Frick
Trotz Anpassung: Gelenkbusse können am Bahnhof kaum wenden

Dank baulichen Massnahmen können Gelenkbusse am Bahnhof wenden. Die optimale Lösung ist das nicht.

Thomas Wehrli
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Gemeinderat Thomas Stöckli beim heutigen Busterminal, bevor es baulich an die Gelenkbusse angepasst wurde. twe

Gemeinderat Thomas Stöckli beim heutigen Busterminal, bevor es baulich an die Gelenkbusse angepasst wurde. twe

Thomas Wehrli

Seit einem halben Jahr sind auf der Staffelegg-Linie von Frick nach Aarau Gelenkbusse im Einsatz. Bei der Postauto Schweiz AG ist man «sehr zufrieden», wie Mediensprecher Urs Bloch auf Anfrage der az sagt. «Zu den Hauptverkehrszeiten und bei Gruppenreisen müssen wir weniger Zusatzfahrzeuge einsetzen.» Zudem sind die Passagierzahlen im ersten halben Jahr um fast zehn Prozent gestiegen (siehe Box).

Trotz gutem Start: Optimal ist die Lösung am Bahnhof Frick bei weitem nicht, denn der Busbahnhof eignet sich für Gelenkbusse nicht wirklich. Um auf ihren Standplatz zu gelangen, müssen die 18 Meter langen Busse halb über die Wartezone beim Fussgängerstreifen fahren und sich – einer Banane gleich – gekrümmt hinstellen, um überhaupt wenden zu können. Da nur ein Gelenkbus gleichzeitig halten kann, müssen die Passagiere von und nach Laufenburg in Frick umsteigen. «Das Umsteigen in Frick wird als unangenehm empfunden», weiss Bloch.

Deutliche Worte für die aktuelle Situation findet der Fricker Gemeinderat Thomas Stöckli: «Es ist ein absoluter Murks und keine Werbung für den öffentlichen Verkehr.» Für Stöckli ist klar: «Es gibt nur eine Lösung: Es braucht einen neuen Busbahnhof.» Zum einen, weil bis 2023 das Behindertengleichstellungsgesetz umgesetzt sein muss – «und das ist am heutigen Standort nicht möglich». Zum anderen «leben wir im 21. Jahrhundert, und da darf man vom öffentlichen Verkehr auch einen gewissen Komfort erwarten». Stöckli schüttelt den Kopf. «Man kann den Leuten nicht dauernd sagen: ‹Benutzt den öV›, aber dann nichts machen.»

«Grosser Handlungsbedarf»

Wo der neue Busbahnhof entstehen soll, ist für Stöckli klar: Im Nordwesten des Bahnhofs, dort, wo heute der Holzverlad der SBB und ein Teil der P+R-Anlage sind. Den Holzverlad brauche es kaum mehr, so Stöckli, das zeige sich gerade jetzt, nutze die SBB die Verladestation doch seit Monaten als Platz für ihr temporäres Baubüro. Für die wegfallenden Parkplätze plant die Gemeinde eine neue P+R-Anlage auf der Nordseite des Bahnhofes.

Grossen Handlungsbedarf für ein neues Busterminal ortet man auch beim Kanton. «Die dringend benötigte Kapazität für weitere Gelenkbusse hätten wir lieber schon gestern als morgen», sagt Marco Lombardi vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Er weiss, dass eine Lösung mit einer Kapazitätserweiterung am heutigen Standort «kaum möglich ist», tempiert aber die Hoffnung auf eine schnelle Lösung sogleich wieder ab: Busterminalprojekte bei den Bahnhöfen seien komplex, da viele Interessen und Nutzungskonflikte aufeinandertreffen.

In Frick ist ein Pièce de résistance der Holzverlad. Laut Lombardi ist dieser «nach wie vor ein offizieller Bedienpunkt, der genutzt wird». Das heisst: «Die Aufhebung des Holzverlads bedingt einen Ersatz innerhalb des Bahnhofs Frick oder in der engeren Region.» Derzeit laufen laut Lombardi die Abklärungen mit den SBB; die eigentlichen Verhandlungen folgen danach. «Ein erster Meilenstein wird erreicht sein, wenn wir uns mit den SBB auf eine Alternative verständigen können», so Lombardi, also auf eine Ersatzlösung für den Holzverlad und die P+R-Anlage. Einer von mehreren kniffligen Punkten dabei: die Finanzierung der Ersatzanlagen.

Klar ist bei dieser Ausgangslage: Bis ein neues Busterminal in Betrieb geht, werden Jahre ins Land ziehen. Stöckli nimmt es gelassen. «Ich habe in der Politik gelernt: Hauptsache die Richtung stimmt. Dann erreicht man das Ziel auch. Früher oder später.» In diesem Fall, so Stöckli, werde es wohl eher etwas später sein.

Das Behindertengleichstellungsgesetz räumt eine Frist bis 2023 ein, bis die Busterminals angepasst sein müssen. Ob man diese Frist bei allen Terminals einhalten kann, kann Lombardi nicht sagen. «Es ist unser Ziel, die Behindertengerechtigkeit der wichtigen Busterminals an Bahnhöfen innerhalb dieser Frist zu erreichen.» Stöckli hofft, nein: erwartet, dass der Busbahnhof in Frick darunter ist. «Frick ist eine wichtige Verkehrsdrehscheibe. Der heutige Busbahnhof wird dem nicht gerecht.»