Möhlin

Traditionsbetrieb Schuhhaus Frank schliesst – sechs Mitarbeiter betroffen

Von der Schliessung sind auch insgesamt drei Mitarbeiter der Filiale an der Fricker Hauptstrasse betroffen. Bild: Dennis Kalt

Von der Schliessung sind auch insgesamt drei Mitarbeiter der Filiale an der Fricker Hauptstrasse betroffen. Bild: Dennis Kalt

Der fehlende Umsatz zwingt das Möhliner Schuhhaus Frank in die Knie. Im Fricktal sind sechs Mitarbeiter betroffen.

Im Frühjahr 2020 schliessen die Schuhhäuser Frank in Möhlin, Frick und Sissach sowie das Schuhhaus Storchen in Aarau ihre Türen. Obwohl die Schuhhandlung, die im Jahr 1925 in Möhlin gegründet wurde, finanziell auf stabilem Fundament steht, sei dieser Schritt wegen des Strukturwandels mit ausbleibender Kundschaft und erodierenden Umsätzen unvermeidlich, heisst es in einer Mitteilung. Der geordnete Rückzug habe für die Familie Frank höchste Priorität, heisst es in der Mitteilung weiter.

«Die zwölf Mitarbeiterinnen an den vier Standorten sind bereits informiert», sagt Nicole Frank, die seit 2012 gemeinsam mit ihrem Bruder Oliver die Ladenkette in dritter Generation führt. Besonders wegen des langjährigen Personals sei der Entscheid äusserst schwergefallen, ergänzt Nicole Frank. Auch sie selbst und ihr Bruder müssten sich nun beruflich neu orientieren. Die Eltern haben sich aus dem operativen Betrieb zurückgezogen, sind aber im Hintergrund noch beratend tätig.

Ernst Frank, der zusammen mit seiner Frau vor sieben Jahren das Geschäft an Tochter und Sohn übergeben hat, sagt: «Auch wenn sehr viel Leidenschaft in unserem Geschäft steckt, haben wir jetzt den Mut aufzuhören.»

Kaum Unterstützung von den Lieferanten

Seit Jahren beobachten die Franks sinkende Umsätze bei unveränderten Kosten. Der Frank-Schuh habe sich einen Namen gemacht, die Läden seien bekannt für die ausgezeichnete Beratung. Man verfüge über eine stabile Stammkundschaft, bei der mehr die Qualität statt der Preis entscheide, so Oliver Frank, der jedoch nachschiebt: «Aber die treuen Kunden kommen ins Alter. Die Nachfolgegeneration fehlt einfach.»

Der Onlinehandel überrolle das klassische Ladengeschäft. Beim Etablieren von neuen Absatzkanälen und Verkaufsinstrumenten werde man von den Lieferanten kaum unterstützt. Dadurch, dass Hersteller vor allem sehr angesagte Produkte gar nicht mehr an kleinere Firmen lieferten, würden deren Marktchancen weiter torpediert.

Noch 2013 glaubte die Familie Frank daran, den Umschwung zu schaffen. Mit der Eröffnung einer zusätzlichen Verkaufsfiliale in Rheinfelden sollte das Einzugsgebiet vergrössert und die Verwaltungs- und Betriebskosten sollten auf mehr Standorte verteilt werden. Doch auch die Expansion führte nicht zum Erfolg. 2017 wurden die Filiale in Brugg und auch der Standort Rheinfelden geschlossen.

Die Sortimentgestaltung und Einkaufsstrategie betreibe man geschickt. Man beklage kein überlaufendes Lager, die Margen und Kosten habe man im Griff. In den Schaufenstern würden Schuhmodelle ausgestellt, die im Trend lägen. Und auch die Betriebsinfrastruktur, etwa die IT, sei auf dem neusten Stand, schreibt das Unternehmen in der Mitteilung. «Doch das umsichtigste Geschäftsverhalten verpufft, wenn man die Kundenfrequenz und das nötige Umsatzvolumen nicht mehr generiert», sagt Nicole Frank.

Die Schuhhändler sind überzeugt, in den vergangenen Jahren alles Menschenmögliche zur Erhaltung ihres Lebenswerks unternommen zu haben. Natürlich hätte die Familie auch den Verkauf der Firma erwogen. Da die Mitbewerber aber mit den gleichen Problemen wie die Franks kämpften, beschäftigten sich diese aber primär mit dem eigenen Fortkommen und zuletzt mit Zukäufen, heisst es in der Mitteilung.

Der kleine Schuhhändler als aussterbende Spezies

«Der klassische Schuhhändler ist eine aussterbende Spezies», bilanziert Ernst Frank. Der Entschluss, das letzte Kapitel zu schreiben, sei im Juli 2019 gefallen – gemeinschaftlich und im Einklang mit der ganzen Familie. Auch externe Fachexperten hatten von weiteren finanziellen Efforts zum Erhalt des Unternehmens klar abgeraten. Vielmehr steht jetzt die kontrollierte und sorgfältig umgesetzte Geschäftsauflösung im Vordergrund.

Bis zur Schliessung aller Ladengeschäfte im Frühjahr 2020 herrsche weiterhin Normalbetrieb, schreibt das Unternehmen in der Mitteilung. (az)

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