Rheinfelden
Treppe für Fische funktioniert stufenlos

Der Fischereiverein Bezirk Rheinfelden ist zufrieden. Drei Monate nach Inbetriebnahme der Fischtreppe am Rheinkraftwerk steht fest: Die Anlage funktioniert.

Hans Christof Wagner
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Werner Wittenwiler, Marcel Braun und Rolf Bürgi (v.l.) beim Zählbecken der Fischtreppe am Rheinkraftwerk.

Werner Wittenwiler, Marcel Braun und Rolf Bürgi (v.l.) beim Zählbecken der Fischtreppe am Rheinkraftwerk.

Hans Christof Wagner

Gebannt schauen Rolf Bürgi, Werner Wittenwiler und Marcel Braun nach unten. Immer weiter senkt sich das Wasser ab, bis nur noch wenige Zentimeter in einer Mulde stehen bleiben. Die Spannung steigt. Was wird heute drin sein? Und wie viele Fische? Mit nur noch fingerbreit Wasser im Becken wird der heutige «Fang» augenfällig: Drei junge Barben und ein Flussbarsch – keine Sensation, aber Beweis genug, dass die Tiere die Fischtreppe annehmen. Bürgi ist ganz begeistert. «Das sind aber vitale Burschen, tipptopp in der Kondition», sagt er und beobachtet, wie die Barben versuchen, aus der Mulde herauszuspringen. Aber bevor sie in die Freiheit entlassen werden, gilt es, sie genau zu zählen und ihre Länge zu messen.

Bisher zwei Lachse gezählt

Im ersten Vierteljahr Betrieb haben die Rheinfelder Fischer an der Anlage 550 Fische registriert. Und es gibt ja noch die Aufstiegshilfe auf deutscher Seite, wo der Fischereiverein Karsau die Zählstelle unter sich hat. Über 1000 Fische sind es dort allein im Juni gewesen. Und was Jochen Ulrich, Leiter Ökologie und Werkdienst bei der Energiedienst AG, noch mehr freut: Es stimmt auch die Qualität der Fische. «Von 26 am Hochrhein insgesamt heimischen Arten haben wir in der Anlage 25 schon gezählt», berichtet er. Darunter waren, was die grösste Aufmerksamkeit einbrachte, auch zwei Lachse.

In die Schweizer Anlage ist bisher kein Lachs eingeschwommen. Stattdessen sind es Arten wie Barbe, Döbel, Äsche, Rotauge, Brachse, Forelle, Hecht und Zander. In den drei Monaten Betrieb haben die Fischer schon viel über das Wanderverhalten der Tiere herausgefunden. Dass bei Hochwasser mehr los ist. Dass mehr Fischleiber im Zählbecken zappeln, wenn das Wasser trüb statt klar ist. Mal können die ehrenamtlichen Helfer die Fische an einer Hand abzählen.

Mal sind es so viele, dass die tägliche Prozedur, die der Fischereiverein im Auftrag der Energiedienst AG vollführt, Stunden dauert. An einem Tag waren es 117 auf einen Schlag. Und auch die Beschaffenheit der Fische schwankt – vom kaum sichtbaren Winzling bis zur 75-Zentimeter-Barbe, allesamt müssen sie die rund 180 Meter lange Treppe benutzen, die aus 60 aneinandergereihten Betonbecken besteht. Sie überwindet die acht Meter Höhendifferenz zwischen dem Ober- und dem Unterlauf des Rheins am Kraftwerk.

Einen Lachs im Wasser gesehen

Zwar ist offiziell noch kein Lachs auf Schweizer Seite gezählt worden. Aber Mitglieder des Fischereivereins Bezirk Rheinfelden wollen einen gesehen haben – mitten im Fluss, unterhalb des Kraftwerks. Vizepräsident Rolf Bürgi zweifelt nicht an der Richtigkeit ihrer Beobachtung. Für ihn steht ohnehin fest: Lange kann es nicht mehr dauern, bis ein Exemplar auch im Zählbecken der Schweizer Fischtreppe auftaucht.

Schliesslich hat er selbst Tausende von Junglachsen im Möhlinbach und Etzgerbach ausgesetzt. Diese wandern ins Meer und kehren nach Jahren in ihre Herkunftsgewässer zurück, um zu laichen. Um ihnen die Reise zu erleichtern, gibt es Fischtreppen. Noch reihen sich am Oberrhein, entlang der deutsch-französischen Grenze, viele noch unüberwindliche Kraftwerke aneinander. Bürgi: «Solange das so ist, bleiben Lachsfunde am Hochrhein leider noch die Ausnahme.»

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