Kaiseraugst

Trotz Falkner lärmen die Krähen weiter

Ben Gregor-Smith und seine zwei Wüstenbussarde sind bisher zwei Mal in Kaiseraugst zum Einsatz gekommen.

Ben Gregor-Smith und seine zwei Wüstenbussarde sind bisher zwei Mal in Kaiseraugst zum Einsatz gekommen.

Die Vertreibung der «Liebrüti»-Krähen verlief bisher durchwachsen – ein neuer Raubvogel soll weiterhelfen.

Seit dem Frühjahr liegen die Nerven bei einigen Bewohnern in den Liebrüti-Hochhäusern blank. So haben sich in den Baumkronen im Quartier Hunderte von Krähen angesiedelt, die mit ihrem nächtlichen Gekrächze so manchen Bewohner um den Schlaf bringen. Darüber haben die Betroffenen nicht nur in den sozialen Medien ihrem Unmut Luft gemacht. Sie forderten den Gemeinderat auf, endlich etwas gegen den tierischen Lärm zu unternehmen.

Seit Anfang August – dem Ende der Krähen-Schonzeit – hat der Gemeinderat eine Reihe von Massnahmen in Auftrag gegeben. Laut Jagdaufseher Amadé Franzen hat die Jagdgesellschaft auf Feldern in Augst, Giebenach, Füllinsdorf und Kaiseraugst bisher rund 80 Krähen abgeschossen. Zudem hat Ben Gregor-Smith zwei Mal mit seinen Wüstenbussarden im Quartier aufgeschlagen, um die Krähen zu vergrämen.

«Uns liegen keine exakten Zahlen vor. Es scheint, dass sich die Krähen auf verschiedene Standorte verteilt haben und somit die Lärmbelästigung punktuell rückläufig ist», zieht Gemeindepräsidentin Françoise Moser eine erste Bilanz. Die Rückmeldungen aus dem Quartier seien sehr unterschiedlich ausgefallen. So haben sich einige Anwohner für die Beruhigung bedankt, während andererseits dem Gemeinderat auch Schreiben vorliegen, in denen gefordert wird, dass dieser «endlich durchgreifen muss».

Feuerwehr soll Nester entfernen

Klar ist für Moser, dass die Vögel ihren Lebensraum im Quartier Liebrüti nicht so einfach aufgeben werden. «Es ist auch weiterhin mit Vogellärm zu rechnen – jedoch in einem etwas geringerem Ausmass», sagt sie. Die Gemeinde wird nach den Herbstferien gemeinsam mit der Feuerwehr diskutieren, ob es möglich ist, die restlichen Nester aus den Bäumen zu entfernen. Auch wenn diese Massnahme nach Rücksprache mit Tierschutz-Experten die Tiere nicht davon abhalten wird, erneut Nester zu bauen, so Moser.

Weitere Abschüsse durch die Jagdgesellschaft seien derzeit nicht geplant. Hingegen wolle man weiter auf Ben Gregor-Smith und seine Raubvögel zurückgreifen. War dieser bisher mit seinen zwei Wüstenbussarden im Einsatz, trainiert er nun gerade seinen neu erworbenen Falken, um mit diesem die Krähen aus dem Quartier Liebrüti zu verjagen. «Ein Falke hat für eine Krähe ein extremes Bedrohungspotenzial», sagt Gregor-Smith. Dies läge unter anderem daran, dass der Falke – im Gegensatz zu seinen Bussarden – in grosser Höhe über den Krähen kreise.

Neben dem Bedrohungsfaktor sei entscheidend, dass die Raubvögel möglichst regelmässig im Revier fliegen. So soll der Eindruck entstehen, dass die Raubvögel permanent in der Siedlung leben. «Die Krähen werden immer wieder zurückkehren, sobald sie die Raubvögel aber sehen, gehen sie wieder», sagt Smith, der bereits als Falkner in England und der Schweiz erfolgreich gearbeitet hat. «So viele Krähen auf einem Haufen wie in Kaiseraugst habe ich selten gesehen», sagt er.

Für das nächste Jahr hat der Gemeinderat vorsorglich einen Betrag budgetiert, um weiterhin Vergrämungseinsätze mit Gregor-Smith oder allenfalls mit Drohnen durchzuführen. «Wir werden die Entwicklung im Quartier kontinuierlich beobachten und situativ entscheiden, welche Massnahmen wir einsetzen werden», so Moser.

Autor

Dennis Kalt

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