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«Traurige Nachricht»: Storch Camino ist in Spanien umgekommen

Storch Camino, hier als Jungvogel auf dem «Adler» in Kaiseraugst.

Storch Camino, hier als Jungvogel auf dem «Adler» in Kaiseraugst.

Urs Wullschleger schwante Schlimmes, als er im Januar nur noch sporadisch ein Signal von Camino im Netz sichtete. Camino, der berühmte Storch vom Kaiseraugster «Adler», ist beim Anflug auf eine Stromleitung ums Leben gekommen.

Er war eine kleine Berühmtheit: Camino, der Storch vom «Adler»-Horst in Kaiseraugst. Dank einem Sender, den er als Nestling mit sieben Wochen umgehängt bekam, konnte jeder im Internet die Flugbewegungen des inzwischen knapp dreijährigen Storches nachverfolgen, konnte sehen, wo er gerade ist, wann er in den Sünden zieht und wann er zurück in seine Heimat fliegt.

In diesem Frühling wird der «Adler»- Storch nicht in die Nordwestschweiz zurückkehren, wo er jeweils den Sommer verbracht hat. Camino ist tot. Dies vermeldet «SOS Storch – Storchenzug im Wandel» auf ihrer Website. Laut dem Eintrag ist Camino beim Anflug an eine Hochspannungsleitung nahe dem Segrefluss verunglückt. Der Unglücksort liegt rund acht Kilometer von der Mülldeponie Montoliu im spanischen Lerida entfernt – einer der absoluten Lieblingsorte von Camino, wie der Blick auf die Karte zeigt. In der Region rund um das katalanische Lerida verbrachte Camino jeweils die Wintermonate; die Deponie nutzte er, wie viele Artgenossen, als Futterquelle. Umgekommen ist er am 9. Januar gegen 14.35 Uhr, wie das Auslesen des Senders jetzt gezeigt hat.

«Traurige Nachricht»

Urs Wullschleger, dem Storchenvater von Kaiseraugst, schwante Schlimmes, als er im Januar nur noch sporadisch ein Signal von Camino im Netz sichtete. Er rief deshalb bei den Projektverantwortlichen an, machte sie darauf aufmerksam, dass das Signal grösstenteils ausblieb. Die Verantwortlichen schickten daraufhin jemanden vor Ort los. Er fand Camino. Tot. «Leider kommen recht viele Störche in Spanien beim Anflug auf Stromleitungen um», weiss Wullschleger. Es reiche, wenn sie mit dem Flügel die Leitung berühren.

Wullschleger, der gleich vis-à-vis vom «Adler» wohnt und Camino so aufwachsen sah, hat die Meldung traurig gestimmt. «Auch im Dorf ist die Todesnachricht mit grossem Bedauern aufgenommen worden», weiss Wullschleger aus Gesprächen.

Er selber hat Camino seit dessen Kindheit nicht mehr gesehen. Camino verbrachte die letzten beiden Sommer im Elsass sowie rund um Pruntrut. Hier, im Kanton Jura, hat er im letzten Jahr zusammen mit seiner Storchenpartnerin auf einem Kran genistet und schaffte es sogar ins Schweizer Fernsehen. Als Wullschleger davon erfuhr, fuhr er nach Pruntrut, um Camino zu besuchen. «Leider war er aber schon ausgeflogen», sagt Wullschleger.

Angeflogen sind in Kaiseraugst bereits die ersten Störche. Fünf seien schon aus dem Winterquartier zurück, sagt Wullschleger, der gerade von einer Storchentour durchs Dorf zurückgekehrt ist. Die Störche sind damit «im Zeitplan». Insgesamt nisteten letztes Jahr acht Pärchen in Kaiseraugst. Sie hatten 15 Jungtiere.

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Autor

Thomas Wehrli

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