Honduras
Tonnenweise Kakao aus Honduras für Coop-Schoggi

Daniel Böni und Christoph Inauen kaufen für Chocolats Halba Kakao in Honduras. Vor acht Jahren initiierte Inauen das Projekt. Seither gab es grosse Fortschritte bei der Infrastruktur und der Qualität der Kakao-Bohnen.

Marc Fischer
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Daniel Böni (links) und Christoph Inauen (Mitte) legen bei der Fermentierung der Kakaobohnen selber Hand an.

Daniel Böni (links) und Christoph Inauen (Mitte) legen bei der Fermentierung der Kakaobohnen selber Hand an.

Marc Fischer

Sonnenschein in Jutiapa im Norden von Honduras. 32 Grad. Die Kakao-Bauern der Kooperative Copracajul servieren ihren Schweizer Gästen zur Feier des Tages heisse Schokolade. Grund zum Feiern haben die 33 Familien, die in dieser Kooperative zusammengeschlossen sind, allemal: Eben haben sie die erste Lieferung biologisch produzierter Kakaobohnen an den Baselbieter Christoph Inauen und den Fricktaler Daniel Böni übergeben. Beide arbeiten für die Coop-Division Chocolats Halba und sind im Verwaltungsrat der Chocolats Halba Honduras AG.

Christoph Inauen hat das Projekt Honduras von Chocolats Halba vor acht Jahren initiiert, war seither oft persönlich vor Ort und pflegt den Kontakt mit den «productores», den Kakao-Bauern. «Ein emotionaler Moment» sei die erste Lieferung Bio-Kakao dieser Kooperative, sagt er. Andere Kooperativen haben bereits früher Bio-Qualität für Naturaplan-Schoggi-Tafeln geliefert. Doch die neuen Lieferungen zeigen, so Inauen weiter, «dass das Projekt vorankommt und Fortschritte macht».

Thema in den TV-Nachrichten

Wenig später darf er dies auch in eine Fernsehkamera sagen, das honduranische Fernsehen dreht einen Beitrag für die Nachrichten. Und gleichentags darf er noch eine weitere Erstlieferung entgegennehmen, jene der Kooperative Coproaserso. Insgesamt finden so weitere vier Tonnen Bio-Kakao den Weg in die Schweiz. Die Bauern vor Ort sind dafür sehr dankbar. Don Luis Miguel, Vorsteher von Coproaserso etwa sagt: «Wir sind alle sehr zufrieden, für uns ist die Bio-Zertifikation ein wichtiger Schritt. Und die Schweizer sind der Motor für unsere Produktion.»

Später zu Chocolats Halba und damit zum Projekt gestossen ist der in Möhlin aufgewachsene und nun in Frick wohnhafte Daniel Böni. Mittlerweile ist er Leiter Kakaoeinkauf und war ebenfalls schon mehrfach bei den insgesamt acht Kooperativen in Honduras. Er lobt die enormen Fortschritte in Sachen Infrastruktur und die Qualität der Kakaobohnen. Diese war nicht immer so hoch, wie Böni und Inauen erzählen: «Die ersten Lieferungen mussten wir alle ablehnen.» Das Problem lag in der Fermentierung der Bohnen. Nach der Kakao-Ernte und vor dem Trocknungsprozess durchlaufen sie nämlich in Boxen einen fünf- bis sechstägigen Gärungsprozess. Dabei entstehen Temperaturen von bis zu 50 Grad und in regelmässigen Abständen müssen die Bohnen gewendet werden.

Stolze Kakao-Bauern

Mittlerweile ist der Prozess den Kakao-Bauern in Fleisch und Blut übergegangen. Stolz präsentierten sie ihren Gästen ihre Boxen – und forderten die Schweizer auf, selber Hand anzulegen. Danach wurde unter Bauern und Einkäufern gefachsimpelt, Methoden analysiert und Verbesserungsmöglichkeiten angesprochen. So muss die Infrastruktur bei der Trocknung noch verbessert werden. Aktuell ist in den beiden besuchten Kooperativen nur Freiluft-Trocknung möglich – doch auch in Honduras herrschen nicht immer heisse Temperaturen und Sonnenschein.

Tochtergesellschaft: Chocolats Halba Honduras AG

Chocolats Halba Schweiz ist eine Division von Coop und produziert jährlich rund 12 500 Tonnen Schokolade. Die Hälfte davon wird via Coop vertrieben, der Rest geht an Kunden in der ganzen Welt. Seit einigen Jahren engagiert sich Chocolats Halba stark mit nachhaltigen Projekten in den Ländern der Kakao-Produzenten.

Aus diesem Engagement hervorgegangen ist die Chocolats Halba Honduras AG, die erste Tochtergesellschaft von Coop in einem Entwicklungsland. Das Projekt in Honduras wird auch von anderen Partnern, beispielsweise der Deza (Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit) unterstützt. (mf)

Beim ganzen Treffen spürbar waren ein gegenseitiges Vertrauen und eine ausgeprägte Herzlichkeit. «Der persönliche Kontakt und der Austausch vor Ort sind dafür sehr wichtig», ist Daniel Böni überzeugt. Don Luis Miguel bestätigt dies: «Wir schätzen den direkten Kontakt sehr und fühlen uns geehrt, dass die Schweizer uns besuchen, um zu sehen, wie wir produzieren. Nichtsdestotrotz: Eine grosse Rolle spielen sicher die vereinbarten Kaufpreise und Qualitätsprämien, die über dem eigentlichen Marktniveau liegen, aber auch viele Zusatzprojekte wie etwa Förderung von Mischwaldsystemen (Agroforst), Organisationsstärkung oder kostenlose Arztvisiten bei den Kakao-Bauern.

Schlange stehen für Schoggi

«Die höheren Preise sind eine bewusste Entscheidung», so Böni, «wir möchten damit die positive Entwicklung der Kooperativen und des ganzen Sektors fördern.» Derzeit laufen die Honduras-Tafeln so gut, dass Chocolats Halba mehr Bio-Kakao aus den Kooperativen importieren könnte, ja müsste. Ein nächster Schritt ist mit den Lieferungen der beiden Kooperativen gemacht. Damit weitere folgen, haben die Schweizer Gäste natürlich auch das Endprodukt mit nach Jutiapa gebracht.

Spontan stellten sich die Kakao-Bauern und -Bäuerinnen in zwei Einerkolonnen auf, als Christoph Inauen ankündigte, dass Schoggi-Tafeln verteilt werden. Die Schokolade zauberte ein Lachen auf die honduranischen Gesichter. Und Stolz, Teil des Produktes zu sein. Die Identifikation ist zweifellos vorhanden. Und sie könnte bald noch weiter steigen. Chocolats Halba wählt demnächst aus den Kakao-Bauern ein neues «Model» aus, die dann die Tafel-Verpackung ziert. So weiss dann auch jeder Käufer, wer für die Kakaobohnen in Honduras verantwortlich ist.