Varroamilbe

Totalverluste im Fricktal: Imker kämpfen um ihre Bienen

Bis die Honigsaison vorbei ist, können die Waben nicht gegen Schädlinge gespritzt werden.

Bis die Honigsaison vorbei ist, können die Waben nicht gegen Schädlinge gespritzt werden.

Die Varroamilbe brachte letzten Winter unterschiedlich grosse Schäden im Fricktal. Ganze Völker starben teilweise wegen der Varroamilbe.

Wenn der Winter überstanden ist, können die Imker aufatmen. Die Varroamilbe, die für die Bienen die grösste Gefahr darstellt, kostet immer wieder Völkerverluste. Mit ausgeklügelten Konzepten, können manche Fricktaler Imker den Schaden eindämmen, es kam aber auch zu Totalverlusten.

Heinz Soder, Bieneninspektor vom Bienenzüchter Verband Laufenburg, hat seine 22 Bienenvölker verlustfrei in den Frühling gebracht. Verluste von bis zu 20 Prozent sind laut Heinz Soder aber normal, denn der Umgang mit den Varroamilben ist komplex. Er erzählt von einem durchmischten Jahr: «Ich kenne Imker, die gar keine Verluste hatten und solche, die alle Völker verloren haben diesen Winter.»

Imker Karl Lenzin aus Wölflinswil hat vierzig Bienenvölker und ungefähr 10 bis 15 Prozent davon verloren über den Winter. «Das ist eher etwas mehr als in anderen Jahren. Der letzte Herbst war ziemlich feucht, da fühlen sich die Varroamilben wohl», sagt er.

Nicht nur der Herbst war feucht, auch der Winter war mild – des einen Freud ist des anderen Leid. «Für die Bienen selber ist die Temperatur kein Problem. Aber nur wenn es kalt genug ist, hören sie auf, Eier zu legen. In diesem Milden Winter hatten sie immer junge Brut, in die sich die Varroamilbe einnisten kann», erklärt Gottfried Herzog, Vorstandspräsident der Sektion Fricktal vom Bienenzüchter Verband Aargau.

Präventive Massnahmen

Die Varroamilben in Schach zu halten, erfordert ein gutes Konzept. Thomas Amsler, Bieneninspektor des Imkervereins Bezirk Rheinfelden, erklärt: «Es gibt sehr viel zu tun, wenn man seine Bienenvölker alle durch den Winter bringen will.» Deswegen geht es nun an die Prävention. Karl Lenzin beginnt jetzt mit seiner Arbeit an den Bienen. «Es war lange zu kalt, aber jetzt kann ich mit dem Auswintern und dem Ausschneiden des Drohnenbaus anfangen.»

Den Drohnenbau auszuschneiden, ist laut Gottfried Herzog die wichtigste Massnahme gegen die Varroamilbe im Frühling. Die Drohnenwaben sind daran zu erkennen, dass sie grösser als die Waben der Arbeiterbienen sind. «In der Drohnenbrut nistet die Varroamilbe am liebsten. Davon kann man etwa die Hälfte ausschneiden und wegwerfen – oder den Hühnern verfüttern», erklärt er. So kann man einen Teil der Varroamilben im Frühling aussortieren, ohne den Honig zu beeinflussen. Gottfried Herzog empfiehlt den Imkern im Verband, ungefähr ab Juli mit natürlicher Ameisensäure gegen die Parasiten vorzugehen. Weil sie verdampft, dringt sie auch in Zellen ein und wirkt innerhalb der Brut gegen die Parasiten.

Im Spätherbst empfiehlt Herzog dann, zur Behandlung mit Oxalsäure überzugehen. «Auch chemische Mittel sind möglich, wir propagieren sie aber nicht, weil es zu Resistenzen oder zu Rückständen im Honig kommen kann.»

Nächste Bedrohung Beutenkäfer

Karl Lenzin wartet nun, bis die Honigsaison vorbei ist, das kann Juli oder auch August werden. Erst dann kann er das erste Mal mit Ameisensäure gegen die Schädlinge vorgehen. «Sonst gelangt die Ameisensäure in den Nektar», erklärt er. Bisher bleiben die Schweizer Bienen immerhin vom Beutenkäfer verschont, einem Schädling aus Afrika. Gottfried Herzog sagt: «Wir hoffen, dass er noch möglichst lange nicht zu uns kommt. In Süditalien hat man ihn ja schon entdeckt.»

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