Fricktal
Todesfalle Kraftwerk: Aale verenden zwischen den Turbinen

Tausende Aale machen sich jährlich von der Schweiz aus auf den Weg ans Meer. Es ist eine Reise, die die wenigsten Tiere überleben. An einer Lösung wird derzeit gearbeitet.

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Die Turbinen im Kraftwerk Laufenburg sind gross und drehen langsam. Trotzdem sterben auch hier immer wieder Aale beim Fischabstieg.

Die Turbinen im Kraftwerk Laufenburg sind gross und drehen langsam. Trotzdem sterben auch hier immer wieder Aale beim Fischabstieg.

yzo/Archiv

Es ist ein Hindernislauf, den die wenigsten überleben. Tausende Aale machen sich alljährlich auf den Weg von Schweizer Binnengewässern ins Meer, um sich dort fortzupflanzen. «Die wenigsten kommen auch an», sagt David Bittner, Bereichsleiter Fischerei beim Kanton Aargau. Die Mortalität schätzt er auf über 90 Prozent.

Ein Hauptgrund sind die Wasserkraftwerke. «In ihren Turbinen werden die Fische teilweise regelrecht gehäckselt», so Bittner. Besonders betroffen sind die grossen Fische, wie eben Aale. Die weiblichen Tiere werden bis zu 1,5 Meter lang, die Männchen gut 60 Zentimeter.

Tiere finden Abstieg nicht
«In der Tat stellt der Fischabstieg im Gegensatz zum Aufstieg an den Wasserkraftwerken eine Herausforderung dar», sagt Alexander Lennemann, Sprecher der Energiedienst Holding AG. Sie betreibt in der Region die drei Rheinkraftwerke Laufenburg, Rheinfelden und Augst-Wyhlen.

Schlüpfen und Sterben in den Bahamas Der Europäische Aal schlüpft im Atlantik in der Nähe der Bahamas. Von dort schwimmen die Larven an die europäische Küste und – langsam zum Aal heranwachsend – die Flüsse hoch. Mit etwa 12 bis 15 (Weibchen) und 6 bis 9 Jahren (Männchen) werden sie geschlechtsreif. Zum Ablaichen wandern sie im September/Oktober aus den Gewässern des Landesinneren dahin zurück, wo sie geschlüpft waren: in die Sargassosee. (nbo)

Schlüpfen und Sterben in den Bahamas Der Europäische Aal schlüpft im Atlantik in der Nähe der Bahamas. Von dort schwimmen die Larven an die europäische Küste und – langsam zum Aal heranwachsend – die Flüsse hoch. Mit etwa 12 bis 15 (Weibchen) und 6 bis 9 Jahren (Männchen) werden sie geschlechtsreif. Zum Ablaichen wandern sie im September/Oktober aus den Gewässern des Landesinneren dahin zurück, wo sie geschlüpft waren: in die Sargassosee. (nbo)

ZVg

Die Fische könnten zwar für ihren Abstieg auch die Aufstiegstreppen benutzen. «Den Eingang finden sie aber selten, weil sich viele Fische direkt mit dem Strom abwärts treiben lassen», erklärt Lennemann. Anders als beim Aufstieg stossen sie beim Abstieg nicht gegen eine Barriere und sind nicht gezwungen, nach einem Abstieg zu suchen – mit fatalen Folgen.

Lösung für kleinere Kraftwerke
Das Problem sei erkannt und man arbeite mit Hochdruck daran, sagt Bittner. So müssen gemäss dem neuen Gewässerschutzgesetz bis ins Jahr 2030 sämtliche Anlagen für den Fischauf- und abstieg saniert sein. Für kleinere Kraftwerke (bis 100 Kubikmeter pro Sekunde) gibt es dabei bereits eine Lösung: Feinrechen. «Das ist eine Schutzvorrichtung, welche die grossen Fische davon abhält, ins Kraftwerk zu gelangen», erklärt Bittner. Stattdessen werden sie zu einer Rinne geleitet.

«Bei den grossen Rheinkraftwerken kann man Feinrechen wegen der grossen Wassermengen aber nicht einsetzen», sagt Energiedienst-Sprecher Lennemann. Zwar verfügen diese Kraftwerke über grosse Turbinen, die langsam drehen und daher etwas weniger tödlich sind – trotzdem sterben auch hier immer wieder Tiere oder verletzen sich schwer. «Insbesondere bei grossen Fischen können wir Verletzungen nicht ausschliessen», sagt Lennemann.

Erste Pilotprojekte gestartet
Vor fast fünf Jahren hat der Verband Aare-Rheinwerke deshalb ein Forschungsprojekt initiiert mit dem Ziel, eine technische Lösung für den Fischabstieg zu finden. Inzwischen liegen erste Ergebnisse der Studie vor. «Die Arbeiten haben vor allem gezeigt, dass wir noch sehr wenig wissen. Und dass wir noch sehr weit von einem technischen Standard für grosse Flusskraftwerke entfernt sind», sagt David Bittner.

Eine Idee, die genauer verfolgt wird, ist jene des Leitrechens. Ein Rechen, den die Fische zwar passieren könnten – der aber das Wasser so verwirbelt, dass sie ihn als Hindernis wahrnehmen. «So könnten sie ebenfalls zu einer Rinne geleitet werden», sagt Bittner. Zwei Pilotprojekte würden derzeit gestartet. Aber für Bittner ist das nicht genug: «Es wird sich auch zeigen müssen, ob die Betriebszeiten der Kraftwerke den Wanderungen der Fische angepasst werden könnten.»

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