Möhlin

Traditionsfirma Rohrer AG steht vor der Aufspaltung – doch für die 60 Mitarbeiter besteht Hoffnung

Das Traditionsunternehmen Rohrer aus Möhlin könnte aufgespaltet werden.

Die Möhliner Traditionsfirma ist in der Nachlassstundung. Die einzelnen Unternehmensteile stossen bei Investoren allerdings auf grosses Interesse.

1962 wurde die Rohrer AG gegründet, 2017 hat das Unternehmen, das weltweit im Werkzeug- und im Maschinenbau tätig ist, seine vorherigen Standorte in Möhlin und Rheinfelden im Möhliner Bata-Park zusammengelegt. Damals waren die Verantwortlichen zuversichtlich, mit ihrem Know-how, ihrer Technologie und ihren Innovationen im Bereich von Verpackungen für die Lebensmittel- und Medizinbranche auch weiterhin erfolgreich zu sein.

Tatsächlich holte das Unternehmen in der Folge Preise – etwa 2018 den World Packaging Award für einen Multi-Chamber Blister. Dieses innovative Verpackungs- und Dispensions-System ermöglicht eine sichere Verpackung von empfindlichen Wirkstoffen, wie es auf der Firmen-Website heisst.

Seit dem 23. September stehen die Maschinen in Möhlin allerdings still. Bereits am 12. September gewährte das Bezirksgericht Rheinfelden die provisorische Nachlassstundung und setzte mit der Kanzlei Baur Hürlimann Rechtsanwälte aus Zürich eine Kanzlei als Sachwalter ein, die auf Sanierungs- und Restrukturierungsfälle spezialisiert ist. Mittlerweile hat das Bezirksgericht Rheinfelden einer Verlängerung der Nachlassstundung zugestimmt, wie das Regionaljournal Aargau Solothurn von Radio SRF vermeldete.

Für beide Firmenteile liegen Angebote vor

Auf Anfrage der AZ macht Sachwalter Georg J. Wohl den rund 60 betroffenen Mitarbeitern zumindest teilweise Hoffnung. Die beiden Unternehmensteile Werkzeug- und Maschinenbau sollen aufgetrennt werden. «Die einzelnen Teile stossen auf grosses Interesse bei den Investoren. Es liegen für beide schon konkrete Angebote vor», so Wohl.

Es handle sich dabei vor allem um ausländische Interessenten, erklärt der Sachwalter weiter. «Aber alle haben Interesse daran, den Produktionsstandort in der Region zu behalten.»

Auch das gute Team und das Know-how der Firma seien «von grossem Wert». Deshalb sieht Wohl auch gute Chancen, dass ein Grossteil der Arbeitsplätze in Möhlin oder in der Region erhalten werden können. «Ich hoffe, dass wir die Gespräche bereits in der nächsten Woche zu einem Abschluss bringen können», so der Sachwalter.

Dass die Rohrer AG überhaupt in finanzielle Schieflage und Zahlungsschwierigkeiten geraten sei, erklärt Wohl damit, dass die Entwicklung neuartiger Maschinen und Technologien sehr kostenintensiv sei. Trotz der gewonnenen Preise seien «einige innovative Projekte nicht so rasch in die serielle Produktionsphase übergegangen, wie erhofft».

Fehlende Umsätze hätten dann in den vergangenen Monaten zu Zahlungsschwierigkeiten geführt, welche die Firma nicht mehr aus eigener Kraft habe überbrücken können. Von der Rohrer AG selber war gestern niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Der Möhliner Gemeindeammann Fredy Böni zeigte sich überrascht, dass sich das Traditionsunternehmen in Schieflage befindet. Er hoffe nun, dass die Nachlassstundung zu einem möglichst positiven Ergebnis komme und möglichst viele Mitarbeiter ihre Stelle behalten könnten, sagt er.

Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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