Äpfel sind gesund und wirken bei regelmässigem Verzehr sogar blutdruck- und cholesterinsenkend, was längst auch die klassischen Mediziner attestieren. Ob der Lokalsorte «Helliker Apfel» ebenfalls Heilsames zugeschrieben werden kann, weiss der einheimische Naturschutzverein derzeit nicht. Dennoch lanciert er ein ungewöhnliches Projekt.

Sortenblatt von Pro Specie Rara

Der amtierende Naturschutzberater und ehemalige Präsident des Vereins, Amandus Brogle, ist sich bewusst, dass es viel ehrenamtliches und fachliches Engagement braucht, um die seltene Sorte «Totenapfel von Hellikon» der Nachwelt zu erhalten.

Pro Specie Rara in Basel, die Schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren, führt das Helliker Unikum bereits in einem Sortenblatt auf und liefert in einem Minidossier schon Charakteristisches mit: «Mittelstark wüchsig, für Hochstamm geeignet; Frucht klein, gelbgrün, Deckfarbe dunkelrot gestreift und geflammt; Fleisch fest grobzellig, trocken, harmonischer Geschmack; pflückreif etwa im Oktober.» Amandus Brogle warnt gleich mal schmunzelnd vor Euphorie: «Das ist ein schöner Mostapfel, weniger für Tafelobst geeignet.»

Ihm und seinen Mitstreitern erscheint es wichtig, ein Kulturgut und damit Erbmaterial vom Helliker Apfel zu erhalten. Er erinnert sich noch gut: Von einem alten Baum wurden Zweige auf andere Bäume verpflanzt, also «aufgepfropft» und so gewissermassen veredelt. Dass dann ein jahrelanger Prozess abläuft, bis wieder Früchte hängen, leuchtet auch dem Laien ein.

Dass sich um den «Totenapfel» auch Sagen oder Historien ranken, weiss Amandus Brogle. Der Orts-
historiker Richard Müller habe nachgeforscht, in der umfangreichen Ortschronik zum 800-jährigen Bestehen von Hellikon 2009 werde der Apfel erwähnt. «Vielleicht erhielt er seinen Namen im Gedenken an das schlimme Schulhausunglück.» Zur Erinnerung: An der Weihnachtsfeier im Jahr 1875 stürzte das Treppenhaus der zehn Jahre zuvor erbauten Schule ein; dabei kamen 76 Menschen ums Leben, die meisten davon Kinder.

Bäume sollen gepflanzt werden

Im Naturschutzverein mit seinen einhundert Mitgliedern und knapp dreissig Aktiven laufen Vorbereitungen, zwischen 10 und 15 Obstbäume zu veredeln oder neu zu pflanzen, teils auf der vereinseigenen Parzelle Stygli entlang des Bachlaufs oder beim dortigen Weiher.

Und insgeheim hofft Brogle, dass es nach Fertigstellung des Kochschulneubaus auf dem Areal vielleicht auch Raum für Helliker Apfelbäume gibt. Dass der Obstexperte Frits Brunner den Apfel und die Geschichte kennt, gilt für Brogle als sicher und vor allem hilfreich. «Wir wollen die natürliche Vielfalt in Hellikon erhalten, Pflanzen und Tieren die Lebensräume sichern.»