «IG Gänsacker» genau verfolgen. Eine Salamitaktik, dass nun also zwei Engstellen wegen der Neubauten entfernt werden, die anderen fünf aber (vorerst) bestehen bleiben, wird die IG nicht schlucken. «Wenn das Baugesuch nur die Beseitigung von zwei Buchten vorsieht, werden wir Einsprache machen.» Fortsetzung folgt.