Ein stechender, modriger Geruch steigt auf als Peter Stocker, Werkhofleiter in Möhlin, den Deckel des Metallcontainers öffnet. Die Körper zweier Hasen winden sich um einen grossen Hund. «Wenn im Hochsommer die Kühlung an den Anschlag kommt und der Container voll ist, helfen nur noch Masken gegen den Gestank», sagt Stocker.

Rund 200 Kilogramm an Kadaver werden pro Woche in der Möhliner Sammelstelle abgegeben – etwa zehn Tonnen im Jahr. Von der Spitzmaus bis zum Kalb ist alles dabei. Die Gemeinden Magden, Rheinfelden und Zeiningen sind der Möhliner Kadaversammelstelle angeschlossen und besitzen einen Schlüssel. In eine Liste, die im Kühlraum liegt, tragen die Gemeinden das Gewicht des Tieres ein, das sie deponiert haben. Der Betrag wird den Gemeinden einmal Pro Jahr in Rechnung gestellt. Privatpersonen zahlen direkt – zwei Franken pro Kilogramm.

«Das tut mir immer so leid»

Wenn Personen ihre Katze als vermisst melden und diese von einem Fremden vorbeigebracht wird, gehört es auch zu der Aufgabe von Stocker, den Besitzer über den Tod des Tieres zu informieren. «Das tut mir immer so leid. Ich versuche es den Leuten, möglichst schonend beizubringen», sagt er. Nicht wenige kämen vorbei, um ihre Katze abzuholen und sie selbst zu kremieren.

Dass die Entgegennahme und Aufbewahrung der toten Tiere nicht gerade zu den Lieblingsbeschäftigungen des Werkhofleiters gehört, kann er nicht verhehlen: «Ich bin selber sehr tierlieb, habe aber mittlerweile ein dickes Fell.» Dieses benötigte er bereits in seiner ersten Arbeitswoche auf dem Werkhof, als ein Landwirt einen Metallkübel mit zwei toten Kälbern im Sommer mehrere Tage auf dem Hof stehen liess und diesen anschliessend in die Kühlkammer der Kadaversammelstelle brachte. «Als wir den Deckel öffneten, verteilte sich der Inhalt im Raum. Es stank bestialisch und war das Ekligste, was ich je gesehen hatte.» Die Kündigung habe er zwar nicht eingereicht, aber gefragt, ob dies öfters vorkomme.

Tote Tiere vor der Türe

Die grösste Kadaversammelstelle im Fricktal ist diejenige in Frick. 15 Gemeinden sind dieser angeschlossen. Im letzten Jahr holte die beauftragte Entsorgungsfirma dort 86,4 Tonnen Kadaver ab. «Für kleine Gemeinden lohnt es sich nicht, aufgrund der Kosten und des Personalaufwands eine eigene Sammelstelle zu betreiben», erklärt Bauamt-Leiter Gregor Schmid. So habe sich Hellikon als letzte Gemeinde der Fricker Sammelstelle angeschlossen, weil die Gemeinde kein Geld in eine neue Kühlanlage investieren wollte.

Im Gegensatz zu Möhlin ist die Kadaver-Sammelstelle in Frick mit 40 Rappen pro abgegebenes Kilo wesentlich günstiger, dafür aber nur zwei Mal am Tag für 15 Minuten geöffnet. «Es ist daher schon vorgekommen, dass Leute die Tiere einfach vor die Türe gelegt haben», sagt Stocker. Dies müsste jedoch nicht so sein. «Wenn man uns anruft, dann finden wir immer einen Termin. Das ist das Mindeste, was die Empathie gegenüber dem Tierbesitzer gebietet.»

Auch Wallbach betreibt als eine der wenigen kleinen Gemeinden eine Kadaversammelstelle. 20 bis 30 Kilogramm werden pro Woche im Werkhof vorbeigebracht. «Die Einwohner der Gemeinde müssen hierfür nichts bezahlen», sagt Gemeindewerk-Leiter Erich Guarda und schiebt nach: «Dies ist ein Service, um zu vermeiden, dass Leute ihre toten Tiere oder Schlachtabfälle illegal im Wald oder Kehricht entsorgen.»